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Die Brüder-Grimm-Stadt bekommt das Siegel.

Hanau Kinder

Siegel verpflichtet

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Als erste deutsche Stadt wird Hanau als „Kinderfreundliche Kommune“ ausgezeichnet. Mit dem Siegel sollen Städte und Gemeinden für den Einsatz für Kinderrechte zertifiziert werden.

„Ich hab das Recht zur Schule zu geh’n, will gut gelaunt in die Zukunft seh’n“, rappen Emre und Osman, Viertklässler der Gebeschusschule. Der Sprechgesang von Galip und Vishwas lautet: „Ich habe das Recht ganz viel zu fragen, und kann auch meine Meinung sagen. Gewalt an Kindern ist tabu, das Recht auf Schutz, das trifft hier zu.“

Aktionsplan wird 2015 umgesetzt

So haben Hanauer Kinder am Mittwoch ihre Rechte eingefordert, die in der Konvention der UN verankert sind – zum Beispiel das Recht auf Geborgenheit, Bildung und gleiche Chancen. Der Anlass: Hanau hat als erste deutsche Stadt das Siegel Kinderfreundliche Kommune erhalten. Es wird vom Verein Kinderfreundliche Kommunen verliehen, der von Unicef und dem Kinderhilfswerk getragen wird. Mit dem Siegel sollen Städte und Gemeinden für den Einsatz für Kinderrechte zertifiziert werden.

Nach einer zweijährigen Vorbereitung ist Hanau nun verpflichtet, in den kommenden vier Jahren einen Aktionsplan in die Tat umzusetzen. Hanau hatte sich 2012 – neben Köln, Regensburg, Senftenberg, Weil am Rhein und Wolfsburg – für das Zertifikat beworben.

„Hanau ist auf dem richtigen Weg“, sagt Anne Lütkes, Vorsitzende des Vereins, fügt aber gleich hinzu: „Das Siegel wird nicht dafür verliehen, dass Hanau schon Modellstadt für Kinderrechte ist, sondern dafür, dass Hanau sich auf den Weg dorthin gemacht hat.“ Vor der Verleihung des Siegels habe sie zu Vertretern der Stadt gesagt: „Sie werden uns nicht mehr los.“

Der Verein würde beobachten, was sich in Hanau tut. Daraufhin hätten die Hanauer gesagt: „Wir wollen Sie gar nicht loswerden.“ Es komme darauf an, dass Rechte nicht nur auf dem Papier stehen, sondern dass Politiker sie bei ihren Entscheidungen immer im Kopf haben, so Lütkes. OB Claus Kaminsky (SPD) stimmte Lütkes zu und sagte, dass die Stadt das Siegel als Verpflichtung verstehe. Der Aktionsplan solle trotz des Sparkurses – die Stadt wird alle freiwilligen Leistungen um 20 Prozent kürzen – verwirklicht werden.

Die Stadt Hanau hat das Siegel bekommen, weil hier schon einige Einrichtungen und Initiativen für das Wohl von Kindern wirken: die Frühen Hilfen für junge Familien zum Beispiel, Familienhebammen, die Busschule für junge Fahrgäste, die Stadtteilmütter oder die „Leon-Hilfeinseln“, die Kindern Zuflucht in Notsituationen bieten sollen. Zudem wurden Kinder und Jugendliche in der Vorbereitung für die Kinderfreundliche Kommune einbezogen und nach ihren Wünschen gefragt. Die wesentlichen Antworten: mehr Spielplätze, mehr Freizeitangebote, mehr Mitbestimmung.

Dass Hanau noch viel tun muss, um das Zertifikat zu bestätigen, zeigt die Auswertung, auf der der Aktionsplan aufbaut: So erreichte Hanau in der Sparte „Kinderfreundliche Rahmengebung“ lediglich 152 von 323 Punkten. Mit dem Kinder- und Jugendbüro und der Stabsstelle Prävention gibt es zwei Einrichtungen, die sich für die Interessen von Kindern und Jugendlichen einsetzen. Doch das Büro wird von zu wenigen als zentrale Anlaufstelle wahrgenommen, deshalb soll sein Konzept überarbeitet werden.

Bei Mitbestimmung noch viel zu tun

Noch weniger Punkte hat Hanau im Bereich „Partizipation von Kindern und Jugendlichen“ erreicht: nur 39 von 119 möglichen Zählern (33 Prozent). Obwohl es in Hanau das Jugendplenum gibt, in dem Heranwachsende Themen auf die politische Agenda setzen können, und Kinder zum Teil auch bei der Gestaltung von Spielplätzen mitreden können – in Hanau fehlt es an Möglichkeiten mitzubestimmen.

Der Aktionsplan ist breit: So sollen Grundschüler an ihrer Schule mehr Mitspracherecht bekommen, das Jugendplenum soll gestärkt werden. Die Brüder-Grimm-Schule und die Gebeschusschule, Modellschulen für Kinderrechte, sollen ihre Erfahrungen an andere Schulen weitergeben. Bei der Gestaltung der Stadtteile sollen junge Hanauer häufiger befragt werden. Und die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sollen sich in Sachen Kinderrechte weiterbilden.

Die Kinder hoffen, dass der Aktionsplan greift: „Wenn ich als Kind Hanau nicht schön finde, würde ich wegziehen, wenn ich später mal eigene Kinder habe“, sagt Amelie. Nahor meint: „Ohne uns wäre die Stadt dann ziemlich leer, deshalb sollten die Erwachsenen uns fragen und nicht nur machen, was sie wollen.“

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