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Märchen-Illustration von Otto Ubbelohde.
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Märchen-Illustration von Otto Ubbelohde.

Museen in Hessen

Steinau:Das „Erdmännchen“ einmal anders erzählt

Das Brüder Grimm-Haus in Steinau hat eine neue Variante eines Grimm’schen Märchens entdeckt

Im Grimm’schen Märchen „Das Erdmännchen“ bekommen in familienfreundlichen Fassungen drei Jägerburschen am Ende jeweils ihre Prinzessin. Doch es gibt noch eine grausame Variante, eine aus Steinau. Die hat der Historiker Olaf Spielmann vom Museum Brüder-Grimm-Haus Steinau entdeckt, das in seiner jetzigen Form in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiern könnte, wenn die Corona-Pandemie nicht wäre. Der besondere Märchen-Fund soll aber später gewürdigt werden, kündigt Museumsleiter Burkhard Kling an. Er hofft, dass sein Haus am 1. Juni öffnen kann.

Eigentlich suchte Spielmann, der in dem Brüder-Grimm-Haus und im benachbarten Museum Steinau für die wissenschaftliche Inventarisierung verantwortlich ist, nach Informationen über Friedrich Grimm den Älteren, den Urgroßvater der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Im Grimm-Portal, das unter anderem die digitalisierten Bestände des Hessischen Staatsarchivs und der Universität Kassel von und mit Bezug zu den Brüdern bereitstellt, wurde er auf den Wortlaut „Steinau im Hanauischen“ aufmerksam, der sich in den Anmerkungen der Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen von Jacob und Wilhelm befand. Steinau war zu Zeiten der Grimms die Kapitale der Obergrafschaft Hanau, eine Exklave der Grafschaft Hanau. Die Ortsangabe ließ sich damit zweifelsfrei zuordnen.

Die Steinauer Variante, eine von insgesamt sechs Varianten, ist keine familienfreundliche. Die beiden ältesten Jägerburschen, die dem Jüngeren nichts Gutes wollen, werden in der Steinauer Version am Ende in einen Sack voller Schlangen eingenäht und in einen Abgrund geworfen. „Außerdem müssen die drei Prinzessinnen dort drei Riesen und nicht drei Drachen kraulen“, sagt Kling.

„Das Erdmännchen“, das übrigens kein Tier, sondern ein kleines Männchen, das in einem Erdhöhlenreich lebt, soll zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise Gegenstand einer Kabinettausstellung oder des Steinauer Märchen-Sonntags, eines riesigen Fests mit umfangreichem Programm werden. Den diesjährigen und den im vergangenen Jahr musste der Museumsleiter pandemiebedingt absagen. Jetzt ist das Fest für den 7. August 2022 geplant. Thematische Klammer sind die „Bremer Stadtmusikanten“.

Eine Ausstellung mit Bildern des Impressionisten Robert Sterl, die kaum Besucher:innen fand, weil sie in die Zeit des zweiten Shutdowns fiel, hofft Kling im Herbst kommenden Jahres noch einmal zeigen zu können, wenn er die Leihgaben, die zwischenzeitlich zurückgegeben werden mussten, noch einmal dafür zusammenbekommen kann.

Das Museum Brüder-Grimm-Haus Steinau, in dem die Familie Grimm einst für einige Jahre lebte, wird sich am 30. Mai beim hessenweiten Festival „Ein Tag für die Literatur und Musik“ mit einem Vortrag zu „Hänsel und Gretl“ und einem Gesprächskonzert beteiligen, die beide gestreamt werden. Und ansonsten hofft der Kunsthistoriker, dass er, wenn die Inzidenzzahlen niedrig bleiben, am 1. Juni wieder das Museum öffnen kann. Im vergangenen Sommer durften immer zwölf Besucher:innen sich gleichzeitig im Haus aufhalten. Das habe gut geklappt, und wenn doch einmal mehr Gäste kamen, konnten sie, um die Wartezeit zu überbrücken, auf die andere Hofseite wechseln: in das Museum Steinau, das sich mit der Geschichte der Stadt beschäftigt.

www.brueder-grimm-haus.de

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