Theater

Ein Sternchenkleid für „Frau Luna“

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Großer Andrang herrscht beim Kostümverkauf aus dem Fundus der Brüder-Grimm-Festspiele  in Hanau.

Wie sehe ich aus?“ Aus den Mündern der Begleiter ertönt zugleich ein „großartig“. Wie ein Blütenkelch fasst das dunkelrote, reich mit Rüschen besetzte, bodenlange Kleid die Trägerin. Kostüme für eine Ausführung zu einem historischen Ereignis werden gesucht, war auf Frage nach der Verwendung zu hören. Aus diesem Grund ist am Sonntagnachmittag so mancher Besucher in die Orangerie von Schloss Philippsruhe gekommen. 

Die Brüder-Grimm-Festspiele hatten erstmals ihren Kostümfundus ausgemistet. Ein nicht geringer Teil der Kreationen von Kostümbildnerin Ulla Röhrs wurde auf neun eng bestückten Garderobenständern angeboten samt zahlreiche Requisiten, darunter auch im Alltag ganz praktische Sachen wie große Einkaufstaschen, bunte Gießkannen oder Perücken. Eben alles was sich in mehr als 30 Jahren Aufführung Grimm’scher Märchen angesammelt hat, jedoch nicht mehr genötigt wird, und damit nur dem Platz wegnimmt, der im auf drei Standorte in der Stadt verteilte Kostümfundus ohnehin knapp ist.

Diese Gelegenheit lassen sich vor allem einige Theaterleute nicht entgehen. Eine Kostümbildnerin aus Kassel, die nicht genannte werden möchte, sortiert vor dem Bezahlen ihre Ausbeute auf drei Stapeln. „Das wird nicht auf der Bühne getragen, sondern kommt in meinem privaten Fundus“, sagt sie. Barbara Vogel-Hohm sucht hingegen Bekleidung für künftige Aufführungen. Welche, ist jedoch noch unklar, sagt sie. Die Kostümbildnerin des Alzenauer Theatervereins KultBurg ist zufrieden mit der Auswahl, sie hat über dem Arm einige Stücke liegen. Eine Delegation der Hanauer Karl-Rehbein-Schule sucht die Reihen mit Klamotten mit strahlenden Gesichtern ab. Auf einem Tisch muss schon bald die Auswahl zwischengelagert werden, darunter einige Sternen-Kostüme. „Im Sommer 2020 führen wir die Operette ‚Frau Luna‘ auf. Das Stück ist wieder im Kommen, vielleicht wegen 50 Jahre Mondlandung in diesem Jahr“, sagt Musiklehrer Frank Hagelstange. Ob die Sachen den Akteuren passen, sei erstmal nicht wichtig. In der Elternschaft gebe es wahre Könner an Faden und Nadel, so Hagelstange.

Fasching im Blick

Eine nicht kleine Schar der zeitweilig, geschätzten knapp einhundert Interessenten inspiziert das Angebot mit dem Vorsatz, „einfach mal suchen“ - für den privaten Anlass. „Ich gucke, ob was besonders für Fasching finde“, sagt die Frau und wirft einen unschlüssigen Blick auf das aus grün-braun Fransen bestehende und mit Kunststoffzweigen besetzte Waldfeen-Outfit. Bettina Michels-Maisch hat es das tiefgrüne Froschkostüm angetan. „Da kann man noch was warmes drunter ziehen“, sagt sie. Als Frosch würde sie gerne beim nächsten Schubkarrenrennen in Roßdorf antreten und das startet stets im Januar.

Schutz gegen Kälte können auch die vielen befellten Tiermasken bieten, zu denen es zumeist die passenden Pfoten zum Überziehen an Händen und Füßen gibt - für ein paar Euros. Die meisten Damen- wie Herrenkostüme wechseln für deutlich weniger als 100 Euro den Besitzer. Bei aufwendigen Stücken stehen 120 Euro auf dem Preisschild. Für einen prachtvoll gestalteten Königsmantel aus „Aschenputtel“ sind jedoch 280 Euro hinzulegen, ebenso für das gewaltige weiß-rosa Ballkleid, das Assoziationen zu einer mehretagigen Hochzeitstorte weckt.

Nach einer dreiviertel Stunde sind die Kleiderstangen deutlich gelichtet und manch Kofferraum ist randvoll. Die Einnahmen in nicht bekannter Höhe bleiben bei den Grimm-Festspielen, hat Intendant Frank-Lorenz Engel zuvor schon gesagt. Ulla Röhrs künftige zu Stoff gebrachten phantasievollen Ideen gibt es eben nicht zum Preis von Ramschklamotten.

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