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Das Trinkwasser in Hanau wird bald aus tieferen Schichten kommen.

Hanau Trinkwasser

Tiefbohrung wegen Klimawandels

Die Trinkwasserqualität in Hanau kann mit dem Großauheimer Flachbrunnen nicht mehr gehalten werden. Deshalb wird im Großauheimer Naturschutzgebiet ein Tiefbrunnen gebohrt.

Das Trinkwasser in Hanau soll künftig mit viel weniger technischem Aufwand aufbereitet werden, bei gleichbleibender Qualität. Um dies zu erreichen, wird seit drei Monaten im Großauheimer Naturschutzgebiet ein Tiefbrunnen gebohrt, berichten die Stadtwerke Hanau. Der erste seit 50 Jahren. Eine Grundwasserader in 145 Meter Tief soll angezapft werden. Die Bohrgestängen brauchen jedoch mehr Zeit als geplant. Die Zieltiefe war für Ende Mai terminiert. Aktuellem ist der Bohrkopf erst bis auf 90 Meter vorgedrungen.

Gegenwärtig entnehmen die Stadtwerke über das Pumpwerk IV Großauheim aus 23 Flachbrunnen in der Schifflache Wasser für die Trinkwasserversorgung. Bis zu 3,5 Millionen Kubikmeter sind erlaubt, heißt es. Die Schifflache ist ein ehemaliger Main-Bogen an der Gemarkungsgrenze zu Großkrotzenburg.

Mutmaßlich wirkt die Klimaveränderung sich nunmehr verstärkt auf die Qualität des dort entnommenen Wasser aus. Die zunehmende Zahl von Extremregen trügen seit sieben Jahren zu einem hohen Pegel im Naturschutzgebiet bei. Das Hochwasser verschmutze die Flachbrunnen. Dieses Wasser muss somit vor der Einspeisung in das Netz von Huminstoffen, pflanzliche wie tierische Abbauprodukte, immer aufwendiger gereinigt werden, notiert die Stadtwerke-Wassermeister Benno Hofmann. „Das damit belastete Rohwasser in manchen Flachbrunnen entspricht nicht unseren Anforderungen, weil es deutlich verfärbt ist und auch gesundheitlich bedenkliche Sekundärwirkungen auftreten können.“ Das heißt: Unaufbereitet könnte der Genuss auf Magen und Darm schlagen. Mit dem Betrieb des Tiefbrunnens werden drei stark belastete, Entnahmestellen geschlossen.

400.000 Euro für die Bohrung

Die zweite Grundwasserebene in knapp 150 Meter Tiefe, soll unbedenkliches Nass liefern. Eine dicke Tonbarriere darüber bietet gegen bakteriell kontaminiertes Wasser von der Oberfläche einen Schutz, steht für die Stadtwerke nach einer Probebohrung fest. Das Wasser aus der Tiefe zu holen, ist jedoch mit erheblichen Kosten verbunden. Laut Stadtwerke-Geschäftsführer Steffen Maiwald werden sich die Gesamtkosten auf voraussichtlich 800.000 Euro belaufen. Rund die Hälfte des Betrags seien für die Bohrung aufzuwenden.

Bevor der Brunnen in Betrieb geht, wird er vom Regierungspräsidium Darmstadt abgenommen. Das Wasser aus der Tiefe soll mit dem aus den verbleibenden Flachbrunnen vermischt werden, heißt es auf Nachfrage. Der Tiefbrunnen soll eine Förderleistung von 500.000 Kubikmeter im Jahr haben. Mit 1,7 Millionen Kubikmeter im Jahr liefert das Pumpwerk IV rund ein Drittel des Hanauer Wasserbedarfs.

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