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Hanauer Polizisten kommen auch bei Demonstrationen in anderen Städten zum Einsatz.

Main-Kinzig

Tausende von Überstunden

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Statistik zeigt Belastung der Polizei / Christoph Degen fragt im Landtag nach.

Die Polizisten im westlichen Main-Kinzig-Kreis machen viele Überstunden: Die Beamten der Polizeistation Hanau I, zuständig vor allem für die Innenstadt, hatten Ende Mai 2016 insgesamt rund 12 000 sogenannte Mehrarbeitsstunden auf ihrem Konto. Bei den Kollegen von der Polizeistation Hanau II, die sich unter anderem um Bruchköbel, Erlensee, Langenselbold und Lamboy kümmern, waren es 13 500 Stunden. In der Polizeistation Maintal, die auch für Schöneck und Niederdorfelden verantwortlich ist, wurden 8800 Überstunden gezählt.

Diese Zahlen gehen aus der Antwort des hessischen Innenministeriums auf eine Anfrage des für den Main-Kinzig-Kreis zuständigen Landtagsabgeordneten Christoph Degen (SPD) hervor.

Die Zahl der Krankheitstage (inklusive dauerhafter Erkrankungen) in der Station Hanau I lag 2015 bei 1500 Tagen, drei Jahre zuvor waren es 1770. In Maintal sind die Krankheitstage von 1250 in 2012 auf 780 in 2015 gefallen, in Hanau-Großauheim (zuständig unter anderem auch für Wolfgang und Großkrotzenburg) in demselben Zeitraum von 656 auf 513.

Polizeipräsidium sieht Stationen gut aufgestellt

Die Zahl der „Planstellen des Polizeivollzugsdienstes“ in den genannten Stationen sowie der Polizeiautobahnstation Langenselbold wurde leicht erhöht: von insgesamt 240 im Jahr 2010 über 236 in 2011 auf 245 in diesem Jahr. Bei den Stellen für Verwaltungsbeamte hingegen wurde abgebaut: 2010 waren es in diesen Stationen in der Summe noch 8,4 Stellen, 2017 lediglich 6,7.

„Eklatant“ seien vor allem die Überstunden, sagt Degen und fügt hinzu: „Das zeigt deutlich, dass da etwas nicht stimmt.“ Das Land habe angekündigt, neue Stellen zu schaffen, die SPD fordere dies schon lange, so Degen. Er fordert eine spürbare Aufstockung – die auch im Main-Kinzig-Kreis ankommt.

Wer die Stellenzahl und die Belastung der Polizisten im Main-Kinzig-Kreis beurteile, müsse zum Beispiel berücksichtigen, dass die Einwohnerzahl in Hanau seit Januar 2010 um rund 6600 Menschen in Hanau auf 95 000 gewachsen ist. Und dass Polizisten zusätzliche Aufgaben bekommen hätten, etwa bei der Cyberkriminalität. Degen hat Polizisten während der Nachtschicht begleitet und dabei festgestellt, dass diese oft „am Limit“ arbeiteten.

Markus Hüschenbett, Vorsitzender der Kreisgruppe Main-Kinzig der Gewerkschaft der Polizei (GdP), spricht ähnlich wie Degen von einer mitunter extremen Belastung und steigenden Anforderungen, beispielsweise im Kampf gegen Extremismus oder professionelle Einbrecherbanden. Die vielen Überstunden resultierten vor allem aus zusätzlichen größeren Einsätzen, zum Beispiel Demonstrationen oder Fußballspielen, bei denen die Polizisten aus dem Main-Kinzig-Kreis Kollegen in anderen Städten unterstützen. Die Planstellen seien teilweise nur auf dem Papier besetzt. Wenn jemand zum Beispiel erkrankt sei oder Elternzeit mache, gebe es nicht immer Ersatz.

Das Personal reiche in Hessen hinten und vorne nicht, auch im westlichen und im östlichen Main-Kinzig-Kreis, betont Hüschenbett. Dass das Land versuche, die zuvor abgebauten Stellen nun wieder aufzubauen, sei richtig. Aber es werde dauern, bis die neuen Kräfte nach einer mehrjährigen Ausbildung einsatzbereit sind. Durch die 42-Stunden-Woche, den „aufreibenden Schichtdienst“, Nachteile bei den Bezügen und „zunehmende Gewalt gegen Polizisten“ sei es schwer, gute Nachwuchskräfte zu bekommen.

Zu der Kritik an der personellen Ausstattung teilt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen auf FR-Anfrage mit: „Wir sind gut aufgestellt.“ Für weitere Auskünfte verweist er auf das Innenministerium. Dieses hat konnte am Montagnachmittag noch keine Stellungnahme abgeben, bearbeitet die Anfrage aber.

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