Georg-Eugen Pientka mit der lichten Seite seiner Kunst.
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Georg-Eugen Pientka mit der lichten Seite seiner Kunst.

Georg-Eugen Pientka

Steter Wandel

Georg-Eugen Pientka zeigt Werke aus 30 Jahren Künstler-Dasein in Hanau.

Von Anne Lorenc

Felder springen in bunter Kleinteiligkeit ins Auge, klare Himmel und strahlende Helle. Daneben aber behauptet das Dunkle, Morbide seinen Platz: Körper, deren Haut zu bröckeln scheint. Düstere Akte in schmerzlicher Verstrickung. Der Umbau des Freiheitsplatzes als Machtkampf zwischen einer gnadenlos zuschnappenden Baggerschaufel und still ruhenden, Jahrhunderte alten Fundamenten. Die Ausstellung des Hanauer Malers und Bildhauers Georg-Eugen Pientka, mit der er sein 30-jähriges Künstlerdasein feiert, umreißt mit knapp 80 Exponaten alle Widersprüche des Menschseins zwischen Sehnsucht und Zerstörungswut.

Die Stadt Hanau hat dem Künstler für seine Jubiläumsausstellung das Lapidarium des Steinheimer Marstalls zur Verfügung gestellt. Hier zeigt er seine Werke aus drei Jahrzehnten, und hier ist er während der Öffnungszeiten auch beim Malen zu sehen. Im Augenblick entstehen wieder kleinformatige Landschaften.

Pientka wurde 1954 in Oberschlesien geboren. Eine solide Basis für die lebenslange Nähe zur Natur. Zu Äckern, dem Geruch der Erde, zu Licht und Luft. Dies alles findet sich wieder auf seinen hellen, nein strahlenden Landschaftskompositionen, die als Visionen seinem Kopf entspringen. „Das alles ist aus einem Fleck entstanden“, sagt der Künstler und verweist auf eines der Großformate in warmen Farben. Der erste Farbfleck leitet ihn zu neuen Formen und Eingebungen. „Kontrollierte Intuition“ nennt er das. So entstanden Visionen neuer Städte, zuweilen durchschnitten von harten geometrischen Formen. Die Zweipoligkeit, der stete Wandel begleiten Pientka, seit er seinerzeit an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste in Stuttgart studiert und den ersten Preis im Wettbewerb „Form – Zerstörung – Form“ gewonnen hat.

Keine Form, keine Struktur bleibt, wie sie angelegt war. Dichte Farbschichten werden abgelöst, zerbrochen, gebügelt, neu aufgetragen. In Schwarzweißbildern kombiniert Pientka nackte menschliche Körper mit Makro-Aufnahmen von Alltagsstrukturen, etwa aufgebrochenem Asphalt. Aquarell, Tempera, gezeichnete Elemente, Metallauflagen – alles wird gemixt. Auch Gegenständliches und Abstraktes.

Die Vielseitigkeit des heimischen Künstlers war es denn auch, die Oberbürgermeister Claus Kaminsky und den Kulturbeauftragten Klaus Remer während der Ausstellungseröffnung besonders beeindruckte. Denn Pientka, der auch als Fotodesigner arbeitete, zeigt hohe Experimentierfreude.

Dabei spart er eigene politische und soziale Standpunkte nicht aus. Goldene Stelen hat er zwischen Malerei, Zeichnungen und Fotografien platziert. Menschen, die auf hohen Stäben balancieren, die wiederum aus Kugeln wachsen. Aus Mörsergranaten, die der Künstler selbst gefunden hat. Die Botschaft seiner Stehauf-Figuren: „Wir haben ein gestörtes soziales Gefüge. Der Mensch wird immer mehr zum Einzelkämpfer und gerät dabei oft in Schräglage.“

Jubiläumsausstellung Georg-Eugen Pientka, im Schloss Steinheim, Lapidarium, noch bis Sonntag, 2. Juni, täglich außer montags von 15 bis 18 Uhr.

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