Vera Siemund bringt alte und neue Elemente zusammen.
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Vera Siemund bringt alte und neue Elemente zusammen.

Austellung Goldschmiedehaus

Tragbare Kunst

  • Wiebke Rannenberg
    vonWiebke Rannenberg
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Zugegeben: Es ist eher etwas für mutige Frauen. Der Schmuck von Vera Siemund. Zu sehen sind ihre Werke in den kommenden Wochen im Goldschmiedehaus während der Ausstellung zum Abschluss der Zeit als Stadtgoldschmiedin.

Eine Brosche ist vom Dach des Brunnens im Staatspark Wilhelmsbad inspiriert, eine andere interpretiert die Formen eines Nautiluspokals, der in Hanau hergestellt wurde. Das sind zwei Arbeiten der Stadtgoldschmiedin Vera Siemund, die sie in ihrer Zeit in Hanau entworfen hat. Zu sehen sind diese und 50 weitere Broschen und Ketten in den kommenden Wochen im Goldschmiedehaus während der Ausstellung zum Abschluss der Zeit als Stadtgoldschmiedin.

„Minutiösen Ornament“

Die Goldschmiedin arbeitet nicht mit Edelmetall, sondern meist mit Kupfer und Eisen, dazu kommt Industrie-Email. Maschinen benutzt Siemund nicht, sie sägt und ziseliert die Schmuckstücke mit der Hand.
Museums-Leiterin Christianne Weber-Stöber spricht vom „minutiösen Ornament“, wenn sie die Schmuckstücke von Siemund beschreibt. „Es ist fantastisch“, wie die Künstlerin ihr Augenmerk auf die Architektur von Gebäuden richte, sagt die Geschäftsführerin der Gesellschaft für Goldschmiedekunst, die das Museum in der Hanauer Altstadt betreibt.

Tatsächlich lässt sich Siemund von riesigen ebenso wie von winzigen Teilen der Architektur inspirieren: Eine prächtige Kette besteht aus Nachbildungen der Kuppel des Berliner Doms, ein anderes Schmuckstück greift ein Detail auf. Für Siemund hat auch der Berliner Dom mit Hanau zu tun: Der Architekt der Staatlichen Zeichenakademie, Julius Carl Raschdorff, hat auch die Kirche in Berlins Mitte entworfen. Dabei lehnte er sich Ende des 19. Jahrhunderts an die früheren Baustile Barock und Renaissance an. Diesen Historismus finde sie „nicht wirklich schön, aber spannend“ sagt Siemund. Und sie bewundere die Perfektion, mit der in den Zeiten des Historismus gearbeitet worden sei.

„Hanau und der Historismus“ hieß denn auch das Thema, das sie sich selbst gestellt hatte. In den sechs Wochen, die sie im vergangenen Sommer in Hanau verbracht hat, fuhr Siemund zwar mit einem geliehen Fahrrad mit offenen Augen durch die Stadt. Doch sie blätterte auch viel in Bildbänden. Denn die meisten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, die sie interessieren, stehen heute nicht mehr. Sie habe versucht sich vorzustellen, wie Hanau ausgesehen haben könnte, sagt Siemund. Und auch wie es sich angehört habe, wenn das Hämmern aus den vielen Goldschmiedewerkstätten drang. Doch auch den Nautiluspokal der Firma Neresheimer, die noch heute in Hanau produziert, sah sie sich nicht im Original in der Zeichenakademie an, sondern griff aus der Fotovorlage einzelne Elemente heraus und brachte sie mit neuen Motiven zusammen: So ist auf einer Brosche die Satyrmaske des Pokals neben einem Porträt von Nico zu sehen, der Sängerin der 60er-Jahre-Band Velvet Underground.

Mutige Frauen der Niederlande

Doch der Schmuck, von dem Siemund immer zwei Exemplare herstellt und der zwischen 1500 und 8000 Euro kostet, liegt nicht nur in Vitrinen. In den Niederlanden, wo sie von der weltweit bekannten Galerie Marzee vertreten wird, seien die Frauen im Blick auf Schmuck „viel mutiger“, sagt Siemund. Dort erlebe sie auch immer wieder, dass ihre Ketten und Broschen getragen werden – und freue sich darüber.

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