Hanau

Neue Wege bei der Fernwärme

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Das Kraftwerk Staudinger galt als Garant beim Ausbau des Fernwärmenetzes der Stadtwerke Hanau (SWH). Mit der Explosion in Block 5 im Mai sieht die Bilanz der SWH ernüchternd aus. Neue Wege werden nun gesucht, auch ob der fraglichen Zukunft von Kohlekraftwerken.

Absatzeinbruch und unerwartete Mehrausgaben wegen des Ausfalls beim Fernwärmelieferanten Staudinger kennzeichnen die wirtschaftliche Situation der Stadtwerke Hanau (SWH). Wegen des milden Winters 2013/14 sei der Umsatz der Sparte Wärme um 20 Prozent gesunken. Das Planergebnis für 2014 von 8,1 Millionen Euro wird voraussichtlich um zehn Prozent geringer ausfallen, sagte SWH-Geschäftsführer Steffen Maiwald vor der Presse.

Die Explosion im Block fünf des Kohlekraftwerks Staudinger im Mai hat dazu geführt, dass die Heizwerke der SWH nicht wie konzipiert in kurzzeitigem, sondern in Dauerbetrieb gehen mussten, um den Bedarf der rund 1000 Abnehmer, darunter auch aus der Industrie, zu decken. Die Crux ist jedoch, dass diese Wärmeerzeugung mit teurem Erdgas erfolgt und den SWH bislang einen Rechnung in Höhe von 1,5 Millionen Euro beschert hat. Maiwald sagte, dass man in Sachen Kostenübernahme noch in Verhandlungen mit der Eon stehe. Nach dem aktuellen Vertrag, der bis 2024 Gültigkeit besitzt, sei eine Kostenbeteiligung ein Entgegenkommen der Eon. Laut Maiwald soll es beim aktuellen Vertrag mit der Eon keinen Passus mehr auf Schadensersatzansprüche bei Nichtlieferung geben.

Auch Eon hält sich bedeckt

Der Vertrag sei noch zu einer Zeit abgeschlossen worden, als Block 1 als Reserve gehalten worden sei. Im April 2013 sei auch diese Anlage aus der 1960er-Jahren stillgelegt worden. Eine Einigung über einen finanziellen Ausgleich werde noch im Dezember erwartet. Maiwald geht davon aus, dass Eon nicht mehr als 50 Prozent des „Schadens“ bei den SWH übernehmen wird. Voraussichtlich Mitte Januar werde Block 5 von Staudinger wieder anlaufen, sagte SWH-Chef Maiwald.

Fernwärme im bisherigen Stil mit einem Großversorger bildet für die SWH keine Zukunft mehr. Mit einem Konzept sollen Wege für eine langfristige, wirtschaftliche und umweltentlastende Versorgungssicherheit hergestellt werden – auch ohne Staudinger. Das geplante CO2-Minderungsprogramm der Bundesregierung machte Vorhersagen zur Laufzeit von Staudinger kaum möglich. Auch bei der Eon halte man sich hierzu mit Aussagen bedeckt.

Ein Teil des Konzepts werde Dezentralisierung lauten. Das Holzhackschnitzel-Heizwerk im neuen Wohnquartier Lehrhöfer Park sei ein erstes Projekt in diese Richtung, so Maiwald. Des Weiteren sollen Lösungen mit Industriebetrieben gesucht werden.

Fest steht hingegen, Fernwärmekunden werden ab 2015 knapp fünf Prozent mehr bezahlen, wegen der allgemeinen Teuerungsrate. Bei einem Einfamilienhaus steigen die Ausgaben um 50 Euro im Jahr. Ab 2016 könnte es eine neue Regelung geben, bei der die Tarife je nach Kostenentwicklung bei der Wärmeproduktion nach „unter oder oben atmen“, so Maiwald.

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