Wirtschaftsstudien

Zwischen Plattitüden und Schönfärberei

Rote Laterne oder Pole Position? Die Grünen und Landrat Pipa blicken ganz unterschiedlich auf Studien zur Wirtschaft im Main-Kinzig-Kreis.

Von Jörg Andersson

Der Main-Kinzig-Kreis ist im bundesweiten Vergleich von Wirtschaftsinstituten zurückgefallen. Das hat den Grünen Daniel Mack veranlasst, der großen Koalition im Kreistag ein schlechtes Zeugnis auszustellen. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende verwies auf ein aktuelles Ranking des Wirtschaftsforschungsinstitutes Prognos, in dem der Main-Kinzig-Kreis mit Platz 201 im Mittelfeld unter 412 Kreisen und kreisfreien Städten rangiert.

Bei der Untersuchung des gleichen Instituts 2007 war der Kreis noch auf Rang 117, bemerkte Mack. Nun trage er im Vergleich mit anderen Kreisen im Rhein-Main-Gebiet „mit Abstand die rote Laterne“. Der „Zukunfts-Atlas 2010“ verweise auf ein geringeres Beschäftigungswachstum im Main-Kinzig Kreis, der einst die besten Arbeitslosenzahlen hessenweit hatte und so schlecht aus der Krise komme, dass er nun hinter Kreise wie Fulda oder Hersfeld zurückgefallen sei, monierte der Grüne. Der Landrat kümmere sich öffentlichkeitswirksam um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Offenbar habe man weniger Rezepte, auch neue zu schaffen.

So liege der Kreis auch in der Umwelt- und Energiepolitik unter dem Bundesschnitt. Unzureichend sei zudem das Angebot an bedarfsgerechten Betreuungsplätzen oder Ganztagsschulen. Auf Internetseiten der großen Koalition beschränke sich die demografische Kompetenz auf Erkenntnisse wie, dass die Gesellschaft, kleiner, bunter und älter“ werde. Antworten und Handlungsrichtlinien blieben die Parteien und ihre Repräsentanten schuldig.

Landrat Erich Pipa (SPD) kanzelte den jungen Grünen im Gegenzug ab. Mack gebe nur „Plattitüden“ und Internet-Auszüge einer Studie wieder, die ihm nicht vorliege. Tatsächlich habe der Kreis demografisch betrachtet einen geringen Anteil junger Erwachsener oder etwa eine hohe kommunale Verschuldung, was aber nicht zuletzt von der Schieflage des Finanzausgleichs herrühre. Andererseits liste Prognos die stabile Arbeitsmarktsituation, Innovationsleistungen, hohe Wirtschafts- und Kaufkraft oder die geringe Abhängigkeit der Bewohner von Transferleistungen als regionale Stärken auf.

Schließlich empfahl der Landrat die Betrachtung eines anderen Regionalrankings. „Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) kommt bei einer aussagekräftigeren Untersuchung von 39 Merkmalen im Jahr 2009 zu einem anderen Ergebnis und führt den Kreis auf Platz 131“.

Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 11,4 Milliarden Euro stehen wir an der Spitze aller hessischen Kreise“ entfuhr es Pipa, der damit ein dickes Lob an die Adresse Hanaus verband. Mit einem Anteil von vier Milliarden Euro sei dies eine tolle Stadt. Fazit: „Darauf sollten wir stolz sein, statt es schlechtzureden und die Region als „Tal der Tränen“ darzustellen.

Was der Landrat nicht berichtet: Auch im INSM-Ranking liegt der Main-Kinzig-Kreis im Rhein-Main-Wettbewerb hintenan und hat sich verschlechtert. 2006 landete er auf Platz 74, seinerzeit noch vor der Wetterau oder der Bergstraße. Im Hessenvergleich stuft INSM den Main-Kinzig-Kreis auf Platz 12 von 26 ein. Von der Konjunkturkrise sei dieser „eher stark betroffen“, heißt es.

Sie sollten auch mal Kritisches zur Kenntnis nehmen und nicht nur „Schönfärberei“, betreiben, kommentierte Grünen-Fraktionschef Reiner Bousonvielle.

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