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Freigericht

Stichrunde um Golfplatzprojekt

Der Konflikt um den Bebauungsplan für den Golfplatz auf Hof Trages erregt Naturschützer bis hin zu den örtlichen Golfern. Am Sonntag kommt es zum Bürgerentscheid.

Von Jörg Andersson

Vor mehr als 200 Jahren pflegten große Dichter der Romantik wie Clemens von Brentano oder die spätere Goethe-Freundin Bettina von Arnim Liebesromanzen auf Hof Trages. Derzeit ist der Gutshof mit seinem Golfplatz ein erbitterter Streitfall, der die Atmosphäre und die politischen Verhältnisse spürbar verändert hat.

Bei der Kommunalwahl vor zwei Monaten ist die CDU in ihrer jahrzehntelangen Hochburg um fast 20 Punkte auf 28,5 Prozent eingebrochen, derweil Gegner eines Golfplatzausbaus wie die Grünen oder das Bürgerforum Freigericht aus dem Stand zweistellige Prozentzahlen erreichten.

Der Konflikt erregt Naturschützer bis hin zu den örtlichen Golfern. Denn der Ausbau der Anlage soll nach dem Willen von Gutshofbesitzer Hubertus von Savigny (50) mit einem Betreiberwechsel einhergehen. Aktuell hat das Oberlandesgericht Frankfurt eine Räumungsklage aus dem Clubhaus zurückgewiesen.

Jüngst hat der vorgesehene Investor und künftige Betreiber Hermann Weiland per Computeranimation die Ausmaße eines geplanten zweistöckigen Landhotels mit 32 Zimmern zu veranschaulichen versucht. Das auf drei Millionen Euro bezifferte Projekt füge sich harmonisch zum historischen Bauensemble und der Landschaft, sollte die Botschaft sein. Doch das Bürgerforum, das eine einzigartige Kulturlandschaft gefährdet sieht, bleibt skeptisch.

Pachtzins moniert

Der Bebauungsplan sei ein „Blanko-Scheck“, auf 7400 Quadratmetern zweigeschossige Häuser errichten zu dürfen und öffne Tür und Tor für eine „Splitter-Siedlung“, sagt Martin Müller vom Bürgerforum. Diese Woche monierte Sprecher Adolf Schmitt-Weigand den Pachtzins. Einem Vertragsentwurf vom Mai 2010 zufolge solle von Savigny 600 Euro pro Hektar jährlich zahlen. Schon dem aktuellen Golfplatzbetreiber stelle dieser derweil die vierfache Summe in Rechnung.

Nach Ansicht der Umweltverbände BUND und HGON ist der Ausbau des Golfplatzes von 18 auf 27 Bahnen mit einem zusätzlichen Flächenbedarf von fast 40 Hektar angesichts von 50 Golfplätzen in Hessen mehr als umstritten, zumal soeben in unmittelbarer Nachbarschaft in Gettenbach eine Anlage auf 27-Loch erweitert werde. Das Freigerichter Projekt widerspreche dem Regionalen Raumordnungsplan. Alle bisherigen Planungsunterlagen seien mangelhaft, kritisieren die Umweltverbände.

Die Mehrheit der Gemeindevertretung mit dem parteilosen Bürgermeister Joachim Lucas an der Spitze erhofft sich von dem Projekt mehr Freizeitwert und Gäste. Die Erweiterung sei sogar ökologisch eine Aufwertung, weil intensive Landwirtschaft entfalle und Hochwasserschutz entstehe. Selbst Wanderwege um den Gänsewald und die Straßenverbindung profitierten durch den Ausbau eines Kreisels.

Hubertus von Savigny will mit dem Ausbau den Golfplatz konkurrenzfähiger gestalten. Dann kämen sich ambitionierte Sportler und Freizeitspieler nicht ins Gehege. Durch das Hotel, das auch für Privatfeiern offenstünde, gäbe es zwei Dutzend neue Arbeitsplätze. Im besten Fall könne der Bau im Frühsommer nächsten Jahres beginnen.

Beim Bürgerbegehren im Dezember waren rund 2900 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt worden. 2933 müssten am Sonntag „Ja“ ankreuzen, um den Bebauungsplan zu kippen. Bis Donnerstagmittag gab es laut Wahleiter Fridolin Oesterreicher bereits 1400 Briefwähler.

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