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Verbindung zur Weißen Rose

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Von: Wiebke Rannenberg

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Josef Gieles aus Hanau ist mit den Widerstandskämpfern befreundet gewesen. Einige seiner Briefe stehen im Mittelpunkt eines Vortragsabends.

Die Briefe eines Medizinstudenten, die er zwischen 1939 und 1942 an seine Familie schickte, stehen im Mittelpunkt eines Vortragsabends, zu dem der Heimat- und Geschichtsverein Klein-Auheim und die Stadt Hanau einladen: Josef Gieles, 1918 in Klein-Auheim geboren und dort aufgewachsen, gelte heute als „die entscheidende Quelle über die Weiße Rose“, sagt Professor Heinrich Kanz, der 191 erhaltene Briefe veröffentlicht und kommentiert hat.

Denn der Medizinstudent Gieles lebte nicht nur in München mit Sophie Scholl in einem Haus, er gehörte auch der Wehrmachtseinheit an, in der sich Widerstandskämpfer wie Hans Scholl und Alexander Schmorell trafen, der 2. Studentenkompanie der Mediziner. Josef Gieles war nicht an Widerstandsaktionen beteiligt, gehörte aber zum „weiteren Freundeskreis der Weißen Rose“, schreibt die Historikerin Christiane Moll. So schildere er Kritikpunkte gegen den Nationalsozialismus „sehr drastisch und konkret“, so Moll. Zudem zeichne er die Atmosphäre und die Struktur der Studentenkompanie „sehr viel unverschlüsselter und detaillierter“ als Hans Scholl und Alexander Schmorell es in Briefen täten.

Briefe im Garten vergraben

Dass so kritische Äußerungen in Briefen mitten im Krieg möglich waren, „hat uns alle gewundert“, sagt Herausgeber Kanz. Kanz heiratete im Jahr 1953 die Schwester von Josef, Agnes Gieles. Josef hatte er in den Kriegsjahren nur kurz kennengelernt. Denn nach dem Studium wurde dieser als Arzt an die Front geschickt – und starb am 27. Januar 1945 in Guben/Neiße an einem Bauchschuss. Die Briefe hatten Mutter und Schwester in Blechdosen im Garten vergraben, nachdem die Geschwister Scholl ermordet worden waren.

Beeindruckt ist Kanz von der „ungeheuren inneren Selbstständigkeit in der Ablehnung des Nationalsozialismus“ des jungen Mannes. Diese habe ihre Wurzeln im katholischen Glauben und seinem Elternhaus. Sein Vater Franz-Xaver Gieles wurde als Rektor der Volksschule Klein-Auheim im April 1942 von den Nationalsozialisten seines Amtes enthoben. Nach 1945 bekam er den Posten zurück, heute ist eine Straße nach ihm benannt.

Abend mit Heinrich Kanz: Donnerstag, 3. Juli, 19 Uhr, Zentrum für Ortsgeschichte, Schönfelderstraße 1, Hanau/Klein-Auheim. „Josef Gieles Studentenbriefe 1939-1942. Widerständiges Denken im Umfeld der Weißen Rose“, Peter Lang Edition, 59,95 Euro.

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