Archäologe Frank Lorscheider und sein Fund.
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Archäologe Frank Lorscheider und sein Fund.

Stadtumbau

Umstrittene Brücke

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Der archäologische Fund unter dem Freiheitsplatz wird unterschiedlich bewertet. war er eine Brücke, ein Steg zur Kanalsäuberung oder irgendwas ganz anderes?

Unerwarteter Fund unter dem Freiheitsplatz: Bei Arbeiten auf der Südseite ist in der Erde zwischen Wasser und Mengen von Schlamm ein längliches Bauwerk aufgetaucht, das vorher in keiner historischen Abbildung der ehemaligen Hanauer Festung aufgeführt war. Freigelegt haben es die Arbeiter direkt unterhalb der Besuchertribüne auf dem Freiheitsplatz. Entdeckt wurden unter anderem große Steinquader und Holzbalken in gutem Zustand.

Der Archäologe Frank Lorscheider, als Grabungsleiter zuständig für die archäologischen Untersuchungen auf dem Freiheitsplatz, hält den Fund für eine historische Brücke, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstanden ist. Dass die Brücke auf keiner Darstellung dokumentiert wurde, könnte seiner Ansicht nach militärtaktische Gründe haben.

Zum Säubern des Kanals

Martin Hoppe, Vorsitzender des Hanauer Geschichtsvereins 1844, begegnet dieser Einschätzung indes mit Skepsis: „Man fragt sich, wohin die Brücke denn eigentlich führen sollte.“ Die Fundstücke wiesen direkt auf das Rondell, dass sich auf dem Grund des heutigen Freiheitsplatzes befand. Der Geschichtsverein gehe deshalb „nicht davon aus, dass es sich um eine Brücke handelt“, so Hoppe. Er ist der Auffassung, dass das gefundene Bauwerk einst als Steg genutzt wurde, von dem aus der Kanal gesäubert wurde. Hoppe vermutet, dass er im Zuge der Neustadtgründung – also um 1600 – oder später errichtet wurde.

Im Zuge der Bauarbeiten für die Umgestaltung des Freiheitsplatzes sind bereits etliche archäologische Fundstücke auftaucht: eine Schießscharte, Buckelquader mit Steinmetzzeichen, die vom großen Rondell stammen, Stützpfeiler des ehemaligen Zeughauses, das um 1530 entstand, oder Teile der mittelalterlichen Straße vor der Altstadt.

Ein Teil der Funde soll in sogenannten „archäologischen Fenstern“ auf dem neuen Freiheitsplatz sichtbar gemacht werden.

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