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Um den Schlosspark zu schützen, gibt es hier nur in Ausnahmefällen Veranstaltungen.

Hanau

Schlosspark als Kulturkulisse

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Ein Konzert mit Joan Baez ist die erste große Veranstaltung im Schlosspark seit 2008, damals spielte und sang Chris de Burgh. Weitere Ausnahmen seien möglich.

Es war ein denkwürdiges Konzert: Etwa 3500 Menschen pilgerten am Dienstagabend in den Park von Schloss Philippsruhe, um Folk-Ikone und Woodstock-Heldin Joan Baez zu erleben und ihre Songs mit Botschaften für Freiheit und Menschenrechte zu hören. Viele waren sowohl von der Sängerin als auch von der Kulisse begeistert.

Der Auftritt von Baez war auch wegen des Ortes bemerkenswert. Die Bühne war direkt vor dem Schloss aufgebaut worden, der Park war bestuhlt. Es war die erste große Veranstaltung im Schlosspark seit 2008, damals spielte und sang Chris de Burgh. Ein Jahr zuvor war der chinesische Pianist Lang Lang zu Gast. Das Bürgerfest darf schon länger nur noch auf den Mainwiesen am Schloss stattfinden, um den Park zu schützen.

Für Veranstaltungen wie das Konzert von Baez könnte die Stadt Hanau jedoch weitere Ausnahmen zulassen. Das werde im Einzelfall wieder geprüft, auch „mit Blick auf den enormen Imagegewinn für die Stadt“, teilt Magistratspressesprecherin Güzin Langner auf FR-Anfrage mit. „Die Besucherinnen und Besucher kamen aus der gesamten Rhein-Main-Region. Manche waren zum ersten Mal in Hanau beziehungsweise haben zum ersten Mal das Schlossareal kennengelernt“, sagt Langner.

Der Park sei nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, der Veranstalter – Shooter Promotions – habe sich an alle Vorgaben gehalten. Zum Beispiel wurde die Wiese nicht befahren, gab es ausgewiesene Sitzplätze. Ein solches Konzert habe „eine andere Qualität als ein Bürgerfest über drei Tage mit zehntausenden von Besuchern, Festzelten und Gastronomie“. Das lasse sich überhaupt nicht vergleichen. Für die Parknutzung habe Shooter Promotions der Stadt 2500 Euro bezahlt, für die Nutzung des Blauen Saals und des Ratspokalsaals 1000 Euro. Zudem habe der Veranstalter 4000 Euro an die Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst Hanau/Main-Kinzig-Kreis gespendet.

Im Park könnten zuverlässige Veranstalter in Ausnahmefällen künftig also zum Zuge kommen. OB Claus Kaminsky (SPD) habe jedoch entschieden, dass am Mainufer unterhalb des Schlosses private Großveranstaltungen wie das Sommerfest von Telefonica Deutschland nicht mehr stattfinden werden, trotz nach Ansicht der Stadt „hoch professioneller Abwicklung durch den Veranstalter“. Mit der Feier habe die Stadt – unter Abwägung von Aspekten wie Standortmarketing und Einnahmen versus Naturschutz und Beeinträchtigungen – testen wollen, ob sich das Mainufer für solche Veranstaltungen eigne. Die erzielten Einnahmen beziffert die Stadt auf „insgesamt 50 000 Euro“.

4000 Mitarbeiter des Telekommunikationskonzerns hatten kürzlich auf den Wiesen, einem Landschaftsschutzgebiet, gefeiert sowie in der Orangerie und im Amphitheater. Auf den Wiesen wurde ein riesiges Zelt aufgestellt. Dort darf sonst nur das Bürgerfest veranstaltet werden, einmal im Jahr.

Die Umstände der Firmenfeier haben bei vielen Bürgern Empörung ausgelöst. Eine Vorstellung bei den Brüder-Grimm-Festspielen musste ausfallen. Vor allem Anwohner klagten über gesperrte Straßen, Fuß- und Radwege, Lärm – und darüber, dass die Wiesen stark in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Die Stadt weist darauf hin, dass die Untere Naturschutzbehörde präzise Auflagen gemacht und regelmäßig kontrolliert habe. So wurden zum Beispiel Schutzmatten verlegt, um die Störung der Auenböden zu mindern. Dadurch wurde die Vegetation der Wiese geschädigt, was aber „erwartet“ worden sei. Das Gras habe zum Teil „sehr gelitten“, der Veranstalter werde sich jedoch um die Regeneration kümmern und unter anderem neu säen lassen. Nach Einschätzung von Fachleuten sollte sich die Fläche „rasch wieder in einem ansehnlichen Zustand befinden“.

Die Folgen der Feier sind nach wie vor Thema in Kesselstadt, deshalb soll Stadtrat Andreas Kowol (Grüne) im nächsten Ortsbeirat ausführlich berichten.

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