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Das Techno-Festival Love Family Park auf den Mainwiesen steht für das RP im Widerspruch zum Landschaftsschutz.
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Das Techno-Festival Love Family Park auf den Mainwiesen steht für das RP im Widerspruch zum Landschaftsschutz.

Love Family Park in Hanau

Stadt will um Festival kämpfen

Das Regierungspräsidium spricht sich gegen die Techno-Großveranstaltung aus. Der OB nennt die Argumentation stellenweise „empörend“.

Von Anne Lorenc

Der Regierungspräsident (RP) in Darmstadt hat sich gegen das internationale Techno-Event Love Family Park im Landschaftsschutzgebiet „Hessische Mainauen“ ausgesprochen. In einer umfänglichen Mitteilung an die Stadt Hanau wird dem Naturschutz in diesem Bereich Vorrang eingeräumt. Die Erhaltung des Biotops sei wichtiger als die Bedürfnisse eines „begrenzten Adressatenkreises der Bevölkerung“, wie es heißt. Während die Alternative Fraktion Hanau (AF) diese Entscheidung lobte, fand Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) gestern deutliche Worte: „Befremdlich“ sei die Argumentation, an einigen Stellen „empörend“.

Im Sande verlaufen

Kaminsky hob in einer eigens einberufenen Pressekonferenz hervor, dass hier „Abwägungen“ getroffen worden seien, ohne mit den Betroffenen zu reden. Alle Versuche, bei der Landesregierung im Regierungspräsidium Gesprächspartner zu finden, um Planungssicherheit für den Veranstalter und die Stadt zu erhalten, seien im Sande verlaufen.

Der OB sah die Argumente der Stadt für den Verbleib des imageträchtigen Konzerts von der Oberen Naturschutzbehörde beim RP nicht gewürdigt. Und auf „Betriebstemperatur“ brachte ihn, dass der RP nur einen „begrenzten Adressatenkreis innerhalb der Bevölkerung“ als Nutznießer ausgemacht hatte. „Wir alle gehören zu einem begrenzten Adressatenkreis“, sagte er.

In der Absage wird mehrfach auf das von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten des Planungsbüros Stefan Huck aus Gelnhausen Bezug genommen. Huck selbst sagte , dass man daraus auch ganz andere Schlüsse hätte ziehen können. Denn immerhin habe sich nach elfjähriger Nutzung ein hochwertiges Biotop erhalten. Mit Ausnahme des zentralen Bühnenbereichs. Ob sich die Tendenz zu einer Schädigung tatsächlich verschärfe, müsse beobachtet werden.

Huck plädierte dafür, mehr Schutzmaßnahmen zu ergreifen, alljährlich eine Vorher-Nachher-Bestandsaufnahme vorzunehmen und nach diesem Monitoring in drei bis fünf Jahren endgültig über den Standort zu entscheiden. Dieselbe Meinung vertrat der zuständige Stadtrat Andreas Kowol (Grüne).

Unvoreingenommen angeschaut

Er habe sich den Vorgang „unvoreingenommen angeschaut“, sagte Kowol. Und es gebe Möglichkeiten, den Schaden weiter zu begrenzen. Indem beispielsweise der Rasen nicht kurz geschoren wird, unmittelbar bevor 20 000 Besucher sich darauf versammeln. Oder durch sorgsam ausgearbeitete Routen für die Fahrzeuge. In Randbereichen ließen sich Vegetationsinseln anlegen als Lebensraum für Schnecken und Heuschrecken. Außerdem sei Hanau in der Lage, in anderen Bereichen Ausgleichsflächen auszuweisen. All diese Ideen, so Kaminsky, habe er mit keiner maßgeblichen Stelle diskutieren können. Als unzutreffend wiesen die Vertreter der Stadt die Einschätzung zurück, dass das Festival der Stadt wirtschaftlich nichts Wesentliches bringe. Gastronomie, Hotellerie, Taxiunternehmen und der öffentliche Nahverkehr bewiesen das Gegenteil.

Der Veranstalter Steffen Charles verwies darauf, dass Love Family Park mit Hanau verknüpft sei und weltweit rund 50 Nachahmer-Veranstaltungen initiiert habe. 56 Millionen mögliche Kontakte seien vor und nach der Veranstaltung in den Medien im In- und Ausland gezählt worden. Und Aufträge für rund 150 000 Euro gingen jedes Jahr an örtliche und regionale Firmen.

Die Stadt will das Festival in Hanau halten, kann aber keinen Ausweichplatz anbieten, der von der Größe, der Verkehrserschließung und den Sicherheitsanforderungen infrage käme. Mit einem Leuchten in den Augen sprach der OB davon, beim Umweltministerium in Wiesbaden rasch eine politische Entscheidung einzufordern. Am besten noch vor der Landtagswahl.

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