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Ein Tomograph für die Ukraine

Seit 1998 arbeitet das Christian Medical Center in Munkacs / Unterstützung durch die Diaspora-Stiftung

Von UTE VETTER

Die Hanauer Internistin Petra Bärenfänger (42) hat schon viel von der Welt gesehen. Als sie im November 2006 das erste Mal mit der Hanauer Hausärztin Martina Scheufler (52) für die Medizinhilfe Karpatoukraine in einem Transporter 1300 Kilometer nach Munkacs in der Ukraine fuhr, da sah sie "nach der ungarischen Grenze urplötzlich die große Armut auf den Straßen, die Perspektivlosigkeit der Menschen überall". Sie reiste auf Einladung Scheuflers mit weiteren Ärzten sowie Technikern ins "Christian Medical Center" (MC) nach Munkacs, um gespendete medizinische Geräte aufzubauen, zu hospitieren und Fachworkshops zu geben. Mit im Gepäck: Röntgenfilme, Chemikalien, Instrumente, Spritzen, Verbandsmaterial und Desinfektionsmittel - alles Spenden der Medizinhilfe.

Das medizinische Herz des Landes schlägt nicht in den staatlichen Krankenhäusern, deren Ausstattung und Hygiene jeder Beschreibung spotten. Patienten reisen seit Jahren lieber gruppenweise aus bis zu 350 Kilometern Entfernung nach Munkacs. Das MC bietet medizinische Standards auf westlichem Niveau in Diagnostik und Therapie. Betten gibt es keine, Operationen werden in den größeren Städten des Landes vorgenommen. Aber sogar die 50 Kilometer entfernte Universitätsklinik in der Regionalhauptstadt Ushgorod sendet ihre Patienten bei schwieriger Diagnose hierher.

Entstanden ist das Medical Center Anfang der 90er Jahre dank der Initiative von Bischof, Pfarrern und Ärzten, die sich als Mitglieder der Evangelisch-Reformierten Gemeinde Munkacs und der Christlichen Ärztevereinigung Transkarpatiens engagierten. 1992 erfuhr die Hanauer Evangelisch-Reformierte Gemeinde davon, die gerade ein humanitäres Projekt startete. Daraus entwickelte sich parallel die Medizinhilfe Karpatoukraine.

Scheufler war in der Hanauer Gemeinde aktiv und reiste 1996 mit Stefanie Keilig, einer weiteren Hanauer Ärztin, das erste Mal nach Munkacs. "Wir wollten uns ein Bild von der medizinischen, organisatorischen und sozialen Situation machen." Schnell war man sich einig: "Wir beschlossen, trotz der widrigen Umstände eine menschlich und medizinisch qualifizierte Versorgung der Bevölkerung aufzubauen und sicherzustellen."

Scheufler, derzeit Präsidentin des Hanauer Zonta Clubs, schleppt seither Fotoalben, Unterlagen oder Laptop selbst zu Geburtstagen und Hochzeiten im Freundes- und Familienkreis mit, um die Entwicklung des MC zu dokumentieren. Und um Spenden zu sammeln. "Unsere Hilfe funktioniert, weil wir den Leuten dort nichts übergestülpt haben. Wir liefern nur die Grundlage."

Bereits 1998 konnte in einem provisorisch eingerichteten Raum des Gemeindehauses Munkacs eine kleine Ambulanz eröffnen. Engagierte Krankenhausärzte organisierten dort Sprechstunden. Heute arbeitet ein Team aus 55 Ärzten und medizinischem Personal im Center.

Die Gemeinde konnte das in kommunistischer Zeit enteignete Gemeindehaus vom Staat zurückkaufen, renovieren und zu einer 400 Quadratmeter großen Poliklinik ausbauen. Es ist bis heute die einzige Einrichtung in Munkacs und Umgebung, die eine hochwertige ambulante Versorgung bietet. 2004 wurde aufgrund des Bedarfs im rumänischen Grenzgebiet 40 Kilometer südlich von Mukacs eine Zweigstelle eröffnet.

81 500 Patienten behandelt

Seit Gründung des MC wurden rund 81 500 Patienten behandelt. Die Fachgebiete Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Rheumatologie, Ultraschalldiagnostik, Kardiologie,Gastroenterologie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Radiologie, Labormedizin, Neurologie, Endokrinologie und Urologie sind abgedeckt.

Besonders stolz ist Scheufler auf Großspenden wie den Computertomographen, der 2006 von deutschen Technikern installiert wurde. "Ein Quantensprung für die Diagnostik", so Scheufler. Seit 2007 gibt es auch einen CT-Injektor zur besseren Tumor-Diagnostik sowie Geräte für Magen- und Darmspiegelungen. 2008 kam eine moderne Computeranlage samt besserer Stromversorgung dazu. "Früher dauerte es 10 Minuten, bis ein Röntgenbild auf dem Bildschirm erschien, heute zehn Sekunden", so Scheufler.

Auch an Fortbildung wird gedacht: Ein Workshop 2006 war gut besucht. "Die Teilnehmer kamen aus zehn Kliniken in ganz Transkarpatien", sagt Scheufler. Der Erfolg zieht Kreise: Inzwischen spenden immer mehr Firmen medizinisches Gerät oder tonnenweise Möbel.

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