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In Rodenbach könnten die Züge künftig dichter etwa an einem Neubaugebiet an der Gelnhäuser Straße vorbeifahren.

Main-Kinzig Bahn

Kein Alleingang

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Die Bahn beteiligt die Bürger an den Planungen für den Ausbau der Kinzigtalbahn. Mehr Personen- und Güterzüge müssen künftig die Trasse nutzen - und schneller fahren.

Künftig will die Bahn viergleisig zwischen Hanau und Gelnhausen fahren. Die Kapazität der zwei- bis dreigleisigen Strecke sei erschöpft. Außerdem soll eine Hochgeschwindigkeitstrasse zur Nord-Süd-Achse gebaut werden. In einer Bürgerinformation am Dienstagabend im Sitzungssaal des Landratsamtes stellte die Deutsche Bahn nicht nur das Großprojekt, sondern auch den Weg einer frühen Beteiligung von Bürgern, Verbänden und Politik vor. Klaus Vornhusen, DB-Konzernbevollmächtigter, erklärte, „es ist noch nichts fest gelegt“.

Die Planungen sollen in einem „offenen und transparenten Prozess erfolgen“. Der ebenfalls anwesende Hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) bezeichnete den Abend als „Startschuss zu einem spannenden Modellprojekt“. Al-Wazir lobte das mutmaßlich bundesweit erstmalige Verfahren als „Element direkter Demokratie“. Dirk Rompf, Vorstand der DB Netz, äußerte die Hoffnung auf eine hohe Akzeptanz sowie auf eine möglicherweise kürzere Planungs- und Genehmigungsphase.

Höchste Priorität

Minister Al-Wazir erklärte, dass der Bund mit dem künftigen Verkehrswegeplan einen Schwerpunkt auf die Aufweitung von Engpässen im Schienennetz legen werde. Die Kinzigtalbahn sei in Deutschland eine der am stärksten belasteten Strecken und erhalte auch von Land die höchste Priorität. In der aktuellen Situation seien vor allem die Pendler die Leidtragenden, so Al-Wazir.

Laut Bahn rollen zurzeit auf dem Abschnitt zwischen Hanau und Gelnhausen pro Tag rund 550 Nahverkehrs- und Fern- sowie Güterzüge. Damit sei die Grenze erreicht. Weitere Züge auf dieser Trasse seien schon seit Jahren nicht mehr möglich. Mit dem Netzausbau der Bahn soll der Zugverkehr jedoch bis zum Jahr 2025 um 33 Prozent steigen.

Den eisenbahntechnischen Flaschenhals Hanau-Gelnhausen zu erweitern betrachtet die Bahn als wenig kritisch. Zwei zusätzliche Gleise müssen zwischen Hanau Hauptbahnhof und Wolfgang, eines zwischen Wolfgang und Meerholz sowie zwei von dort nach Gelnhausen neben der bestehenden Trasse verlegt werden. Details wie den Lärmschutz oder die Gestaltung der Bahnhöfe sollen im Rahmen der Beteiligung geklärt werden, sagte Dirk Rompf.

Heikler wird sich hingegen die Planung einer Hochgeschwindigkeitstrasse zur Schienenachse Hannover-Würzburg gestalten. Für die umstrittene Anbindung – einst „Mottgers-Spange“ genannt – gibt die Bahn nun lediglich einen „Suchraum“ vor, ein Dreieck zwischen Gelnhausen, Fulda und Jossa. Bereits 2010 erklärte die Bahn ob der Kritik, dass die Trassenführung entgegen früherer Überlegungen völlig offen sei.

Wie auch immer letztlich die Trasse verlaufen wird, eine Ideallösung, die alle Betroffenen zufriedenstellen wird, wird es wohl nicht geben, bemerkte Projektleiterin Marlene Kißler. Neben den Belangen von Naturschutz und den in dem Gebiet lebenden Menschen sei auch die Wirtschaftlichkeit in die Gesamtbetrachtung einzubringen. Nicht jeder Tunnel, der politisch gefordert werde, sei ob der Kosten auch machbar. Die Trasse müsse zudem so konstruiert werden, das Tempo „200 plus x“ möglich seien.

Keine Angaben zu Gesamtkosten

Zu den Gesamtkosten wurden keine Angaben gemacht, ebenso zur Fahrzeitverkürzung, auch auf Nachfrage aus dem Publikum nicht. Anhaltspunkte gab es bei der Zeitschiene für Planung und Bau. Der Ausbau zwischen Hanau und Gelnhausen könnte ab 2022 beginnen, wenn bis dahin Baurecht geschaffen worden ist.

Mit einem erheblich höheren Zeitaufwand rechnet die Bahn beim neuen Anschluss an die Nord-Süd-Schienenachse. Allein die Vorplanung kann fünf Jahre dauern. Über mehrere Jahre kann sich auch die Genehmigungsphase hinziehen. Insgesamt könnten bis zu 14 Jahre ins Land gehen, bevor der erste Spatenstich erfolgt. Vorausgesetzt, kein größerer Rechtsstreit durchkreuzt den Zeitplan. Nach rund zehn Jahren Bauzeit könnte der erste Zug dort ab 2034 fahren. Die Bahn-Vertreter gaben sich jedoch optimistisch, dass die Erstfahrt schon früher stattfinden wird, wegen der Bürgerbeteiligung.

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