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Was soll mit der Uferböschung geschehen? Der Weiher in Neuenhaßlau.

Hasselroth

Streit über Rettung des Dorfweihers

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Ein neues Gutachten spricht gegen eine biologische Sanierung des Neuenhaßlauer Gewässers.

Die Hoffnung, die Ufer des Dorfteichs in Neuenhaßlau, einem Ortsteil der Gemeinde Hasselroth (Main-Kinzig-Kreis), biologisch zu stabilisieren, ist zerplatzt. Laut Landratsamt kommt eine Untersuchung jetzt zu dem Schluss, dass allein mit Buschwerk die Böschung nicht gegen ein Abrutschen gesichert werden könne. Auf die Forderung der Interessengemeinschaft (IG) „Rettet den Dorfweiher“ hin hatte der Kreis im September das Gutachten in Auftrag gegeben. Die Sanierung des Teichs ist hoch umstritten und hat das Dorfleben zeitweise tief gespalten.

Eigentlich wäre diese Expertise nicht nötig gewesen. Ende Juni einigten sich der Anglerverein ASV Hasselroth und die Gemeinde in einem Mediationsverfahren, das der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel den beiden streitenden Parteien auferlegt hatte. Statt die ehemalige Tongrube zu verfüllen und einen Park darüber anzulegen, einigte man sich auf eine stabilisierende Aufschüttung der Böschung. Mit der Folge, dass sich die derzeitige Wasseroberfläche von 2300 Quadratmetern um rund die Hälfte verringern würde. Die Angler sollten das Gewässer jedoch weiterhin als ihr Revier nutzen können.

Das Gutachten für eine mögliche biologische Ufersanierung sei zu sehr in Eile erstellt worden, stellt Walter Glück fest, einer der Sprecher der IG. Wie das erste Gutachten zur Uferbeschaffenheit weise auch diese Betrachtung Mängel auf, sagt Glück. Während vor zwei Jahren eine Bewertung ohne konkrete Daten vorgenommen worden sei, sei diesmal nicht berücksichtigt worden, dass eine ausreichende biologische Böschungssicherung erst nach drei bis vier Vegetationsperioden erreicht werden könne.

Nach Auffassung der IG sei ohnehin vor einer 250 000 Euro teuren Teilverfüllung ein Monitoring vorzunehmen, um Hangbewegungen überhaupt zu belegen. „Selbst wenn es eines Tages zu einem Uferabbruch käme, wären es in der Menge nicht mehr als zwei Lastwagenladungen, die wegrutschen.“

Vonseiten des Kreises heißt es dagegen, ein Monitoring sei langwierig, teuer und löse nicht das drängende Problem, das das mittlerweile zwei Jahre alte Gutachten zur Uferbeschaffenheit aufgezeigt habe: Handlungsbedarf. Zur Entlastung der Uferzone habe die Gemeinde bereits das Grün zurückschneiden lassen, sagt Bürgermeister Uwe Scharf (parteilos). Er steht einem Monitoring nicht nur wegen der Kosten kritisch gegenüber.

Um die Bewegungsmessungen vornehmen zu können, müssten Tiefbohrungen vorgenommen werden, die ein anderes Problem mit unbekanntem Ausmaß zutage fördern könnten: Ein Teil des Ufers besteht aus einer ehemaligen Kippe für Hausmüll, Bauschutt und möglicherweise anderem. Sie wurde Anfang der 1970er Jahre geschlossen. Mit den Bohrungen könnten Schadstoffe freigesetzt werden, damit wäre der Dorfweiher nicht nur ein Fall für die Untere Wasserbehörde des Kreises, sondern auch für das Regierungspräsidium Darmstadt. Ein weiterer Aspekt besteht für Scharf in der Haftung. Wenn etwas passiere, müssten die Gemeinde und der Bürgermeister für alle Schäden aufkommen.

Aus Sicht des Rathauschefs, der Ende März in Ruhestand geht, hat die Gemeinde nunmehr alle technischen Voraussetzungen geschaffen, dass mit der Sanierung begonnen werden kann. Die Wintermonate würden aus naturschutzrechtlichen Gründen passen, ab März sind wegen der Brut- und Setzzeit Bauarbeiten am Gewässer verboten.

Allerdings konnte der Kreis bislang kein aquafaunistisches Gutachten in Auftrag geben, ohne das keine Uferauffüllung erfolgen kann. Denn vor der Sanierung muss ein Berufsfischer den Weiher abfischen. Dazu muss dieser jedoch wissen, was sich in dem Gewässer befindet. Laut Kreis klemmt es daran, ein Fachbüro für das Gutachten zu bekommen. Vermutlich wird Scharfs jüngst gewählter Nachfolger Matthias Pfeifer (Soziale Wählergemeinschaft Hasselroth) die Angelegenheit zu Ende bringen müssen. Denn selbst wenn der Kreis demnächst einen Gutachter verpflichten kann, müssen die Bauarbeiten noch ausgeschrieben werden. Scharf bezweifelt, dass die Sanierung vor März anlaufen wird.

Die Verzögerung kommt der IG „Rettet den Dorfweiher“ nicht ungelegen. Sie hat vor dem Verwaltungsgericht in Frankfurt eine Klage wegen des abgelehnten Bürgerentscheids zur Ufersanierung laufen. Bürgermeister in spe Matthias Pfeifer sieht darin keine aufschiebende Wirkung. Gleichwohl würde auch der gebürtige Neuenhaßlauer den Teich lieber in seiner jetzigen Größe erhalten. „Es gibt einen bindenden Gemeindevertreterbeschluss, dem muss ich mich fügen“, sagt er.

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