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Stolpersteine wider das Vergessen

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Die Arbeit der Stolpersteine-Initiative bringt vieles in Bewegung. Demnächst werden wieder 28 Erinnerungs-Steine an die Gelnhäuser Opfer des Holocaust verlegt.

Von Alexander Polaschek

Viel mehr als die messing-gelben Gedenktäfelchen im Pflaster sind es die menschlichen Begegnungen, die bewegen, erschüttern aber auch befreien. So beschreibt Rosi Bartel aus Gelnhausen ihr Erleben in mittlerweile zwei Jahren Mitarbeit im örtlichen „Stolpersteine“-Projekt. Für Mitwirkende wie Beobachter waren es ergreifende Momente, wenn einstmals verfolgte und vertriebene Bürger, Angehörige jüdischer und nichtjüdischer Opfer, zurückkehrten und die Hand zur Versöhnung reichten.

In der Stadt, die sich viele Jahre lang sehr schwer tat mit der Aufarbeitung ihrer braunen Vergangenheit, ist das europaweite Stolpersteine-Projekt des Künstlers Gunter Demnig offenbar zum entscheidenden Schlüssel geworden, die Konfrontation mit der Schuld zuzulassen und den Opfern ihre Namen zurückzugeben. Demnig lässt für jedes Opfer am letzten Wohnort einen quadratischen Pflasterstein in den Boden ein. Unabdingbar ist intensive Vorarbeit, historische Recherche, Spurensuche, die internationale Suche nach Überlebenden und Angehörigen. Auf diese Weise bringt jeder Stolperstein etwas in Bewegung, zieht Kreise, wie ein Stein, der ins Wasser fällt. Erleichtern und intensivieren soll die internationalen Kontakte nun eine eigene Internetseite, die der Abi-turient Daniel Thürck gestaltet hat. Die Gelnhäuser IG präsentiert dort ihre Ergebnisse und Pläne für heimische und weit entfernte Interessenten.

Zur ersten Verlegung von 35 Steinen im Oktober 2009 waren Angehörige bis aus Israel angereist. Eine Teilnehmerin aus Norwegen wird laut Rosi Bartel für die zweite Aktion erwartet, die zusammen mit einer Ausstellung für den 14. Oktober geplant ist. Weitere 28 Steine sollen an verschleppte und ermordete Geln-häuser Juden erinnern und an Opfer der Euthanasie-Morde und politischer Verfolgung. Das wird nicht das Ende sein. Die von anfangs sechs auf nun elf Mitarbeitende gewachsene IG hat bereits Spenden für 90 Stolpersteine zu jeweils 95 Euro gesammelt. Auch eine Broschüre soll entstehen und ein Buch ist in Vorbereitung.

Spendenkonto: Stadt Gelnhausen, Konto-Nr. 1016, Kreissparkasse Gelnhausen, BLZ 507 500.

www.stolpersteine-gelnhausen.de

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