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Ralf Graf präsentiert sein Buch „Unschärferelation“.
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Ralf Graf präsentiert sein Buch „Unschärferelation“.

Über den Krieg als Therapie

Gelnhausen Autor Graf verortet mit Bewältigung der Familiengeschichte auch sich selbst

Von Christoph Süß

Sein Großvater kämpfte als Soldat im Zweiten Weltkrieg, doch Mitglied der Waffen-SS war er nicht. Um dies ausschließen zu können, hat Ralf Graf jahrelang recherchiert. Damit all die Mühe nicht vergebens war, hat der gebürtige Freigerichter im vergangenen Jahr ein Buch herausgebracht. Doch war das Interesse an Historischem nicht seine einzige Triebfeder: Der Kommunikationsberater wollte damit auch etwas über sich selbst herausfinden.

„Ich kann gut abladen“, sagt Graf über den Schreibprozess des Buches, das stark autobiografische Züge trägt. Wie Graf ist auch der Protagonist der Handlung gelernter Journalist, der sich auf die Spuren seines Vaters nach Russland begibt. Dabei kommt er russischen Neonazis und zwielichtigen Behörden in die Quere – ein Thema, das Graf noch stark beschäftigt. Er sieht eine Parallele zu den deutschen NSU-Morden.

Der 50-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass er sein Buch auch verkaufen will. „Sonst hätte ich eins zur Heimatgeschichte geschrieben“, sagt er. Bereits als 20-Jähriger habe er viel über die NS-Zeit gewusst, sich mit den Schicksalen von Juden, politisch Verfolgten und Künstlern beschäftigt. Das Interesse bei den Heimatzeitungen, für die er als Student schrieb, habe sich jedoch in Grenzen gehalten. Jahrelang schlummerten die Notizen deshalb in der Schublade, bis er sich entschloss, sie zu publizieren.

Nachdem der gelernte Journalist jahrelang in der Presseabteilung von heraus gearbeitet hatte, ist er seit rund 15 Jahren freiberuflich tätig. Politiker ebenso wie Unternehmen, Verbände und Behörden zählen zu seinen Kunden. Dafür hat er sich zusätzlich zu seinem Studium in Politik, Philosophie und Theologie psychologisch schulen lassen.

Graus Aufenthalte in Moskau, wo er an einer Universität deutsche Zeitgeschichte lehrte, haben ihn zu seiner Geschichte inspiriert, die zum Teil auf wahren Begebenheiten beruht, zum Teil erfunden ist. Die Namen hat der Geldhäuser so geändert, dass er keine Schwierigkeiten bekommt. Insgesamt zwei Jahre hat Graf an dem Buch geschrieben.

Das Schreiben geht Graf leicht von der Hand – nur vier Monate hat er für das Manuskript gebraucht. „Ich musste das einfach machen“, sagt er über das Projekt. Damit habe er etwas für sich tun wollen. Ihn interessierte, wie der Großvater trotz seiner Kriegserlebnisse scheinbar unbeeindruckt weiterleben konnte. Graf räumt ein, dass das Buch keine leichte Lektüre ist. Es wechselt zwischen früher und heute, die Fäden verbinden sich erst am Ende.

„Wer das liest, weiß, wo ich stehe“, sagt er zu Befürchtungen aus dem Publikum bei seinen Lesungen, er könne mit der Schilderung der Ereignisse die Täter rehabilitieren. Schließlich hat er die Geschehnisse – etwa die Kämpfe im Büdingen Wald vom April 1945 – genau rekonstruiert. Sein Opa, der in Russland 1944 verwundet wurde, hat während der Genesung in einem Gefangenenlager in Bad Orb Dienst verrichtet. Belege für seine Beteiligung an den Graulen an russischen Gefangenen hat der Enkel nicht gefunden.

„Unschärferelation - Das Berlin-Attentat“, Medium Verlag, Dreieich, 262 Seiten, Preis 12 Euro.

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