Das marode Schloss in Wächtersbach soll bald wieder in neuem Glanz erstrahlen.
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Das marode Schloss in Wächtersbach soll bald wieder in neuem Glanz erstrahlen.

Wächtersbacher Schloss

Supermarkt-Kette kauft Schloss

Das marode Wächtersbacher Schloss ist gekauft. Von einer Supermarkt-Kette. Die saniert das historische Gebäude, in das einmal die Stadtverwaltung einziehen soll.

Das marode Wächtersbacher Schloss ist gekauft. Von einer Supermarkt-Kette. Die saniert das historische Gebäude, in das einmal die Stadtverwaltung einziehen soll.

Das baufällige Schloss in Wächtersbach soll künftig in neuem Glanz erstrahlen, muss zunächst aber saniert werden. Investor Thomas Bruch von der Handelskette Globus kaufte die Residenz und hat darüber hinaus große Pläne in der Kleinstadt.

Marode ist noch eine moderate Beschreibung für den Zustand des Wächtersbacher Schlosses. Der rund 700 Jahre alte Bau wirkt mittlerweile wie eine Bruchbude: Löcher im Mauerwerk, eingeworfene Scheiben und Farbschmierereien. Die Fassade bröckelt, Leitungen sind abgerissen.

Sanierungsbedürftiges Rathaus

Das ehemalige Residenzschloss der Fürsten zu Ysenburg-Büdingen hat schon bessere Tage gesehen. Wenn Bürgermeister Rainer Krätschmer (SPD) mit seinem Ersten Stadtrat Andreas Weiher das historische Gebäude mit seinen charakteristischen Rundtürmen inspiziert, wirkt er nachdenklich. Doch nicht nur das Schloss macht den Verwaltungschefs Sorgen. Auch das Rathaus ist sanierungsbedürftig. Die Kosten werden grob geschätzt in die Millionen gehen.

Der Mann, der gleich beide Probleme lösen soll, heißt Thomas Bruch, Geschäftsführer der Globus SB-Warenhäuser. Der medienscheue Geschäftsmann hat das Schloss gekauft und soll es für viele Millionen Euro sanieren. Die Stadt Wächtersbach verzichtete dafür vor kurzem auf ihr Vorkaufsrecht. Die bisherigen Eigentümer kümmerten sich wenig um das Objekt.

Wenn das Schloss in neuem Glanz erstrahlt, soll die Stadtverwaltung dort einziehen – so der Plan. Zudem visiert Globus von der Stadt das alte, klotzige Rathaus und das angrenzende Bürgerhaus neben dem bestehenden Warenhaus an, um weiter zu expandieren. Für das Bürgerhaus soll ein Ersatz auf dem Messegelände geschaffen werden. In zwei bis drei Jahren könnte der Deal abgeschlossen und alle Bau- und Sanierungsarbeiten vollzogen sein. „Wenn es klappt, wäre das ein Coup von historischer Dimension für uns“, sagt der Bürgermeister.

Gutes Vorbild

Aushandeln müssen alle Beteiligten noch, wie genau die Rochade vonstattengehen soll. Die Verträge samt aller wichtiger Zahlen seien noch nicht verhandelt. Es gebe aber eindeutige Absichtserklärungen, erklärt Stadtrat Weiher nach jahrelanger Investorensuche. Nach Auffassung des hessischen Landesamtes für Denkmalpflege ist das Wächtersbacher Modell musterhaft. Es sei ein Beispiel für die Leitlinie „gute Konzepte gepaart mit einer wirtschaftlichen Strategie“, erklärt Jan Nikolaus Wiebrock vom Landesamt.

Bis in die 1980er-Jahre wurde das Schloss zuletzt genutzt, der Deutsche Entwicklungsdienst hatte darin einen Sitz. Danach war das Schloss nicht mehr gefragt. „Es wurde dem Verfall preisgegeben“, kritisiert Stadtrat Weiher. Die langjährigen Besitzer wollten sich auf Anfrage zum Schloss und den Gründen für den Zustand nicht äußern. Laut Weiher muss das Schloss komplett saniert werden. Kostenpunkt: mindestens fünf Millionen Euro.

Künftig sollen dann mehr als 30 Mitarbeiter der Stadtverwaltung dort ihren fürstlichen Amtssitz haben. Bürgermeister Krätschmer wird das in Amt und Würden nicht mehr erleben. Für den 68-Jährigen ist im Jahr 2014 Schluss als Rathaus-Chef – aus Altersgründen. (dpa)

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