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Der Kinzigsee entstand in den 1970ern als Sandgrube für den Bau der A66.

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Langenselbold soll das teure Strandbad abgeben

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Am Sonntag findet ein Bürgerentscheid über die Verpachtung des Geländes am Kinzigsee statt.

Der Kinzigsee ist nicht nur ein Loch mit viel Wasser drin, sondern für manchen Langenselbolder auch eines, in dem die Kommune zu viel Geld versenkt. Rund 10 500 Wahlberechtigte können am Sonntag in einem Bürgerentscheid darüber abstimmen, ob die Stadt das defizitäre Strandbad an dem 23 Hektar großen Gewässer weiterhin betreiben oder es an einen Pächter abgeben soll. Die Bürgerinitiative Selbold (BIS) hat den Bürgerentscheid angestoßen und für das hierzu notwendige Bürgerbegehren mehr als 1300 Unterschriften gesammelt. Geworben hatte die BIS damit, dass die Stadt mit dem so eingesparten Geld soziales Engagement fördern und die Grundsteuer senken könnte.

Nach dem gefühlt endlosen Sommer 2018 sieht sich die BIS zudem darin bestätigt, dass sich mit dem Strandbad nicht einmal ein schwarze Null in der Bilanz einfahren lasse. Das vorläufige Defizit für 2018 beträgt 137 000 Euro, sagt Erster Stadtrat Timo Greul (SPD) auf Anfrage der FR. Dass trotz der 90 000 Besucher die Saison mit einem Minus endete, erklärt er mit den Personalkosten. „Je mehr Betrieb im Strandbad herrscht, je mehr Zeitarbeitkräfte für die Aufsicht müssen wird bestellen, und die sind teuer“, sagt Greul.

Dieser erhebliche Ausgabenposten könne in der kommenden Saison kleiner ausfallen. Zurzeit gebe es Gespräche mit der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, den Wachdienst zu übernehmen. Die DLRG hatte bis 2015 einen Vertrag mit der Stadt. Greul geht davon aus, dass in den nächsten Wochen eine Vereinbarung zustande kommt. Für den Haushaltsplan 2019 sei dennoch ein Zuschuss in Höhe von 200 000 Euro vorgesehen. Es sei illusorisch, zu denken, eine Kultur- oder Freizeiteinrichtung zur kommunalen Daseinsvorsorge profitabel betreiben zu können, so Greul.

Die Verpachtungsbefürworter sehen in dem „Dauerdefizit“ eine Belastung der Bürger in Form von „Rekordsteuersätzen“. Die Grundsteuer war im von Wohn- und Gewerbegebieten reich gesegneten Langenselbold von 550 auf 685 Punkte hochgeschnellt, um die Schulden zu bändigen. 2018 fielen die Steuereinnahmen so ergiebig aus, dass die Stadt den Hebesatz für 2019 auf 635 Punkte korrigierte. Laut BIS ließe sich dieser Satz noch einmal um 50 Punkte senken, wenn die Stadt nichts mehr ins Strandbad stecke.

Gleich wie der Bürgerentscheid ausgeht, die Vorfreude auf die Saison bleibt ungetrübt. Die Stadt führt das Bad vorerst weiter. „Es gibt noch keinen Pächter.“ Erst müsse der Ausgang des Bürgerentscheids abgewartet werden, dann könne mit der Ausschreibung und dem Aushandeln eines Vertrags begonnen werden. Es sei fraglich, ob das bis Ende Mai klappt, so Greul.

Das Strandbad am Kinzigsee im Überblick

Der Kinzigsee entstand in den 1970ern als Sandgrube für den Bau der A66.

Der Campingplatz an der Nordseite befindet sich in Privatbesitz, das Südufer ist an einen Anglerverein verpachtet.

Der Bürgerentscheid über die Strandbadverpachtung ist am Sonntag, 17. Februar. In 13 Wahllokalen kann von 8 bis 18 Uhr das Votum abgegeben werden. sun

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