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Derzeit nutzen 350 Schülerinnen und Schüler die Angebote der Steinheimer Adolf-Schwab-Musikschule.

Hanau

Ringen um Musikschule

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Schüler und Eltern wollen mit eigenem Verein Adolf-Schwab-Schule weiterführen

Entsetzt“ sei sie über das Verhalten der Stadt Hanau, genauso wie fast alle ihre Kollegen und die Eltern der Schüler, sagt eine Dozentin der Adolf-Schwab-Musikschule. „Die Stadt hat nicht mit uns gesprochen, sonders uns einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Die Absicht der Stadt, die Schule an das „Haus der Musik“ abzugeben, sieht die Lehrerin kritisch.

Wenn Eltern einen Trägerverein gründen würden, um die Steinheimer Musikschule selbst weiterzuführen, würde sie das unterstützen. „Uns wäre es am liebsten, wenn wir weitermachen könnten wie bisher, in den gleichen Räumen.“

Kritik an Absichtserklärung

Im März hatte OB Claus Kaminsky (SPD) bekanntgegeben, dass die Stadt die Musikschule nicht mehr finanzieren könne, weil sie die Vorgaben zum Kommunalen Rettungsschirm erfüllen und bis 2017 schuldenfrei sein müsse. 2013 betrugen die Gebühreneinnahmen der Adolf-Schwab-Schule laut Kaminsky etwa 163 000 Euro, die Kosten 213 000 Euro. An der Schule werden 350 Schüler von 20 Honorarkräften mit befristeten Verträgen unterrichtet.

Am Montag entscheiden die Parlamentarier, ob die Stadt Satzung und Gebührenordnung der Schule aufhebt und damit die Verantwortung abgibt. Mit dem ebenfalls in Steinheim ansässigen Haus der Musik hat die Stadt bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet. Der Verein soll die Adolf-Schwab-Schule übernehmen und ohne Zuschüsse betreiben. Kaminsky bezeichnet das Konzept von Haus-der-Musik-Leiter Michael Schnadt als „überzeugend und tragfähig“.

Der überwiegende Teil der Lehrer ist gegen ein Engagement des Hauses der Musik, bei einem Treffen mit Schnadt soll die Stimmung distanziert gewesen sein. Die Dozenten befürchten schlechtere Arbeitsbedingungen und sind irritiert über einige Aussagen von Schnadt. In der FR hatte er gesagt, dass er die Schule wirtschaftlich effizienter aufstellen wolle, und dass es nicht sinnvoll sei, wenn ein Professor einen durchschnittlichen Anfänger unterrichte.

„Wir finden, dass jeder einen sehr guten Lehrer bekommen sollte“, sagt die Dozentin. Schnadt, einst selbst Lehrer an der Adolf-Schwab-Musikschule hatte jedoch auch betont, keinesfalls an der Ausbildungsqualität rütteln zu wollen.

Auch bei den Eltern gibt es kritische Stimmen: „Wir haben keinen Draht zum Haus der Musik. Einige Lehrer wollen dort nicht arbeiten, aber wir wollen sie unbedingt behalten“, sagt Joachim Erdweg. „Die Beziehungen zwischen den Lehrern und Schülern sind jahrelang gewachsen.“ Erdweg will die Gründung eines eigenen Trägervereins vorantreiben, um die Adolf-Schwab-Musikschule in ihrer jetzigen Form zu retten. In den kommenden Wochen wollen Erdweg und seine Mitstreiter ein Konzept entwickeln und es dann der Stadt vorlegen.

Einige Eltern hätten sich ihm schon angeschlossen, so Erdweg, um die Unterstützung der anderen wirbt er mit einem offenen Brief. „Wir können nicht akzeptieren, dass von heute auf morgen Schluss sein soll“, heißt es darin.

„Ich weiß, es ist schwierig, einen Trägerverein zu gründen und am Laufen zu halten“, sagt Erdweg. „Aber wir haben eigentlich alles, was man für eine Musikschule braucht: sehr gute Lehrer und Schüler.“ Die Räume im städtischen Gebäude würde der Trägerverein mieten. „Ich wäre auch bereit, etwas höhere Gebühren zu zahlen. Hauptsache, es kann wie bisher weitergehen.“

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