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Die Beschäftigten des Hofguts kümmern sich um die Zweinutzungshühner, die in mobilen Ställen leben.
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Die Beschäftigten des Hofguts kümmern sich um die Zweinutzungshühner, die in mobilen Ställen leben.

Steinau

Steinau: Mehr Tierwohl für Huhn und Hahn

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Das Hofgut des Behindertenwerks in Steinau setzt auf „Zweinutzungshühner“, deren männliche Küken nicht getötet werden. In Hessen gehört es damit zu den Vorreitern.

Wenn wir es nicht machen, wer dann?“, fragt Dietrich Hunsmann, Leiter des Bioland-Hofguts Marjoß, rhetorisch und hält kurz inne. Er meint die neuen Hühner in einem von sechs mobilen Ställen, die alle zwei Wochen den Weideplatz wechseln. Sie laufen gerade eifrig draußen herum und picken Körner, sehen kräftig und beweglich aus. Das Besondere: Es handelt sich um sogenannte Zweinutzungshühner, die alten, rückgezüchteten Arten angehören: „Coffee“, mit weiß, braun und teils schwarz gemusterten Federn, und „Cream“, ganz in Weiß.

Das Hofgut gehört zu den ersten in Hessen, die auf Zweinutzung setzen. Die Hühner, erklärt Hunsmann, legen dabei weniger Eier als die anderen auf dem Hof, etwa 200 bis 220 statt 280. „Genau wissen wir es noch nicht.“ Dafür setzen sie mehr Fleisch an, wiegen um die zwei Kilogramm statt gut ein Kilogramm und können später auch gut als Suppenhühner angeboten werden. Die Tiere sind robuster als die „Hybridhühner“, deren Züchtung auf die Legeleistung fokussiert ist, und brauchen kein Import-Futtermittel. Und nicht zuletzt: Männliche Küken müssen bei dieser Form der Zucht und Haltung nicht sterben, auch weil die Bruderhähne der Hennen ebenfalls mehr Fleisch haben und sich vermarkten lassen. Die Fleischqualität sei hoch, der Geschmack gut.

Bei der Ökologischen Tierzucht (ÖTZ) aus Augsburg, die unter anderem auf Zweinutzung ohne Kükentöten spezialisiert ist, hat Hunsmann zunächst 220 Hühner gekauft. Von den Brüdern, die 17 Wochen aufgezogen und dann – etwa zwölf Wochen später als konventionelle Masthähnchen – geschlachtet werden, übernahm der Hof die Hälfte. Die andere zog der Züchter gegen eine Gebühr groß.

Der Betrieb

Das Hofgut Marjoß in Steinau ist ein im Spessart gelegenes Unternehmen des Behindertenwerks Main-Kinzig (BWMK) und arbeitet seit 1999 nach den Richtlinien des Bioland-Verbandes.

Menschen mit Beeinträchtigungen kümmern sich hier etwa um Rinder, Schweine, Gänse und stellen Bioprodukte wie Honig oder Nudeln her.

Darüber hinaus ist das Hofgut ein Lern- und Erlebnisort, an dem Seminare und Veranstaltungen stattfinden. Weitere Informationen gibt es auf www.bwmk.de. gha

Die Tötung männlicher Küken ist nach einem Bundestagsbeschluss ab 2022 ohnehin verboten. Die Industrie könnte stattdessen auf Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei zurückgreifen und Eier mit Hähnen entsorgen. Küken würden auch dann faktisch getötet, kritisiert Hunsmann.

Für die „neuen“ Tiere in Marjoß sorgen die Beschäftigten des Hofguts, das zum Behindertenwerk Main-Kinzig gehört. Wesentliches Ziel des Guts sei, Menschen mit psychischen und körperlichen Einschränkungen zu fördern und zu qualifizieren, sagt Dietrich Hunsmann. Sie stünden auch hinter dem neuen Projekt.

Verkauft werden die Eier der Zweinutzungshühner erst mal nur in den Unverpackt-Läden „Mittendrin“ in Hanau und dem „Marktplatz“ im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen, die das Behindertenwerk betreibt. Weil eine viel größere Nachfrage noch nicht gedeckt werden könnte und geschaut werden muss, wie die Kund:innen das Angebot annehmen.

Das Hofgut bietet 1500 Plätze für Legehennen, Coffee und Cream belegen somit lediglich einen Teil davon. Dennoch geht das Hofgut ein gewisses Risiko ein. Denn, so Hunsmann: Das Zweinutzungshuhn sei im Einkauf teurer, brauche mehr Futter, lege weniger Eier – die aber den Bruderhahn mitfinanzieren müssten. Dementsprechend kosten diese Eier mit jeweils etwa 65 Cent 20 Cent mehr als herkömmliche Bio-Eier des Guts. Doch Hunsmann ist zuversichtlich, dass bald viele Verbraucher bereit sind, mehr zu bezahlen: Das Bewusstsein für Tierwohl steige. Der Hofleiter möchte ganz auf Zweinutzung umsteigen, wenn sie sich bewährt.

Alle zwei Wochen wechseln die Hühner den Weideplatz.

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