Tabbert-Wohnwagenwerk steht weiter still

Sinntal Wiederaufnahme der Produktion in Mottgers fraglich / Schwierige Situation für Zulieferbetriebe

Von JÖRG ANDERSSON

Knaus-Tabbert wird vorerst nicht wieder in die Serienfertigung von Wohnwagen und Reisemobilen einsteigen. Die für Mitte November geplante Wiederaufnahme der Produktion in Jandelsbrunn und Mottgers werde sich allenfalls auf die "Fertigung von Einzelserien beschränken", teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé gestern mit. Eine großflächige Produktion würde derzeit nur weitere Verluste bringen.

Jaffé hatte am Dienstag im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau eine überaus schwierige Unternehmenslage skizziert. Durch die negative Marktentwicklung, Gewährleistungsprobleme und Stornierungen schreibe Knaus-Tabbert auch in der Insolvenz Millionen-Verluste. Statt des kalkulierten Jahresumsatzes von 330 Millionen Euro operiere man derzeit mit kaum mehr als der Hälfte. Gleichwohl befürworteten die Banken grundsätzlich ein Massedarlehen zur weiteren Stabilisierung des Betriebes. So solle "auch der akut bedrohte Standort in Ungarn vorerst fortgeführt werden".

Als Beispiel für die LiquiditätsSchwierigkeiten nannte Jaffé die französische Tochtergesellschaft, bei der Knaus-Tabbert Außenstände von vier Millionen Euro reklamiere. Die weitere Wohnwagenproduktion sei auch deshalb problematisch, weil die Materialkosten bei 75 Prozent lägen.

Zulieferer wie die ebenfalls insolvente Polsterwerkstatt Steinau produzieren gegen Vorkasse. Nach Angaben von Rechtsanwalt Hans-Ulrich Kloz hatte der Betrieb rund 55 Prozent der Fertigung auf Tabbert ausgerichtet. Nun habe man Aufträge rund um den Bootsbau an Land gezogen. Kloz sieht gleichwohl Schwierigkeiten für andere Lieferanten länger durchzuhalten. Neben den 400 Werksmitarbeitern hängen im Bergwinkel 200 weitere Jobs an Tabbert. Vorwürfe, die sich aus Hessen gegen Jaffé richteten, wies Kloz zurück. Formal gesehen sei dieser bis zur Gläubigerversammlung nur beauftragt, das Vermögen zu sichern. Einzelentscheidungen, wie die von Landrat Erich Pipa (SPD) geforderte Herauslösung des hessischen Werkes, bedürften der Zustimmung aller Beteiligten.

Sanierer Jaffé unterstrich wiederholt, neben der angelaufenen Investorensuche sei auch ein Restrukturierungskonzept nicht vom Tisch, um den Gesamtbetrieb dauerhaft am Markt zu halten. Diese komplexe Aufgabe werden allerdings durch die allgemeine Rezessionserwartung erschwert. In dem ergebnisoffenen Prozess gebe es keine Festlegung für oder gegen einen Standort. Dies auch deshalb, weil die bisherige Geschäftsführung kaum erkennen lasse, mit welchen Produkten Knaus-Tabbert Geld verdiene oder Verluste erwirtschafte.

Den Protest von 300 Tabbert-Mitarbeitern am Dienstag in München wertete Landrat Pipa als Erfolg, Jaffé hingegen als gefährlichen Aktionismus. Laut Pipa erhalten von der IG Metall beauftragte Wirtschaftsprüfer nun Einblick in die Unternehmensbilanzen. Es gebe jetzt Kooperationsbereitschaft. Pipa hatte am Montag einen Tabbert-Händler aus Weiterstadt als möglichen Investor präsentiert.

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