Nidderau

Der Verwaltungsprofi

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Rund 16 000 wahlberechtigte Nidderauer sind am Sonntag, 30. November, dazu aufgerufen, einen neuen Bürgermeister zu wählen. Amtsinhaber Gerhard Schultheiß will integrieren und die Bürger mitnehmen.

Nein, nervös sei er nicht. Er räumt nur eine „gewisse Grundspannung“ ein, die er verspüre, je näher die Bürgermeisterwahl rücke. Gerhard Schultheiß, Sozialdemokrat und seit 1997 Bürgermeister von Nidderau, will es nochmal wissen und Bürgermeister bleiben – für eine vierte Wahlperiode. Doch Vorhersagen will er in der Endphase seines Wahlkampfs nicht machen. Eigentlich wollte er das auch vorher nie. Nur dass es „anspruchsvoll“ sei, was er und seine Genossen und Genossinnen bislang an Wahlkampf auf die Beine gestellt hätten. Und dass die Nidderauer SPD dank des Wahlkampfs zu neuer Geschlossenheit und sogar Zuwachs gefunden hätte.

Das sagt der Mann, der sich die Haushaltskonsolidierung, weitere Gewerbeansiedlungen, den Ausbau der Kinderbetreuung, Frauen- und Familienfreundlichkeit, die Förderung von Sport und Kultur auf die Fahne geschrieben hat. Als „Moderator und Multiplikator“ verstehe er sich, der auch als potenzieller künftiger Bürgermeister seine Bürger mitnehmen, sie in Entscheidungsprozesse einbinden möchte, sagt er. Und der sich für ein Zusammenrücken der fünf Nidderauer Stadtteile Windecken, Ostheim, Heldenbergen, Erbstadt und Eichen einsetzt. Denn da gibt es immer noch Eifersüchteleien.

An diesem Nachmittag ist es in Eichen Ex-Landrat und Parteifreund Karl Eyerkaufer, der dem 51-Jährigen für eine weitere Amtsperiode auf die Sprünge helfen möchte. „Erzählcafé“ heißt es im Saalbau Schmid und „Charly“ Eyerkaufer gibt unterhaltsam Anekdoten seines sportlichen, politischen und privaten Lebens zum Besten.

Locker flockig plaudert der alte Genosse. Und das auf für Schultheiß schwierigem Pflaster. Denn gerade im Stadtteil Eichen rumort es. In der Vereinsgemeinschaft, in der Feuerwehr, Gegenwind kommt von der Bürgerinitiative „Ja zum Sprung über die B521“. Doch an diesem Nachmittag sind es vornehmlich Parteigänger, die meisten 50 bis 60 Jahre und älter, die ihm ohnehin ihre Stimme geben werden. Fragen werden nicht gestellt. Dennoch erklärt, erläutert, doziert, analysiert Schultheiß, er wirbt um Verständnis für alles, was eben nicht von heute auf morgen klappt. Der Polit- und Verwaltungsprofi weiß, dass man Wahlbürger nicht mit populistischen Versprechungen, Wolkenkuckucksheimen oder gar Polemiken einfängt. Seriös, kompetent, zurückhaltend, staatstragend kommt er rüber, gibt sich aber auch jovial. Doch sein Amts-Sprech schlägt immer wieder durch. 17 Jahre an der Verwaltungsspitze lassen sich eben nicht verleugnen.

Er redet den gut 25 Eichenern ins Gewissen: Was alles in ihrem Stadtteil passiert sei, bei der Dorferneuerung, dem Dorfplatz, der Kita, der Friedhofserweiterung, dass Eichen nun ein Bürgerhaus bekommt. Und er appelliert an den Zusammenhalt. 1,8 Millionen Euro seien in den vergangenen 15 Jahren nach Eichen geflossen. Eichen werde mit Blick auf seine Entwicklung nicht abgehängt oder vernachlässigt, wie von seinen Gegnern immer wieder kolportiert.

Deutliche Worte gibt es zum von der Bürgerinitiative angestrebten Mischgebiet auf der anderen Seite der Bundesstraße. „Bürgerinitiativen nach dem Munde zu reden hilft uns auch nicht weiter. Das hat man bei der Neuen Mitte gesehen“, sagt Schultheiß. Man müsse Geduld haben. Und der Feuerwehr-Entwicklungsplan tue nun mal weh, der sei auch für die Stadtoberen überraschend gekommen. Doch Schultheiß ist ein Mann der besonnenen Worte und mahnt Geduld und Gelassenheit an. „Das Grundsatzkonzept unserer Stadt steht, auch wenn manches etwas länger dauert.“ Das sagt er ohne Polemik, ohne große Gesten, sachlich und für die Anwesenden nachvollziehbar.

Mehrere Großprojekte wurden nach langem Hoffen und Bangen auf den Weg gebracht, wie die Bebauung der Neuen Mitte und die Umgehungsstraße, deren erste Ideen bis in die 1970er Jahre zurückreichen. Bei der Bebauung der Neuen Mitte mit dem „Nidder-Forum“ verspricht er sich weitere Gewerbesteuereinnahmen, einen zentralen Attraktivitätsgewinn. Aber noch in diesem Jahr hatte es Turbulenzen wegen des Investorenwechsels gegeben, bis am 7. November endlich der erste Spatenstich vollzogen werden konnte.

Und die Politik mache ihm auch nach 17 Amtsjahren immer noch Spaß, sagt er. „Aber dieses Jahr war das bisher anstrengendste in meiner Laufbahn.“ Immerhin hat er es seit dem 5. Juli auf mehr als 20 Wahlkampfauftritte gebracht, auch mit SPD-Chef Sigmar Gabriel und Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel. Und in dieser Woche kommen noch einige dazu.

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