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Mehr als 1500 Wohneinheiten wird der Pioneer-Park umfassen, Neubauten und sanierte ehemalige Wohnungen von US-Soldaten.

Hanau

Altlasten sorgfältig sanieren

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Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland fordert beim Pioneer-Park in Hanau viele Nachbesserungen. Die Stadt geht davon aus, dass alle Probleme gelöst werden können.

Es ist das Prestigeprojekt Hanaus: der „Pioneer-Park“. Ein Viertel für gut 5000 Menschen, das nach dem Willen der Verantwortlichen im Rathaus und der privat-öffentlichen Landesentwicklungsgesellschaft Hessen-Hanau (LEG) ein klimaneutrales Quartier der Zukunft werden soll, zum Beispiel mit E-Carsharing. Die ersten Wohnblöcke in der früheren Kaserne sollen 2019 fertig sein, die ersten Häuser 2020.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt in seiner Stellungnahme zum Bebauungsplan vor dem straffen Zeitplan. Das 31 Seiten umfassende, vom Arbeitskreis Altlasten und vom Landesvorstand verfasste Papier, das der FR vorliegt, enthält viele kritische Einschätzungen und Hinweise.

Als einen der Knackpunkte sieht der BUND die sogenannte Seveso-Richtlinie. Diese dient unter anderem dazu, Bewohner vor Gefahren durch mögliche Unfälle in den benachbarten Industrieunternehmen zu bewahren, beispielsweise bei einem Brand. Die Naturschützer kritisieren, dass etwa die Firma Daher Nuclear Technologies, die schwach- und mittelradioaktive Stoffe lagert, bei der Bewertung nicht berücksichtigt worden sei. Und dass als Windgeschwindigkeit nicht die tatsächlichen zweieinhalb Meter pro Sekunde angesetzt werden, sondern die in der Innenstadt gemessenen eineinhalb Meter pro Sekunde. Sollten Schadstoffe freigesetzt werden, würden somit die weiträumigen Folgen „völlig unterschätzt“. Hinzu kommt: Das Gutachten des TÜV Nord stammt aus dem Jahr 2008; die Seveso-Vorschriften wurden mittlerweile jedoch geändert. Der Bebauungsplan „kann daher derzeit nicht verabschiedet werden“, urteilt der BUND und verlangt eine neue Untersuchung, die auf aktuellen Werten beruht und auch Gefahren durch einen Flugzeugabsturz einbezieht. 

„Das Gelände ist vielfältig und im wahrsten Sinne tiefgehend mit Schadstoffen verschiedenster Art kontaminiert“, sagt Landesvorstandsmitglied Werner Neumann und fordert eine „umfassende Sanierung“ von Boden, Grundwasser und Gebäuden auf dem Pioneer-Areal. Dass dies schnell auf dem gesamten Gelände gelingt, hält der BUND nicht für möglich, auch weil viele Fragen zum Grad der Kontaminationen offen sind. Etwa bei einer der gravierendsten Altlasten, einem Schaden durch Leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW), dessen Ursprung unbekannt ist. Im B-Plan heißt es dazu, die Schadstofffahne sei bisher „nicht abschließend eingegrenzt“. Es brauche weitere exakte Analysen.

Der Arbeitskreis Altlasten bemängelt außerdem einige der geplanten Sanierungsmethoden. Er mahnt, Dauer und Kosten sollten nicht im Vordergrund stehen, und schlägt etwa bei halogenierten Kohlenwasserstoffe im Untergrund ein anderes Verfahren vor. Dabei wird der belastete Boden ausgebohrt und das kontaminierte Wasser abgepumpt.

Der BUND spricht sich für zwei B-Pläne aus, einen für die nicht sanierten Flächen und einen für die sanierten. Nur auf letzteren dürfe gebaut werden. Die Pläne sollten erst vorgelegt werden, wenn es ein genehmigtes Sanierungskonzept gibt. Dass dieses noch nicht vorhanden ist, kritisiert der Verband ebenfalls.

Sorgen bereiten dem Landesverband auch die angrenzenden Kleingartenanlagen und das FFH-Gebiet Bulau. Sie müssten intensiv vor den Altlasten, deren Sanierung und den Bauarbeiten geschützt werden.

Was die Gerüche und Dämpfe betrifft, die beispielsweise von der Vulkanisation des Reifenherstellers Dunlop ausgehen, will der BUND aktuelle Messungen und Untersuchungen, auch im Hinblick auf Auswirkungen auf die Gesundheit. Für die Zukunft sollten dauerhafte Messstationen installiert werden. 

Teile des Parks werden Lärm ausgesetzt sein, etwa durch die Bundesstraße und die Flugzeuge. „Der Schallschutz von Kita und Schule sollte 50 db(A) erreichen“, so der BUND. Bauträgern empfiehlt er, einen höheren Schallschutz zu realisieren, Passivhäuser könnten dies mit guter Luft-und Wohnqualität verbinden.

LEG-Geschäftsführer Martin Bieberle bittet um Verständnis darum, dass er sich im Moment nicht im Detail zu allen Punkten äußern könne. Er versichert aber: „Wir werden – wie beim Wohngebiet Argonnerpark in der Nähe der Pioneer-Kaserne – alle Herausforderungen lösen. Und halten selbstverständlich alle Vorschriften ein.“ Die BUND-Stellungnahme enthalte keine Überraschungen. Es handele sich um einen laufenden Prozess; Stadt, LEG und ihre Fachleute würden unter Hochdruck weiter an den Plänen arbeiten und ihre Antworten auf die Anmerkungen des BUND bald öffentlich und nachvollziehbar aufbereiten.

Bieberle sieht keinen Grund, den Zeitplan zu ändern. Der Satzungsbeschluss im Parlament wird nach wie vor für das erste Quartal 2019 angestrebt, dann soll das Projekt die nächste Hürde nehmen. 

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