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Die Scouts wollen mit Jugendlichen über Alkohol reden, aber keine Predigt halten.
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Die Scouts wollen mit Jugendlichen über Alkohol reden, aber keine Predigt halten.

Kerb Maintal

Unter jungen Trinkern

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Zwei Schwestern werben auf der Kerb in Wachenbuchen für einen vernünftigen Umgang mit Alkohol.

Selbst Sturzbetrunkene dürften Jennifer und Kristin Glass kaum übersehen. Sie spazieren über die Kerb in Wachenbuchen und tragen grellgelbe Westen, auf deren Rückseite ein Schild gepinnt ist: Zwei gelbe Katzenaugen auf schwarzem Grund sind darauf zu sehen, „Wir schauen hin! Kein Alkohol an Kinder und Jugendliche!“ lautet die Aufschrift. Erst gehen die Schwestern zum Tresen. Freundlich erinnern sie die Verkäufer ans Jugendschutzgesetz und geben ihnen eine Übersicht. Diese listet Geburtsdaten auf und die Getränke, die in den Altersstufen erlaubt sind.

Dann sprechen die beiden jungen Frauen aus Flörsheim und Hochheim die Kinder und Jugendlichen auf dem Festplatz an. „Habt ihr kurz Zeit?“ fragen sie zunächst und stellen sich vor: Sie sind für die aufsuchende Suchtberatung der Stadt im Einsatz und wollen mit den jungen Festgästen über deren Erfahrungen mit Alkohol ins Gespräch kommen. „Keine Angst! Wir wollen euch nicht kontrollieren und euch auch nichts vorschreiben“, betont Kristin Glass. „Uns interessiert einfach, wie ihr mit Alkohol umgeht.“ Später wird sie mit den jungen Frauen und Männer ein kleines Quiz machen und ihnen dafür Gummibärchen geben. Es geht unter anderem darum, ob Alkohol nur die Leber oder auch andere Organe schädigt. Ob Frauen und Männer genauso schnell betrunken werden. Und welche Folgen Alkohol für die Potenz hat.

Die Stadt Maintal schickt seit 2009 sogenannte Scouts wie Jennifer und Kristin Glass zu Volksfesten. „Wir können und wollen grundsätzlich niemandem etwas verbieten. Aber wir wollen unter jungen Menschen für einen vernünftigen Umgang mit Alkohol werben“, sagt Verena Strub, die das Projekt für die städtische Suchtprävention leitet. „Einerseits gibt es – auch in Maintal – immer mehr Jugendliche, die wenig oder gar keinen Alkohol trinken“, beobachtet Strub. „Andererseits gibt es auch eine wachsende Gruppe, die zumindest zeitweise exzessiv trinkt.“ Strub will, dass die Heranwachsenden lernen, Nein zu sagen, Grenzen einzuhalten.

Nicht nur zur Kerb

Deshalb gehen die Scouts nicht nur zur Kerb, sondern auch zum Straßenfest nach Bischofsheim oder zu den Weihnachtsmärkten – wo die jungen Präventionskräfte nicht nur Info-Material, sondern auch Teebeutel mit dem Hinweis „Trink doch mal was anderes!“ verteilten. „Viele haben geschmunzelt und sind mit uns dadurch ins Gespräch gekommen. Wir wollen nicht verbohrt, sondern locker aufklären.“ Das Motto „Wir schauen hin“ sei gewählt worden, „weil wir alle in der Verantwortung stehen“, sagt Strub. Leider würden Verkäufer, ob an der Tankstelle oder auf Festen, immer wieder Alkohol an Minderjährige verkaufen. Und wenn nicht, würden ältere Freunde die Getränke besorgen.

Pädagogin Kristin und Veranstaltungskauffrau Jennifer waren schon dutzende Male im Einsatz. „Anfangs haben uns einige als ,Alkohol-Polizei‘ verhöhnt, aber das sind wir nicht, wir wollen nur ein paar Impulse geben. Und die Reaktionen sind in der Regel positiv“, sagt Jennifer Glass. Sie räumt ein, dass sie Sisyphos-Arbeit betreibt. Und dass der Erfolg kaum messbar ist. Aber: „Es ist schon viel Wert, wenn wir jemanden kurz zum Nachdenken bringen und die eine oder andere Fehleinschätzung ausräumen können“, sagt Jennifer Glass. Das treibe sie an.

Bei einem ihrer Einsätze hat sie eine etwa Zwölfjährige entdeckt, die am Boden lag, nachdem sie Unmengen Wodka gesoffen hatte. In Wachenbuchen müssen die Glass-Schwestern kein Komasaufen mit ansehen. Alle, die sie ansprachen, hätten das Quiz gemacht – und einige Wissenslücken offenbart. So mancher dachte zum Beispiel, dass Alkohol nur der Leber schadet.

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