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Stadtbus in gelb-roter Tusche

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Mit Filzstift und Ölkreide malt Robertino Rims im KunstRaum-Atelier sein Lieblingsmotiv: den Cowboy.
Mit Filzstift und Ölkreide malt Robertino Rims im KunstRaum-Atelier sein Lieblingsmotiv: den Cowboy. © Monika Müller

In der Ausstellung „Meine Art die Welt zu sehen“ präsentieren Mitarbeiter des Kunst-Raum-Ateliers in Hanau ihre Bilder. Zusammen mit dem Gelnhäuser Künstler Jesekiel haben die Behinderten Personen, Gebäude und Natur aus Hanau und Umgebung auf die Leinwand gebracht.

Von Sebastian Meineck

In der Ausstellung „Meine Art die Welt zu sehen“ präsentieren Mitarbeiter des Kunst-Raum-Ateliers in Hanau ihre Bilder. Zusammen mit dem Gelnhäuser Künstler Jesekiel haben die Behinderten Personen, Gebäude und Natur aus Hanau und Umgebung auf die Leinwand gebracht.

Ganz nah hält Robertino Rims sein Gesicht an die Leinwand. Wie in Zeitlupe zieht er mit dem Filzstift schnörkelige Konturen. Der Maler aus Hanau-Steinheim ist extrem kurzsichtig. Und er ist einer von rund 20 Künstlern mit geistiger Behinderung aus dem Atelier KunstRaum im Brockenhaus.

Am kommenden Freitag eröffnen Robertino Rims und seine Kollegen eine Ausstellung ihrer Werke. Sie trägt den Titel „Meine Art die Welt zu sehen“, dargestellt sind Menschen, Gebäude und Naturmotive aus Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis wie das Rathaus und die Kinzigaue.

Robertino Rims ist wegen der Eröffnung schon sehr aufgeregt: „Ich kann nachts kaum schlafen, aber ich freue mich schon auf die Leute.“

Die KunstRaum-Mitarbeiter haben die Bilder zusammen mit dem jungen Künstler Jesekiel (Benedikt Cornelius Wallisser) gemalt. „Die ganze Ausstellung ist in drei Vormittagen entstanden“, erzählt die künstlerische Leiterin Martina Roth. Sie konnte den 1991 geborenen Jesekiel, der als freischaffender Künstler in Gelnhausen arbeitet, schnell für das KunstRaum-Atelier begeistern.

Am ersten Tag entstanden Porträts. Die ersten Striche setzte Jesekiel selbst mit Filzstift, und die KunstRaum-Mitarbeiter kolorierten die Flächen mit Farbstiften. Am zweiten Tag skizzierten die Künstler Gebäude aus ihrer Erinnerung, und Jesekiel färbte sie mit bunter Tusche ein. „Und die Naturbilder am letzten Tag entstanden zweihändig. Jesekiel hat sie gleichzeitig mit den Künstlern gemalt“, erinnert sich Martina Roth. „Es wurde viel gelacht, und Jesekiel war sehr inspiriert.“

Die Motive der Ausstellung sind bunt und abstrakt. Als erstes fällt einem der mit Tusche eingefärbte, rot-gelbe Stadtbus von Agop Talsik ins Auge. Daniela Milia hat ein Bild vom Hanauer Rathaus mit dem Denkmal der Brüder Grimm gemalt.

Von Robertino Rims stammt ein Gebäude mit einer großen Treppe. „Ich weiß nicht, wo das ist, aber ich denke schon, dass es das in echt gibt“, sagt er und fügt hinzu: „Mich ärgert, dass es so schief ist. Aber den Leuten hat es trotzdem gefallen.“

Im Zimmer nebenan zeigt Jesekiel eine Reihe eigener Bilder unter dem Titel „Geschick und Geschichte“. Das ist eine Wanderausstellung, die sich genauso wie die Ausstellung des KunstRaums mit Menschen, Gebäuden und der Natur aus dem Main-Kinzig-Kreis beschäftigt. „Die Porträts stellen Leute dar, die man jederzeit auf der Straße treffen könnte“, sagt Martina Roth. Und wer die Gegend kennt, würde auch einige Gebäude wiedererkennen, wie zum Beispiel die Wallonisch-Niederländische Kirche in Hanau.

Rund vierzig Bilder erwarten die Besucher in den beiden Räumen im Brockenhaus. Nebenan brühen im Café Samocca Menschen mit geistiger Behinderung frischen Kaffee. In den oberen Stockwerken gibt es eine Zigarrenmanufaktur, einen Werkladen und das Atelier der KunstRaum-Mitarbeiter.

Das KunstRaum-Atelier ist Teil des Behinderten-Werks Main-Kinzig. Seit Januar 2012 verbringen dort wöchentlich rund 20 Künstler ganze Arbeitstage. Mit der Gruppenleiterin Nicole Pietschmann und unter der künstlerischen Leitung von Martina Roth entwickeln sie eigene Techniken und stellen ihre Werke der Öffentlichkeit vor.

Die Künstler sprechen gerne über ihre Werke und laden wochentags zwischen 10 und 12 Uhr Besucher dazu ein, ihnen im Atelier über die Schulter zu schauen.

Der kurzsichtige Maler Robertino Rims arbeitet zurzeit an einer neuen Version seines Lieblingsmotivs: Es ist der Cowboy mit Hut, den er konzentriert mit dem Filzstift skizziert. Auf die Frage, wo es denn in Hanau einen Cowboy gebe, antwortet er: „Ich bin selbst ein Cowboy“, und zeigt auf seinen schwarzen Hut, der über der Heizung hängt.

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