Bis zu 20000 Menschen tanzen auf der Mainwiese.
+
Bis zu 20000 Menschen tanzen auf der Mainwiese.

Love Family Park

Votum für Techno-Festival

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
    schließen

Ortsbeirat will Landschaftsschutz für die Mainwiese aufheben lassen.

Aus Sicht des Ortsbeirats Großauheim/Wolfgang kann die Mainwiese aus dem Landschaftsschutzplan herausgelöst werden, um dort weiterhin das Techno-Festival Love Family Park veranstalten zu können. Das Gremium votierte gegen die Stimmen der Wählervereinigung BUG für den Plan der Stadt. Stadtentwicklungsleiter Martin Bieberle erklärte in der Sitzung, dass möglicherweise in diesem Jahr die Party mit bis zu 20?000 Menschen am Mainufer auf der Kippe steht.

Der Widerstand gegen die Abstufung der Großauheimer Mainwiese zum Außenbereich fiel am Donnerstagabend in leisen Tönen und im Konjunktiv aus. „Ich würde es schätzen, wenn das Landschaftsschutzgebiet ein solches bliebe“, sagte Ute Peukert (BUG). Ihre Fraktionskollegin Heidemarie Friedrich-Sander: „Ich halte es für völlig verkehrt, ein Landschaftsschutzgebiet zu zerstückeln.“

Die Bedenken der Mitglieder von SPD und CDU im Ortsbeirat gingen in die andere Richtung. Stadtentwickler Martin Bieberle und Simone Zapke, Fachbereichsleiterin Bauaufsicht und Umwelt, mussten sich vor allem der Frage stellen, ob mit der Umwidmung einer anderen Nutzung oder einer Bebauung des Geländes Tür und Tor geöffnet würden. Das sei nicht der Fall, versicherte Zapke. „Es wird beabsichtigt, die bisherigen Auflagen für den Landschaftsschutz zu übernehmen“, sagte sie. Mit der Umwandlung zum Außenbereich „kann die Stadt die Bedingungen diktieren“.

Bieberle betonte, mit allen Beteiligten seien potenzielle Veranstaltungsorte geprüft worden, keiner habe sich als so geeignet erwiesen wie die Mainaue, vor allem beim Sicherheitsaspekt. „Der Love Family Park ist kein Kindergeburtstag.“ Für den Veranstalter Cosmopop und Marketingleiter Robin Ebinger gibt es keine Alternative zur Mainwiese. „In ganz Hessen gibt es keinen besseren Standort“, sagte er der FR. Es gebe ausreichend Fluchträume und der Bahnhof liegt in kurzer Entfernung vom Gelände. „80 bis 90 Prozent der Besucher kommen mit dem Zug, auch weil das Ticket im Eintrittspreis enthalten ist.“

Hoffnung auf eine erneute Ausnahmegenehmigung wie in den vergangenen Jahren machte Bieberle dem Ortsbeirat nicht. Staatssekretär Mark Weinmeister CDU) vom Landesumweltministerium spricht in einem Schreiben an die Stadt in Bezug auf ein Gutachten deutliche Worte. Die Untersuchung zeige, zehn Jahre Love Family Park hätten an Flora und Fauna schwere Schäden und eine irreparable Bodenverdichtung verursacht und den „Bodenwasserhaushalt nachteilig verändert“, begründet Weinmeister ein mögliches Nutzungsverbot.

Das Verfahren zur Herauslösung aus dem Landschaftsschutz sei kein einfacher Verwaltungsvorgang, hieß es beim Regierungspräsidium Darmstadt. Alle Beteiligten – auch die Natur- und Umweltschutzverbände – seien zu hören, sagt RP-Sprecher Dieter Ohl.

Für die Änderung wird laut Bieberle das Einverständnis der Besitzer der 72 Privatparzellen, die rund zwei Hektar ausmachen, nicht benötigt. Das gesamte Areal misst knapp sieben Hektar. Fünf Hektar gehören der Stadt. Der Veranstalter muss alle Eigner um Erlaubnis fragen und auf Verlangen eine Miete zahlen.

Martin Bieberle glaubt, die Entscheidung könne in drei Monaten vorliegen. Wenn nicht, falle die Party 2013 aus, ohne Schaden für die Stadt. Die Organisation des Festivals läuft seit Monaten, sagt Ebinger. Er gibt sich optimistisch für den 7. Juli. Am Montag entscheiden die Stadtverordneten über die Magistratsvorlage.

Siehe Kommentar

Mehr zum Thema

Kommentare