Stadtentwicklung

Ein Trio für den Schlossplatz Hanau

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Die Frist für das Konzeptvergabeverfahren ist mittlerweile beendet. Die Entwürfe werden im März gezeigt.

Drei Bewerber für die Bebauung des Schlossplatzareals werden in den kommenden Wochen um die Gunst der Bürger und Stadtverordneten werben. Die Finalrunde der von der Stadtpolitik im Juni 2018 festgelegten und einstimmig beschlossenen Konzeptvergabeverfahren endete am 28. Februar. Der Termin war zunächst auf November gesetzt worden, wurde jedoch wegen Ergänzungen zu den eingereichten Entwürfen verlängert. Wer die drei Bewerber sind, darüber macht Stadtplaner Martin Bieberle auf Anfrage keine Angaben, meint aber: „Es sind drei hochspannende Bewerbungen.“

Allerdings haben zwei schon unüberhörbar die Glocken läuten lassen, die Baugesellschaft Hanau in Kooperation mit der Entwicklungsgesellschaft Terramag, die in Hanau keine Unbekannte ist, und der Ortsverband der Deutschen Stadtbild, in Persona mit dem Hanauer Steuerberater Reinhard Hühn.

Während sich die beiden Mitbewerber hinsichtlich ihrer Pläne noch bedeckt halten, bietet Hühn in einer Broschüre und im Internet unter www. schlossplatz-hanau.de eine deutliche Vorstellung von dem, was auf dem Schlossplatz entstehen soll: die gute alte Zeit. Ein Vorpreschen in der Veröffentlichung, das Bieberle für nicht unproblematisch hält. Der Verein macht sich zur Aufgabe, historische Stadtbilder zu erhalten und zu rekonstruieren, wenn sich Investoren finden.

Das nun beendete Bieterverfahren umfasst das unter Denkmalschutz stehende Kanzleigebäude samt den dahinter liegenden Fronhof und das Haus des Handwerks nebenan, das nach dem Krieg gebaut worden ist. Letzteres Gebäude soll verkauft werden, es kann einem Neubau Platz machen. Das Kanzleigebäude, das zum im Krieg zerstörten Schloss gehörte, wird an den Gewinner in Erbbaurecht vergeben. Die Konzeptvergabe ist an enge Richtlinien gebunden, die unter der Überschrift „Urbanes Quartier Altstadt Hanau“ stehen. Von den Bietern wird ein Nutzungsmix aus Wohnen, Handel, Gastronomie sowie kulturellen und sozialen Einrichtungen gefordert.

Für den gemeinsamen Entwurf von Baugesellschaft und Terramag wurde der Frankfurter Architekt Stefan Forster verpflichtet. Sein Büro ist eher für eine zeitgenössische Architektur bekannt, wenngleich sie augenscheinlich oft bauliche Zitate der Moderne der 1930 und 1950er Jahre zeigt. In Hanau hat Forster eine Visitenkarte mit dem Bau des Ostkarrees an der Wallonisch-Niederländischen Kirche hinterlassen.

Der Stadtbild-Ortsverein will – nach dem Muster von Frankfurt – hingegen ein Stück Hanauer Altstadt auferstehen lassen, die nach 1945 in Schutt und Asche lag. Mit hohen Kosten wie in Frankfurt sei nicht zu rechnen, heißt es. „Die Hanauer Altstadthäuser waren einfache, bürgerliche Gebäude und nicht so aufwendig und verspielt gebaut wie in Frankfurt“, sagt Hühn. Auch käme ein Bauen mit Fachwerk nicht unbedingt teuer, wohl aber könne die Investition mit der historisch bedingten niedrigen Gebäudehöhe steigen. In die bauliche Historisierung könnte auch das Schulgebäude einbezogen werden, das von der nahen Karl-Rehbein-Schule als Dependance genutzt wird. Laut Hühn müsste die Fassade angepasst werden. Es bestehe nun die Chance, zu einem hohen Prozentanteil den früheren Eindruck vom Schlossplatz zu realisieren, den es derzeit nur auf Fotos zu sehen gebe, so Hühn.

Die drei Entwürfe werden offiziell beim „Bürgerwochenende“ vom 29. bis 31. März vorgestellt. Bei dem Termin geht es ebenfalls um die Zukunftsgestaltung der Stadt unter Bürgerbeteiligung. Noch bis zu den Sommerferien sollen die Stadtverordneten über die Entwürfe abstimmen, so Stadtplaner Bieberle. Beim Schlossplatz will die Stadt nun schnell zu Potte kommen. Über Jahre wurde erfolglos versucht, das Areal wegen seiner Nachbarschaft zum Congresspark einem Hotelinvestor schmackhaft zu machen.

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