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Sanierungsbedürftig und leerstehend: das Wächtersbacher Schloss.
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Sanierungsbedürftig und leerstehend: das Wächtersbacher Schloss.

Wächtersbach

Stadt wird Schlossherrin

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Die Stadtverwaltung wird in drei Jahren ins Wächtersbacher Schloss einziehen. Vorher wird das marode Gemäuer saniert und umgebaut. Möglich gemacht hat das ein Deal mit der Handelskette Globus: Die möchte erweitern, wo derzeit das sanierungsbedürftige 1977er Rathaus steht.

Kein Pfitzelchen Papier oder etwas anderes der früheren Nutzer liegt im Wächtersbacher Schloss herum. Auch alles, was in den vergangenen Jahrzehnten eingebaut wurde ist weg. „Mehr als 50 Container sind bei der Entkernung gefüllt worden“, sagt Bürgermeister Andreas Weiher (SPD). Nur den gewaltigen Herd in der einstigen Küche samt Speiseaufzug und historischen, denkmalgeschützten Personenlift mit Wasserantrieb haben die Handwerker dalassen müssen. Weiher geht durch das einst den Ysenburgern gehörende Gemäuer und erläutert die künftige Nutzung.

In den Räumen mit den Tonnen- und Kreuzgewölben werden später 30 Rathausangestellte arbeiten. Die Räume sind sehr hell“, sagt Weiher. Der lichtdurchflutete Zustand lässt sich nur erahnen, die meisten Fenster sind verbarrikadiert, damit die Substanz nicht weiteren Schaden nimmt.

Vor knapp 80 Jahren ist der fürstliche Glanz in dem ehemaligen Wasserschloss erloschen. Nach einem Dachstuhlbrand zogen die Ysenburger in ihr Büdinger Schloss – ohne Wiederkehr. Nach der Reparatur kamen und gingen mehrere Nutzer. Bekannt ist, dass die Immobilie nach dem Krieg als Altersheim, Förderschule und zuletzt ab 1966 vom Deutschen Entwicklungsdienst genutzt worden ist. 1977 wechselte der DED seinen Sitz nach Berlin.

Seitdem steht das Schloss leer und immer wieder im Interesse von Investoren – seriösen und weniger seriösen. Ob seines mittlerweile leidlichen Zustands ist mit ihm jedoch keine schnelle Rendite mehr zu machen. Die Globus Warenhauskette, die in Wächtersbach einen Markt betreibt, hat das Gemäuer 2013 gekauft, um den Verfall zu stoppen. 1,85 Millionen Euro soll es gekostet haben.

Geplant war, dass Globus das Schloss saniert, für die neuen Nutzer umbaut und anschließend an die Stadt verkauft, deren Verwaltung dann einzieht. Ein Geschäft, bei dem offenbar beide Seiten profitieren. Laut Weiher müsste die Stadt dann nicht Millionen Euro für die dringend erforderliche Sanierung des 1977 eröffneten Rathauses ausgeben und Globus könnte das Anwesen erwerben und mit seinem benachbarten Warenhaus zu expandieren. Das sei auch noch aktuell, sagt Weiher. Doch aus rechtlichen Gründen und zugunsten einer staatlichen Förderung von Umbau und Sanierung sei nun die Stadt Schloss- und Bauherrin.

Stadt kann Sanierung und Umbau stemmen

Da Globus erhebliche Vorleistungen Entkernung, Entrümpelung und Bausicherung gesteckt hat, zahlt die Stadt 2,83 Millionen Euro für die Immobilie samt Park. Insgesamt rechnet Weiher mit zwölf Millionen Euro Belastung für die Stadt. FDP und ein Teil der CDU im Stadtparlament war das zu viel, sie stimmten dem Kauf nicht zu. „Die zwölf Millionen Euro sind für die nächsten Jahre in den Haushalt eingearbeitet. Und dennoch kann die Stadt das Projekt bei ausgeglichenem Etat stemmen, ohne Steuern zu erhöhen“, versichert Weiher. Beim gegenwärtigen Zinsniveau sei die finanzielle Belastung vertretbar. Die Stadt leiht sich das Geld über 30 Jahre bei 1,5 Prozent Zinsen.

Rund die Hälfte der 1800 Quadratmeter Nutzfläche soll von der Stadtverwaltung belegt werden, der Rest verteilt sich auf ein Keramikmuseum, einen Schlosssaal für Kultur sowie ein Cafè-Restaurant mit Biergarten. Laut Weiher soll dort Gastronomie „mit regionalen Küche zu bezahlbaren Preisen“ eröffnet werden. Bei der Auswahl des Wirts soll es „keinen Schnellschuss geben“. Und die Schlosskapelle wird an Heiratswillige vermarktet.

Weiher sieht im Schloss auch ein Impulsgeber für die Altstadt. Ab Sommer soll der Umbau beginnen, in etwa drei Jahren die Verwaltung einziehen. Unterdessen will Weiher Bewegung in die Nutzung des Brauereigeländes bringen. Dort wurden von 1578 bis 1999 fürstliche Biere gebraut. Die Immobilie gehöre der Wetterau Immobilien Verwaltungsgesellschaft mbH. „Dort könnte attraktives Wohnen entstehen mit nur 800 Meter zum Bahnhof“, schwärmt er. „Ich werde wohl mal mit dem Geschäftsführer sprechen“, nimmt sich er vor.

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