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Zu teuer deshalb leerstehend? Die Obertorstraße 9 eines der ersten Häuser in Mittelbuchen.
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Zu teuer deshalb leerstehend? Die Obertorstraße 9 eines der ersten Häuser in Mittelbuchen.

Leerstand in Hanau

Wo die Tauben nisten

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Preiswerter Wohnraum ist auch in Hanau knapp. Auf der anderen Seite stehen viele Häuser leer - einige schon seit mehr als zehn Jahren. Die Stadt erklärt sich als machtlos gegen diesen Trend.

Wie viele Jahre das mächtige Eckhaus an der Kreuzung Alfred-Delp-Straße/Freigerichtstraße schon unbewohnt ist, ist nicht bekannt. Ob es vier, sechs oder zehn Jahre sind, ist auch bei der Stadt nicht in Erfahrung zu bringen. Tauben sollen einst das Gebäude mit der verrußten hellen Klinkerfassade aus dem Jahr 1910 bezogen haben. „Taubenhaus“ nennen es deshalb manche Anwohner, mit einem Unterton der Verärgerung.

Jahrelange Leerstände vor allem bei alten Wohnhäusern sind in Hanau offenbar keine Einzelfälle. Vor zwei Jahren kündigte in der Mittelstraße an der Philippsruher Allee eine Bautafel das Ende eines 100 Jahre alten Hauses an. Ein Nachbar protestierte. Die Bauaufsicht sah jedoch keinen Ensembleschutz für das verwunschen wirkende Haus. Vor einiger Zeit verschwand das Bauschild und damit offenbar vorerst die Absicht, dort Platz für neues Wohnen zu schaffen.

Eine ungewisse Zukunft hat auch das denkmalgeschützte Haus an der Zufahrt zum ehemaligen Wilhelmsbader Basaltbruch. Um unerwünschte Bewohner fernzuhalten, wurden die Fenster mit Holzplatten vernagelt. Das Grundwasser hat mittlerweile den Steinbruch gefüllt.

Holger Vogt vom Heimat- und Geschichtsverein Steinheim kann gleich drei historische Bauten im alten Kern seines Stadtteils nennen, die seit Jahren verwaist sind. „In der Harmoniestraße 18 besteht der Leerstand mehr als ein Jahrzehnt – seit der letzte Bewohner verstorben ist.“

„Oft gelingt es den Erben nicht, die Immobilie zu verkaufen oder zu vermieten“, sagt der Steinheimer. Die Gebäude stehen wie das viergeschossige Eckhaus in Hanaus südöstlichem Quartier unter Denkmalschutz. „Allein die Sanierung entsprechend den Wärmeschutzvorschriften lassen die Kosten in die Höhe schnellen.“ Ausgaben, die die Mieten oder die Verkaufserträge für ein- bis zweihundert Jahre alte Wohnhäuser kaum wieder einspielen.

Dies zeigt auch der Fall im historischen Zentrum von Mittelbuchen in der Obertorstraße 9. Das winzige Fachwerkhäuschen soll zu den ersten vier Gebäuden des Stadtteils zählen und stammt noch aus der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg. Mit dem neuzeitlichen Küchenanbau solle die Wohnfläche 56 Quadratmeter betragen, berichtet Ernst Gimplinger, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Mittelbuchen. „Seit sieben Jahren steht das Haus leer und geht kaputt“, erläutert er die Situation.

Der Verein bot an, das Haus für seine Zwecke zu erwerben und denkmalgerecht zu sanieren. Der Kauf ist laut Gimplinger an den preislichen Vorstellungen des Besitzers gescheitert. Der habe 100000 Euro dafür verlangt. Ein Gutachter habe den Wert des Gebäudes samt der knapp 100 Quadratmeter Grundstück aber nur auf 20000 Euro taxiert. Auf den Verein wären zudem noch rund 60000 Euro für die Instandsetzung zugekommen.

Die Kommunen könnten auf die Eigentümer nicht einwirken, betont Joachim Haas-Feldmann, Pressesprecher der Stadt Hanau. Im Fall etwa der Alfred-Delp-Straße schaue immer wieder die Bauaufsicht nach, ob Gefahr drohe. Auch habe das Amt die Fenster wegen der Tauben abdichten lassen. Leerstand sei weder meldepflichtig noch führe die Stadt darüber ein Kataster.

Selbst Ortsbeiräte tun sich schwer, das Thema ungenutzte Wohnbauten auf die Tagesordnung zu setzen. „Dem Ortsbeirat sind die Hände gleichermaßen gebunden“, sagt der Steinheimer Holger Vogt, der für die FDP in dem Stadtteilgremium sitzt.

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