Lucas Schobert auf der Bühne des Böckler-Hauses.
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Lucas Schobert auf der Bühne des Böckler-Hauses.

Trägerverein Pumpstation

Treibende Kulturkraft

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Parlament stimmt über weitere Finanzhilfe für den Trägerverein Pumpstation ab.

Die Stühle stehen ordentlich gestapelt an der Wand, kein Krümel verunziert Bühne oder Boden. Das städtische Jugendbildungs- und Kulturzentrum Hans Böckler ist eine gepflegte Kulturstätte, hell, nicht ohne Stil, aber doch etwas steril. Nicht zu vergleichen mit der früheren Schweinehalle, wo der „Trägerverein Kulturzentrum Pumpstation“ von 1992 bis 2002 Konzerte veranstaltete. Der Ort mit dem düsteren Charme war Kult und gehörte damals zu den ersten Adressen für Livemusik im Rhein-Main-Gebiet.

Viele junge Mitglieder des Trägervereins würden die Schweinehalle nur noch vom Hörensagen kennen – und die Pumpstation in Kesselstadt, deren Nutzung als Ort der Soziokultur einst Ziel des Vereins war, gar nicht mehr, sagt Lucas Schobert aus dem Vorstand, mit 34 Jahren einer der Ältesten. Seit 2009 organisiert der Trägerverein einmal im Monat Konzerte im neu gebauten Jugendbildungs- und Kulturzentrum Hans Böckler am Sandeldamm. Er bespielt beim Lamboyfest eine Bühne und beim Bürgerfest ein Zelt, ist außerdem einer der Ausrichter des Nachwuchswettbewerbs „Hoffnungsträger“. Dabei kooperiert der Trägerverein eng mit dem Jugendbildungswerk der Stadt.

Man könnte sagen: Der Trägerverein backt heute kleinere Brötchen, früher kamen bis zu 600 Leute in die Schweinehalle, in den Konzertsaal des Jugendzentrums passen nur um die 100. Oder: Der Trägerverein, der einst so unangepasst sein wollte, hat Kanten verloren. Doch die andere Seite ist: Der Trägerverein, der wegen finanzieller Probleme und allerlei Querelen schon oft kurz vor dem Ende schien, ist immer noch da und immer noch eine wichtige Kraft im Hanauer Kulturleben.

Am Montag soll das Parlament der weiteren finanziellen Unterstützung von jährlich 14250 Euro zustimmen. Zur Begründung heißt es, der Verein leiste seit 1992 einen „unverzichtbaren Beitrag zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses vornehmlich in den Sparten Musik und bildende Kunst“. Jugendlichen und jungen Erwachsenen „aus allen Bevölkerungsschichten“ werde die „aktive Teilhabe am kulturellen und politischen Leben“ ermöglicht. Auch als der Verein nach dem Ende der „halle 2“ in Großauheim, der Nachfolgerin der Schweinehalle, auf der Kippe stand, hatte die Stadt geholfen.

Heute vollzieht sich die Arbeit in etwas ruhigeren Bahnen. Schobert hat ein eigenes Büro im Keller des Jugendzentrums und organisiert von dort die Konzerte. „Kuz Live“ heißt die monatliche Reihe, bei der an einem Abend drei bis vier Nachwuchsbands aus der Region auftreten, es ist das gleiche Konzept wie bei den legendären „Pigstock“-Konzerten der Schweinehalle. Inzwischen habe sich auch „Kuz Live“ in der Musikszene etabliert, sagt Schobert.

80 Mitglieder hat der Trägerverein, nach der „großen Austrittswelle“ habe man sich wieder erholt. „Wir werden wieder mehr, das hat viele Jahre gefehlt“, so Schobert; vor allem Leute zwischen 18 und 23 seien dazu gekommen: „Das ist gut, denn die junge Generation kommt mit eigenen Ideen.“ Aber auch Urgesteine aus der Gründerzeit sind noch dabei, so der Musiker und frühere Vorsitzende Dirk Schulz.

Schobert schätzt die Möglichkeiten, die das Jugendzentrum bietet, manchmal hängt er aber alten Zeiten nach: „Wenn ich am Postcarré vorbeifahre, denke ich oft an die Schweinehalle. Partys bis in die Nacht sind hier wegen der Anwohner natürlich nicht drin.“ Vielleicht doch wieder ein eigener Ort? „Das wäre ein Traum“, sagt Schobert – und fügt an: „Aber die Realität sagt etwas anderes. Das müsste subventioniert werden, aber das kann sich die Stadt überhaupt nicht leisten.“ Außerdem: „Es ist schön, nicht mehr jede Woche eine Krisensitzung im Verein zu haben.“ Zudem ist er nicht sicher, ob eine Halle für 300 oder mehr Leute heute noch tragen würde: „Die Nachfrage hat sich geändert, es gibt nicht mehr so viel junges Publikum, das Livemusik will. Viele verbringen ihre Freizeit eher im Internet.“

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