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Die Bremer Stadtmusikanten
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Die Bremer Stadtmusikanten

Märchenfestspiele

Ein ungleiches Quartett

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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„Die Bremer Stadtmusikanten“ sind in einer neuen Inszenierung bei den Brüder-Grimm-Festspielen in Hanau zu sehen. Die ist aber leider nicht durchweg gelungen.

Es ist kein leichtes Erbe, das Michael Deckner antritt: „Die Bremer Stadtmusikanten“ in der Version des früheren Intendanten Dieter Stegmann, 1996 uraufgeführt und 2004 wieder in den Spielplan aufgenommen, waren die erfolgreichste Produktion der Brüder-Grimm-Märchenfestspiele überhaupt. Damals lebte das so lustige wie anrührende Musical vom Zusammenspiel der Hauptfiguren und den schönen Melodien.

Michael Deckner, Autor und Regisseur in Personalunion, inszeniert das Stück in dieser Saison als Schauspiel mit Musikeinlagen, das die ganze Familie ansprechen soll; Premiere war am Samstagnachmittag. Der Kindertheaterprofi belässt den Handlungsfaden im Wesentlichen so, wie das Grimm’sche Original es vorgibt: Vier alte Tiere sollen geschlachtet werden, weil sie ihre Arbeit nicht mehr wie gewohnt leisten können. Der Esel ist zu schwach, um Mehlsäcke zu schleppen, der Hund zu tatterig, die Katze nicht mehr flink genug für effektiven Mäusefang, der Hahn taugt seiner Besitzerin nur noch für die Suppe. Die vier Senioren flüchten, tun sich zusammen, um nach Bremen zu ziehen und dort Stadtmusikanten zu werden. Denn, so der berühmte Satz: „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall.“ Bis in die Hansestadt kommt das Quartett zwar nicht, dafür besetzt es ein Räuberhaus, vertreibt die ruchlose Bande – und verbringt den Lebensabend gemeinsam.

In diese tierische Geschichte von tiefer Menschlichkeit führt Deckner zwei witzige Figuren ein, die ganz nach (nicht nur) kindlichem Geschmack sein dürften: Der Polizist (Detlev Nyga) mit seiner Sirene auf dem Kopf und der Förster (Marc Ermisch) mit Geweih sind allein optisch Kracher. Liebenswert unbeholfen helfen die zwei norddeutschen Dödel den Helden und bereichern das Märchen, ohne es zu verfälschen.

Das komische Duo tut dem Stück gut – auch deshalb, weil die Hauptfiguren nicht so dominant in Szene gesetzt sind und in ihrer Gesamtheit nicht so bestechend agieren wie die Charaktere das eigentlich hergeben. So überzeugen Esel und Katze wesentlich mehr als Hund und Hahn: Helmut Potthoff verkörpert das müde Lastentier mit schleppendem Gang und rauher Stimme überaus lebensnah; wie er unter dem Gewicht der schweren Säcke zusammenbricht, geht an die Nieren. Und Nadine Buchet ist eine wunderbar kapriziöse Mieze, an deren Bewegungen die Zeit zwar ihre Spuren hinterlassen, die sich aber trotzdem ihre Grazie bewahrt hat.

Claudia Brunnert, im Ensemble seit vielen Jahren eine bewährte Größe, tut sich als Hund schwerer. Zwar spielt sie den tapsigen Kerl durchaus drollig, doch mit der Stimme kämpft die Schauspielerin hörbar: Sie muss für eine tiefere Tonlage deutlich pressen, das klingt angestrengt. Oscar Ehrlich wiederum wirkt als alternder Hahn zu massig, zu ungelenk; sein Habitus hat so gar nichts von einem flirrenden Federvieh.

Internationale Räuber

Stärken und Schwächen prägen auch die Räuber, Widerpart der tierischen Viererbande. Deckner macht aus ihnen eine internationale Truppe mit einem Russen, einem Italiener und zwei Chinesen. Das Gewirr verschiedener Akzente auf der Bühne erscheint dann allerdings des Guten zuviel. Die Grenze zur Albernheit überschreiten insbesondere die beiden Chinesen. Das liegt weniger am Spiel von Barbara Bach und Corinna Lechler, sondern eher daran, dass ihr Sprachfehler überreizt wird und deshalb ermüdet.

Dennoch überwiegen die unterhaltsamen Momente – ein Glanzpunkt wie die Inszenierung von einst ist das Stück aber nicht.

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