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Spiele können im Leihladen auch ausprobiert werden, nicht nur beim Jubiläumsfest.

Maintal

Gut für Umwelt und Geldbörse

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Hessens erster Leihladen feiert sein einjähriges Bestehen und zieht eine positive Bilanz.

Einen Rührteigkuchen in Form eines VW-Käfers backt man nicht alle Tage. Eine Sackkarre braucht man selten und die Abflussreinigerspirale nur wenig mehr. Deswegen müssen diese und andere selten genutzte Dinge nicht gleich gekauft werden und auf Dauer zu Hause Platz wegnehmen. Im Gewerbegebiet im Stadtteil Dörnigheim können sporadisch benötigte Sachen ausgeliehen werden - und das kostenlos. Hessens erster Leihladen feierte am Samstag sein einjähriges Bestehen. Die Gründerinitiative aus Bürgern zog hoch zufrieden Bilanz.

„In dem einen Jahr ist ganz viel passiert. Das Konzept wird sehr gut angenommen, von Ausleihern und Spendern“, berichtet Florian Grünert, einer der Sprecher und Gründer des Leihladens. Die Regale im 30 Quadratmeter großen Raum eines ehemaligen Getränkemarktes sind dicht bestückt und reichen nicht mehr aus. Ein paar Meter weiter ist ein Lager eingerichtet worden. Mehr als 440 Gegenständen zählen zum Bestand, der ordentlich in einem papiernen und digitalen Katalog verwaltet wird.

Der Leihladen wurde als Zeichen gegen eine wachsende Wegwerfmentalität gegründet, so Grünert. Wegen seines positiven Wirkens für den Umweltschutz, wurde der Laden 2018 mit dem Hanauer Nachhaltigkeitspreis bedacht und das Team zum Klimagipfel in Offenbach eingeladen.

Dort hat Claudia Stiefel den Leihladen kennengelernt: „Es ist eine großartige Idee.“ Sie hat hier bereits ein Laufrad geliehen. Auch Anne Denecke aus Frankfurt findet es „super“, dass sich der Leihladen durchsetzen konnte. „Für die nächste Reise werde ich mir hier einen von den großen Koffern borgen. Warum soll ich mir einen übers ganze Jahre in die Wohnung stellen“, sagt die ehemalige Frauenbeauftragte der Stadt Maintal.

Genug Raclettes und Fondues

Nicht wenige Festbesucher nutzen die Möglichkeit einer Sachspende wie die Maintalerin, die eine weißfarbene Friteuse aus einer großen Tasche holt. „Einmal gebraucht und dann nie wieder“, sagt zu Yvonne Spiegelhalder vom Leihladen. Nach einer Sichtprüfung sagt die: „Nehmen wir!“, und holt ein Formular, auf dem die Schenkung quittiert wird. Es gehört zum Konzept, dass Leute ihre nicht benötigten oder kaum verwendeten Dinge dem Leihladen schenken, damit der die unentgeltlich ausleihen kann. Lediglich eine Kaution in Höhe des aktuellen Gegenwertes wird genommen. Nach Rückgabe erhält der Ausleiher den Betrag retour. Es war die Ausnahme, dass Gegenstände nicht zurückfanden, heißt es.

Nicht mehr jede Schenkung kann angenommen werden, sagt Grünert. „Vor Raclettes und Fondues haben wir mittlerweile mehr als genug“, sagt er. Damit die potenziellen Geber einschätzen können, was benötigt wird, gibt es eine Wunschliste. „Für Stehtische, Pavillonzelte, Umzugskartons oder komplette Werkzeugkoffer sind wir sehr dankbar“, sagt Grünert. Noch eine Sackkarre oder ein Gartenhäcksel würden ebenfalls nicht auf Ablehnung stoßen. Beides ist laut Grünert ständig unterwegs.

Benötigt werden aber auch weitere Mitstreiter, um die Öffnungszeiten zu verlängern, etwa auf den Samstag. Der Bedarf sei vorhanden, sagt Grünert, der hauptberuflich das Kulturamt der Stadt leitet. Zurzeit wird der Leihladen von einer siebenköpfigen Kernmannschaft ehrenamtlich betrieben. Mehr als eineinhalb Stunden Öffnung pro Woche seien damit nicht machbar.

Die Öffnungszeit für Ausleiher und Geber von Sachspenden ist freitags von 16 bis 17.30 Uhr, Carl-Zeiss-Straße 6, Maintal.

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