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Tukur trifft alte Bekannte - hier im Schulmuseum des Franziskanergymnasiums Kreuzburg mit "wilden Tieren".
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Tukur trifft alte Bekannte - hier im Schulmuseum des Franziskanergymnasiums Kreuzburg mit "wilden Tieren".

Großkrotzenburg

Tukur besucht "seine" Schule

Der Schauspieler und Musiker Ulrich Tukur ist an seiner ehemaligen Schule, dem Franziskanergymnasium Kreuzburg, zu Gast. Seit 1972 hatte er den Ort nicht mehr besucht.

Von Jan Kreidt

Es war eine traumschöne Zeit“, schwärmt Ulrich Tukur, während er sich in seiner ehemaligen Schule in Großkrotzenburg umsieht. Der Schauspieler ist dort, um aus seinem Buch „Die Seerose im Speisesaal“ zu lesen.

Fünf Jahre lang hat der Schauspieler im Franziskanergymnasium Kreuzburg die Schulbank gedrückt, aber viel gibt es nicht mehr, was an damals erinnert. Die Gebäude haben sich vollkommen verändert. Erst als Tukur die Sammlung der ausgestopften Tiere im Schulmuseum entdeckt, beginnen seine Augen zu leuchten. „Ich weiß noch genau, wie mich die Stücke damals fasziniert haben“, erzählt er.

„Ich war am Anfang ein ganz passabler Schüler, habe aber nie Hausaufgaben gemacht“, erinnert er sich. Nur durch ein „kleines Wunder und gute Beziehungen“ sei er überhaupt auf diese Schule gekommen, schließlich ist Tukur evangelischen Glaubens. Vor allem an die Pater, die ihn unterrichtet haben, erinnert er sich: „Das waren skurrile Typen, einer hat immer im Klassenraum Zigarre geraucht.“

Geboren wurde der Schauspieler, der in Filmen wie „Das Leben der Anderen“ und dem neuen hessischen Tatort mitgespielt hat, in Viernheim. 1963 kam er nach Großkrotzenburg, als sein Vater Betriebsleiter im Kraftwerk Staudinger wurde. „Ein, zwei Mal“ hat der junge Ulrich das Werk besucht und als laut und gigantisch empfunden. Dass es aktuell in der Region Streit um den Ausbau gibt, hört er aber zum ersten Mal. Klar positionieren will er sich dazu nicht, gibt aber zu bedenken: „Fossile Energiegewinnung muss irgendwann ersetzt werden.“

Mehr als das Kraftwerk hat ihn damals schon die Musik fasziniert. In Großkrotzenburg hat er seine ersten Klavierstunden genommen, musste allerdings durch eine harte Schule: „Frau Werner, meine Lehrerin, brachte mir klassische Stücke bei. Es war schrecklich öde.“ Erst als er in einem Musikgeschäft in der Hanauer Altstadt Notenblätter mit Jazzmusik entdeckte, hat sich sein Verhältnis zum Klavier entspannt. Fats Waller und Duke Ellington wurden Tukurs neuen Idole. Auch seine Liebe zum Film ist am Main entflammt: „Ich war hier oft im Dorfkino und habe Karl May Filme gesehen.“ An den Kinobesitzer kann er sich noch lebhaft erinnern. Der schnitt eigenhändig die nicht jugendfreien Stellen aus den Filmen: „Deshalb hieß er bei uns nur der „Schnibbler.“

1972 hat seine Familie Hessen verlassen, seitdem ist die Verbindung zu seiner alten Heimat völlig abgerissen. Freunde hat er hier keine mehr und nur durch Zufall hat es ihn vor einigen Jahren wieder an den Ort seiner Jugend verschlagen. „Ich war am Main, wo wir Kinder immer geangelt haben“, berichtet Ulrich Tukur. „Der Fluss ist heute viel sauberer.“

Vergangenen Samstag ist er dann aber doch noch einmal angereist, um in seiner ehemaligen Schule aus seinem Buch zu lesen: „Einen besseren Ort kann es dafür eigentlich gar nicht geben.“

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