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Der mutmaßliche Täter wurde lebensgefährlich verletzt in dem Auto gefunden; er starb später im Krankenhaus.

Rechtsextremismus

Rassistischer Angriff in Wächtersbach: Ein Täter mit sechs Waffen

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Nach den Schüssen von Wächtersbach fordern Parteien umfassende Aufklärung - auch von Verbindungen nach rechts.

Es waren Passanten unterwegs am Montagmittag in der Industriestraße von Wächtersbach, als die Schüsse fielen. Sie alarmierten sofort die Polizei, als der 26-jährige Eritreer in den Bauch getroffen worden war. Der Mann wurde ins Krankenhaus gefahren und schwebt nicht in Lebensgefahr.

Der Täter ist 55 Jahre alt, wie die hessische Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. Er soll nach Informationen der Frankfurter Rundschau Roland K. heißen und in Biebergemünd gewohnt haben. In diese 8000-Einwohner-Gemeinde im Main-Kinzig-Kreis fuhr der 55-Jährige, nachdem er im sieben Kilometer entfernten Wächtersbach auf den Eritreer gefeuert hatte. Dort, in Biebergemünd, erschoss er sich nach den Ermittlungen der Behörden selbst.

Die Schüsse auf das Opfer hatte der Angreifer nach Angaben von Alexander Badle, dem Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, mit einer halbautomatischen Waffe vom Kaliber 9 Millimeter abgegeben. Den Schuss auf sich selbst richtete Roland K. den Angaben zufolge mit einer anderen Waffe, Kaliber 45.

Erleichterung, dass nicht noch mehr passierte 

Insgesamt habe der Mann sechs Waffen besessen, davon zwei Langwaffen und drei halbautomatische Pistolen. Allesamt habe er legal erworben, berichteten die Ermittler. Die Waffen seien sichergestellt worden. Angesichts der Anzahl der Waffen und des Umfangs an Munition, die der Täter besessen hatte, herrschte nach Informationen der FR in Ermittlerkreisen sogar eine gewisse Erleichterung, dass der Mann nicht noch weitere und schwerere Taten begangen hat.

Roland K. war offenbar darauf vorbereitet, dass er nach seiner Tat selbst sterben würde. Er hat einen Abschiedsbrief hinterlassen, wie die Generalstaatsanwaltschaft bestätigte. Über deren Inhalt wollte Badle aber keine Angaben machen. Für die Ermittler stehe aber fest, dass der 55-Jährige aus einer fremdenfeindlichen Motivation gehandelt habe. Dafür gebe es „ganz klare Indizien“, sagte Badle. Einen Bericht des Onlineportals Spiegel.de, wonach in der Wohnung des Täters nationalsozialistische Devotionalien gefunden worden seien, wollte er nicht kommentieren.

Rechtspopulismus als Grundübel gebrandmarkt 

Der Landesausländerbeirat sieht das friedliche Zusammenleben aller Menschen in Gefahr. „Eine zweite NSU-Mordserie darf es niemals geben“, sagte der Vorsitzende Enis Gülegen am Dienstag. Das „Grundübel“ müsse an der Wurzel gepackt werden. „Und das ist der Rechtspopulismus!“

Nach Gülegens Einschätzung schlägt der von Rechtspopulisten betriebene Hass in Mordanschläge auf offener Straße um. „Alle Menschen, gleich welcher Staatsangehörigkeit und welcher Hautfarbe, müssen ungefährdet auf der Straße unterwegs sein können“, betonte der Vorsitzende des Ausländerbeirats.

„Aus rassistischen Worten können Taten werden“

Im Laufe des Dienstags sollten die Fraktionen des Landtags über den Stand der Ermittlungen unterrichtet werden. Die Parteien forderten eine vollständige Aufklärung der Tat.

SPD, Grüne und Linke fügten hinzu, auch eine Aufklärung etwaiger Bezüge des mutmaßlichen Täters zur rechten Szene sei dringend erforderlich. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Hildegard Förster-Heldmann, sagte: „Wir sind schockiert über die rassistische und menschenverachtende Tat.“ Dass ein Mensch nur wegen seiner Hautfarbe zum Opfer werde, sei perfide. Der Verrohung des gesellschaftlichen Klimas müsse mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Einhalt geboten werden. „Aus rassistischem Denken werden rassistische Worte. Aus rassistischen Worten können Taten werden“, sagte Förster-Heldmann.

Zweiter rechtsextremer Mordanschlag innerhalb weniger Wochen? 

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Günter Rudolph, nannte es „ein alarmierendes Zeichen“, wenn erneut in Hessen eine Gewalttat aus rechtsextremistischer Gesinnung begangen worden sei.

Die Linke zeigte sich zutiefst erschüttert. „Wenn sich der Verdacht bewahrheitet, dass der mutmaßliche Täter aus rassistischen Motiven heraus handelte, dann wäre dies, nach dem Mord an Walter Lübcke, der zweite rechtsextreme Mordanschlag in Hessen innerhalb von wenigen Wochen“, sagte die Linken-Fraktionsvorsitzende Janine Wissler.

Am 2. Juni dieses Jahres war der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) bei sich zu Hause im nordhessischen Wolfhagen erschossen worden. In diesem Fall gilt der Neonazi Stephan E. als dringend tatverdächtig. Er hatte zunächst ein Geständnis abgelegt, dieses aber später widerrufen.

Nach dem Anschlag von Wächtersbach

Schon wieder wird Deutschland von einem rechtsextrem motivierten Attentat erschüttert, schon wieder liegt der Tatort in Hessen. Deutschland muss aufstehen gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Der Kommentar.  

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