Skurrile Suche nach dem Tabbert-Retter

Sinntal Insolvenzverwalter attackiert Landrat

Von JÖRG ANDERSSON

Im Zuge der Rettungsbemühungen um den Wohnwagenherstellter Knaus-Tabbert sind gestern 300 Beschäftigte aus dem Werk in Mottgers mit Kreispolitikern und Gewerkschaftern nach München gefahren. Dort konfrontierten sie den vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Jaffé mit ihren Befürchtungen, dem hessischen Produktionsstandort drohe zu Gunsten des Stammsitzes in Jandelsbrunn das Aus.

Jaffé warf derweil gestern Landrat Erich Pipa (SPD) vor, mit "skurrilen" Bemühungen um eine "hessische Lösung", die Investorensuche und ein paralleles Restrukturierungskonzept zu gefährden. Mit seinem Aktionismus "irritiere Pipa die Banken massiv". Wie Jaffé der Frankfurter Rundschau sagte, schreibt der Wohnwagenherstellter weiterhin Millionenverluste, obgleich die Löhne bis Dezember in Form von Insolvenzausfallgeld vom Arbeitsamt bezahlt werden.

Selbst bei von Kunden bereits angezahlte Wohnwagen sei die Situation schwierig. Beispiel Frankreich, einem Hauptabsatzmarkt für Knaus-Tabbert: Dort sei eine Tochtergesellschaft in Funktion des Generallieferanten nicht mehr in der Lage, Wagen zu bezahlen. Da Dreiviertel der Produktionskosten auf Materialien entfielen, sei noch nicht einmal klar, ob weitere Modelle gefertigt würden. Nach Angaben aus München arbeiten derzeit 40 Fachleute an einem Investorenausleseprozess. Aktuell gebe es 60 Nachfragen. Nächste Woche soll laut Jaffé ein Gläubigerausschuss gebildet werden.

Die Unruhe in Mottgers hatten zuletzt Aussagen und Hinweise geschürt, die Tabbert Produktion solle nach Jandelsbrunn verlegt werden. Nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Robert Stoß hat Jaffé dem am Dienstag mit Hinweis auf die hochwertigen Tabbert-Markenprodukte widersprochen und wörtlich erklärt: "Ich weiß, dass in Mottgers die Geigenbauer sitzen."

Demgegenüber hatte Pipa geäußert, der Münchner Rechtsanwalt habe "nicht viel übrig für den hessischen Standort". Der Landrat hatte Jaffé wiederholt vorgeworfen, auf Rettungsangebote nicht zu reagieren. So hatte sich am Montag im Gelnhäuser Landratsamt der Tabbert-Händler Manfred Müller aus Weiterstadt als möglicher Investor ins Spiel gebracht. Pipa beschwerte sich öffentlich, der Interessent habe trotz mehrfacher Bemühungen keine Unterlagen erhalten.

Jaffé widerspricht dieser Darstellung. Er haben den Familienunternehmer kontaktiert.

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