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Eva Freppon unterrichtet die Flüchtlinge im ehemaligen Gemeindekindergarten in der Schulstraße.
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Eva Freppon unterrichtet die Flüchtlinge im ehemaligen Gemeindekindergarten in der Schulstraße.

Großkrotzenburg

Vertrauenslehrerin für Flüchtlinge

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Eva Freppon bringt syrischen und afghanischen Flüchtlingen Deutsch bei - Berührungsängste kennt sie nicht. Zum Glück, denn bei diesem ehrenamtlichen Engagement sind nicht nur pädagogische Fähigkeiten gefragt.

Oft muss Eva Freppon lachen, manchmal ist ihr nach Weinen zumute. Sie lacht, wenn ihre Schützlinge irgendwo Vokabeln wie „Schatzi“ aufschnappen, sich prächtig über den Klang und die Bedeutung amüsieren und das Wort ständig wiederholen. Nach Weinen ist ihr zumute, wenn die Flüchtlinge ihr erzählen, wie gefährlich ihre Flucht war, und was für eine Angst sie um ihre Familien haben, die sie zurücklassen mussten. Wenn sie berichten, dass in Syrien Soldaten willkürlich Häuser besetzen und Frauen vor den Augen ihrer Angehörigen vergewaltigen. „Ich habe in den Nachrichten die Bilder gesehen. Aber das war weit weg“, sagt Eva Freppon. „Erst als ich den Männern hier in die Augen gesehen habe, habe ich eine Ahnung davon bekommen, was dort los ist.“

Seit Ende September hilft sie 14 Flüchtlingen, die im früheren Gemeindekindergarten untergebracht sind, beim Deutsch lernen. Zwölf der Männer im Alter zwischen 18 und Ende 40, Anfang 50 kommen aus Afghanistan, zwei aus Syrien. Zweimal pro Woche gibt Freppon ehrenamtlich zwei Stunden Unterricht, kommt aber auch an unterrichtsfreien Tagen vorbei. „Wir sind zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen und verbringen gern Zeit miteinander. Sie lernen von mir und ich von ihnen“, sagt die 63-Jährige.

Aufruf gefolgt

Die Idee, sich zu engagieren, kam Freppon, als sie im Gemeindeblatt einen Aufruf von Bürgermeister Friedhelm Engel (CDU) las. Engel suchte vor allem nach Wohnraum für die Flüchtlinge – und fand keinen. Freppon hatte zwar keine freien Zimmer, bot aber sofort ihre Dienste als Lehrerin an. „Ich habe nicht groß überlegt, wollte helfen und habe während meiner Reisen nur gute Erfahrungen mit anderen Kulturen gemacht“, sagt die Großkrotzenburgerin. Berührungsängste kenne sie nicht, außerdem hat Freppon früher als Sprachlehrerin gearbeitet.

Am Anfang hat sie sich stark an Lehrbüchern orientiert, mittlerweile gestaltet sie den Unterricht freier und spielt mit den Flüchtlingen oft Alltagsszenen nach, ob im Supermarkt oder an der Bushaltestelle. „Ich korrigiere auch nicht jedes Wort. Wichtig ist, dass sie in den Redefluss kommen und Erfolgserlebnisse haben.“ Eine Anwesenheitsliste führt sie zwar, doch das sei eigentlich gar nicht nötig: „Meistens sind sie sehr motiviert, saugen alles auf – was mir wiederum Freude macht.“

Manchmal haben die Männer aber auch depressive Phasen. Sie hätten einerseits, sagt Freppon, eine große Energie, andererseits seien sie manchmal niedergeschlagen und „stellen sich quälende Fragen: Wird mein Asylantrag angenommen? Wann kann ich endlich arbeiten? Wie geht es meiner Familie?“

Freppon ist für die Flüchtlinge nicht nur Lehrerin, sondern auch Vertraute, zum Beispiel für einen junger Syrer. „Ich bin sehr dankbar, dass Eva da ist, mit uns lernt und wir immer mit ihr reden können“, sagt er. Mehr als 10000 Euro habe er der Schlepper-Mafia für die Flucht zahlen müssen. Er hofft, dass er in Deutschland bleiben kann. Mit seinen Gedanken ist er aber in Syrien, seit einer Woche hat er keinen Kontakt mehr zu seiner Familie gehabt.

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