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Ob Sahnetörtchen oder Obstkuchen: Gebacken wird im Café Schien noch heute, was den Hanauern schon vor 100 Jahren mundete.
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Ob Sahnetörtchen oder Obstkuchen: Gebacken wird im Café Schien noch heute, was den Hanauern schon vor 100 Jahren mundete.

Hanau

Süße Verführer mit Tradition

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Das Café Schien ist das älteste Kaffeehaus in Hanau – und verbreitet nostalgischen Charme. Rund 40 verschiedene Torten und Kuchen fertigt Konditor Jens Arndt jeden Tag. Selbst das japanische Fernsehen war dabei schon zu Gast.

„Zählen Sie keine Kalorien, genießen Sie sie lieber“, so steht es hinter der Verkaufstheke im Café Schien an der Wand geschrieben. Wie leicht lässt sich das beim Anblick der süßen Sünden beherzigen! Der verführerische Duft, der aus der Backstube strömt, tut ein Übriges, die Lust anzukurbeln. Wer sich ihr hingibt, hat die Wahl zwischen einer Fülle von Köstlichkeiten: Sahne-, Creme- und Obsttorten, Kuchen, Zuckerbrezeln, Nusshörnchen.

Gebacken wird im Café Schien am Westbahnhof teilweise noch, was den Hanauern schon vor mehr als 100 Jahren mundete. Denn Konditormeister Jens Arndt ist im Besitz eines Rezeptbuches des Cafés Pannot von 1888, das dessen Nachkommen seiner Familie schenkten. Das bereits im 18. Jahrhundert eröffnete Pannot war bis zu seiner Schließung 1973 das älteste Kaffeehaus in Hanau.

Heute kann diesen Part das Schien in Anspruch nehmen; überdies ist es eines der wenigen traditionellen Cafés in der Stadt überhaupt. Rund 40 verschiedene Torten und Kuchen fertigt Konditor Jens Arndt jeden Tag. Am beliebtesten sind Schwergewichte wie Schwarzwälder Kirsch (nach eigenem Rezept, ohne Fettcreme) oder die 1996 vom Meister selbst kredenzte „Brüder-Grimm-Torte“, ein üppiger dunkler Traum, dessen Herstellung schon das japanische Fernsehen gefilmt hat.

1927 vom Opa gegründet

Gegründet wurde das Café Schien 1927 von Arndts Großvater Fritz Schien. Das erste Geschäft war in der Nürnberger Straße 31 – und gut etabliert, als es im Zweiten Weltkrieg am 6. Januar 1945 von englischen Bomben erst schwer beschädigt und am 19. März schließlich restlos zerstört wurde. Die Familie überlebte im Keller. Oben war alles verbrannt – doch dann fand sich inmitten der Trümmer der eiserne Backtisch mit seiner schweren Marmorplatte. Er war als einziges unbeschadet geblieben; für die Schiens ein Antrieb zum Wiederaufbau.

Bis heute arbeitet Jens Arndt an dem imposanten Stück, auf dem ein großer schwarzer Brandfleck an den Angriff von einst erinnert. Nach dem Krieg eröffnete Fritz Schien sein Café an neuem Standort an der Landwehr 1 wieder und verkaufte dort in der ersten Zeit Gebäck gegen Lebensmittelkarten. Bereits ein Jahr später zog das Kaffeehaus wieder um: in das neu erbaute Gloria-Kino am Westbahnhof. Dort existiert es – nach einigen Umbauten– bis heute. Jens Arndt hat das Café 1993 von seinem Eltern Ehrenfried und Magda Arndt übernommen und 1996 eine Dependance in der Rosenstraße eröffnet, wo sein Bruder Frieder hinter der Theke steht.

Beide Kaffeehäuser verströmen in Zeiten moderner Coffee-to-go-Läden eine liebenswert-nostalgische Atmosphäre. In besonderem Maße gilt das natürlich für den „Stammsitz“ am Westbahnhof: Die dunklen Holzvertäfelungen an den Wänden des Gastraums datieren auf das Jahr 1967, unterbrochen nur von einem opulenten Schlachtengemälde, das früher in einer amerikanischen Kaserne hing und eine Reminisenz an Arndts Leidenschaft für Hanauer Militärgeschichte ist.

Altrosa Rüschenvorhänge, verspielte Lampen und Gestecke bilden dazu einen eigenen Kontrast. Ein Hanauer Geschäftsmann hat Jens Arndt geraten, sein Café optisch zu modernisieren. Doch der Konditor ist überzeugt, dass damit der besondere Charme verloren ginge; vermutlich zu Recht.

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