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Klein, aber erfolgreich: gepresster Tee. 

Gründau

„Teaballs“ werden zur Erfolgsgeschichte

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Drogeriekette und österreichischer Supermarkt nehmen die Teekugeln des regionalen Start-Ups in ihr Sortiment auf.

Vor knapp einem Jahr reichte Simon Schmidt noch die manuell zu bedienende Tablettenpresse für Apotheker zur Herstellung der Teaballs. Mittlerweile hat er eine GmbH mit diesem Namen gegründet, das Gerät nutzt er nur noch, um Prototypen von neuen Aromakreationen zu einem Teaball zu drücken.

Binnen Monaten hat sich das Produkt zu einem Verkaufsschlager entwickelt. Vor wenigen Tagen nahm die Drogeriekette Müller Schmidts Erfindung – Tee in der Pille, ohne Beutel oder Teeei – in ihr Sortiment auf. Eine Erfolgsgeschichte, die für Schmidt auch mit einem nicht gewöhnlichen Dienstleister für die Produktion verbunden ist, dem Behindertenwerk Main-Kinzig (BWMK).

Zurzeit bearbeitet das Dienstleistungszentrum des BWMK schon eine beachtliche Menge an Teaball-Spendern, die einem Süßstoffbehältnis gleichen. „Die Menge beträgt 120 000 Spender im Monat, die etikettiert, in Folie verschweißt und in Versandkartons verpackt werden“, sagt Dorothee Müller, Pressesprecherin des BWMK, auf Anfrage.

In jeden Behälter kommen 120 der Tabellen aus Teeextrakt. Gearbeitet werde unter strengen lebensmittelhygienischen Auflagen, betont Müller. Für das BWMK sei dies kein Neuland. Als Gastronomiedienstleister und mit den zwei Unverpackt-Läden in Hanau und Gelnhausen besitze die Einrichtung Erfahrung.

Das Produkt

Teaballsgibt es derzeit mit fünf Aromen von Earl Grey bis Hibiskus-Hagebutte, in Kunststoff- oder Glasspender (letzter nur im Versand) zum Preis von 6,90 bis 11,90 Euro. Der Inhalt soll für 30 bis 50 Tassen reichen.

Das Dienstleistungszentrumdes Behindertenwerks Main-Kinzig in Langenselbold besteht aus mehr als einem Dutzend Sparten, von Aktienvernichtung, Gastronomie bis hin zur Industriemontage im Auftrag. 

www.teaballs.de; www.bwmk.de

Die Pressung der Teekügelchen erfolgt ebenfalls im Dienstleistungszentrum, in einem separaten Raum, wird aber von einem Mitarbeiter aus Schmidts Firma vorgenommen.

Der 35 Jahre alte Wirtschaftsingenieur aus Gründau-Rothenbergen versteht das Behindertenwerk nicht als Trittbrett, um ohne Risikokapital in die Massenproduktion einzusteigen. „Das BWMK ist der richtige Partner auch für die Zukunft, selbst wenn zehn Millionen Spender im Monat abgepackt werden müssen“, sagt er. Er hebt die Zuverlässigkeit hervor und schätzt die Menschen, die im BWMK arbeiten als „nette, herzliche Kollegen“. Schmidt hatte zuvor keinen Bezug zum Dienstleistungszentrum des BWMK. Sein Mitarbeiter für das Marketing habe ihn darauf aufmerksam gemacht, erzählt er.

Die Kooperation gebe dem Produkt somit auch eine wichtige soziale Komponente, in dem es Menschen zu Arbeit verhelfe, die auf dem regulären Arbeitsmarkt schwierig Jobs finden würden. Schmidt ist von Beruf weder Teeproduzent noch -händler, er verdient sein Geld mit seiner Firma Optocomm, als Zulieferer der Deutschen Bahn. Er ist aber auch Tüftler, dem eines Tages das herkömmliche Teeaufbrühen recht umständlich vorkam.

Die Idee, Teeextrakt zu Tabletten zu pressen und in einem Spender zu verpacken, findet offenbar immer mehr Anhänger. Je nach persönlicher Teevorliebe werden drei bis fünf Kügelchen aus dem Spender in einer Tasse gegeben, kochendes Wasser darüber geschüttet, umgerührt, zwei bis drei Minuten gewartet, fertig ist das Getränk, das sich laut Schmidt auch mit kaltem Wasser zubereiten lässt.

Hierzulande läuft der Vertrieb über den Versandhandel und die Drogeriekette. Mit weiteren Handelsunternehmen gebe es derzeit Gespräche, berichtet Schmidt. Auch im Ausland sollen Teaballs bald erhältlich sein. „Spar Österreich wird demnächst in einer Testphase einige seiner Gourmetmärkte bestücken“, sagt Schmidt. Zum Sprung in die Teetrinkernation Großbritannien hat er jedoch noch nicht angesetzt. Allerdings bestehe dort „schon großes Interesse an den Teaballs“.

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