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Taufe im „KunstMais“

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Taufeventgottesdienst in Nidderau
Taufeventgottesdienst in Nidderau © Michael Schick

Ob Feuertheater oder Taufe im Maisfeld: Der evangelische Pfarrer Otto Löber aus Nidderau lässt sich immer etwas Neues einfallen.

Von Ute Vetter

Jetzt ziehen sie bitte alle Ihre Schuhe aus, denn die Wiese, die sie gleich betreten, ist heilig“. Ein Mann unter rund 300 Besuchern lacht leise stöhnend auf: „Ich hab’s gewusst!“. Aber er zieht wie (fast) alle anderen brav die Schuhe aus, krempelt die Hosenbeine hoch und betritt die Wiese durch einen Bogen voller Sonnenblumen. Manche Menschen halten eine Sonnenblume in der Hand, andere einen weißen Luftballon. Vor einem gewaltigen Strohballen-Hügel steht ein Altar, daneben ein großes Bassin. Es ist mit Wasser gefüllt und roter Stoff verhüllt das Taufbecken.

Zu Gesängen und Gitarrenklängen treten 15 Nidderauer Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren und die 25-jährige Sonja Schneider aus Freigericht (Main-Kinzig-Kreis) durch ein Blumenportal aus einem Maisfeld hervor. Alle tragen weiße, breite Stirnbänder, auf denen in roten Buchstaben ihre Vornamen stehen, und weiße Kittel, die an Büßerhemdchen erinnern. Jeder Täufling hält eine große Kerze in der Hand, jeder hat einen Paten oder ein Elternteil bei sich. Vier Täuflinge erleben eine „Volltaufe“, werden komplett im Becken untergetaucht, die anderen ziehen es vor, nur mit gesegnetem Wasser benetzt zu werden. Und Gott, der viel Gepriesene, ist den Gläubigen wohlgesonnen: schüttete es bis kurz vor Taufbeginn noch wie aus Eimern, scheint am Sonntagmittag die Sonne, klart der Himmel strahlend blau auf.

Fast alle Nidderauer mit evangelischem Hintergrund kennen Otto Löber – ihm fällt immer etwas Besonderes ein, nennt sich nicht umsonst Projektpfarrer. Er tritt mit dem spektakulären Feuertheater „Sancto Petrolio“ des öfteren auf, hat schon auf dem Hessentag in der „Lichterkirche“ zwölf Kinder getauft, plant Open-Air-Taufen auch in Erlensee und Bruchköbel. „Das Besondere an dieser Taufe ist aber, dass wir gezielt Kinder bei ihrem Schuleintritt ansprechen, die noch nicht getauft sind – sie sollen mit ihren Eltern entscheiden“, erklärt er auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. Für den Kirchenkreis Hanau-Land der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck sei das jedenfalls nicht die erste „Mehrfach-Taufe“ unter freiem Himmel.

Kultureller Anziehungspunkt

Doch etwas Besonderes ist der Ort durchaus für viele Gäste: Der Hof Buchwald zwischen Windecken und Ostheim ist seit einigen Wochen ein Anziehungspunkt für Kunstsinnige mit einem Faible für Naturerlebnisse, lockt doch ein Labyrinth in einem Maisfeld voller Kunstwerke unter dem Titel „KunstMais“ Besucher aus dem ganzen Kreisgebiet an.

Sonja Schneider kommt aus einer Freikirche und hat sich „ganz bewusst“ für diese Taufe entschieden, will sie doch auch Religionslehrerin werden. „Ich finde es ganz toll, was Pfarrer Löbe so macht“, erzählte sie den Menschen per Mikrofon. Sie war auch bei den vier Vortreffen der Täuflinge dabei. Alle erkundeten das Maislabyrinth, besichtigten „ihre“ jeweilige Kirche in ihrem Stadtteil, um die künftige Gemeinde kennenzulernen, gestalteten ihre Taufkerze.

Laut Löber war das wichtigste Element das Singen, stand das Erleben von Gemeinschaft im Mittelpunkt. Sein Traum: Irgendwann will er einen Taufgottesdienst an einem Fluss zelebrieren.

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