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Malen, nähen, singen – bei vielen Freizeitaktivitäten ist eine gemeinsame Sprache nicht unbedingt notwendig.

Maintal

Regelmäßig Begegnung schaffen

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Die Stadt Maintal ist auf der Suche nach Wegen zur Integration von Flüchtlingen und Zuwanderern.

Sprache ist der Schlüssel zur Integration – dieser Satz ist in den vergangenen Monaten besonders oft gefallen, wenn es um die Betreuung von Flüchtlingen ging. Deshalb war dies auch der erste Punkt, mit dem sich der Maintaler Ausschusses Asyl und Integration in seiner Sitzung am Montagabend im Stadtteilzentrum Bischofsheim beschäftigte. Die Mitglieder waren zusammengekommen, um an ihrer Ideensammlung zur besseren Integration von Flüchtlingen in die Stadtgesellschaft zu arbeiten.

Schnell wurde dabei klar, dass Begegnungen auf Dauer nur funktionieren, wenn sich die Menschen, die sich begegnen sollen, alle in der selben Sprache kommunizieren können. Doch auch knapp ein Jahr, nachdem eine große Zahl an Flüchtlingen nach Deutschland und in den Main-Kinzig-Kreis gekommen ist, mangelt nach wie vor an Sprachkursen, momentan warten laut dem Ersten Stadtrat Ralf Sachtleber (parteilos) zwischen 200 und 250 Geflüchtete in Maintal auf einen Sprachkurs. Auch die ehrenamtlichen Helfer, die schnell und unbürokratisch denen, die noch auf den Bescheid ihres Asylantrages warten, Deutschunterricht geben, könnten nicht mehr weiterhelfen. „Wir haben die Grenzen dessen, was wir als Ehrenamtliche leisten können, mehr als erreicht“, berichtet Christine Mayer-Simon vom Arbeitskreis Asyl.

In Gesprächen mit der Leiterin des Stadtteilzentrums Bischofsheim, Christiane Betz, und weiteren Aktiven wurde dem Ausschuss zudem vermittelt, dass die Sprachkurse alleine nicht reichten, um das Deutschlernen zu fördern. Orte der Begegnung zu schaffen, sei wichtig für den Spracherwerb und die Integration betont Betz, die seit Jahren Stadtteilarbeit leistet. Sommerfeste seien dafür eine gute Möglichkeit.

Feste könnten jedoch nur die Tür öffnen, danach müsse mehr kommen, findet Ausschussmitglied Sebastian Maier (SPD). Diese schönen, aber einmaligen Möglichkeiten, aufeinanderzutreffen, dürften nicht die einzigen bleiben. „Was wir brauchen, ist Kontinuität“, sagt Maier. Einen regelmäßigen Anlass zum Zusammentreffen von Maintalern und Geflüchteten könnten dabei Vereine bieten – auch diese Forderung sei freilich nichts Neues, wie Maier betont. Und er sieht in diesem Punkt ein neues Problem: Viele Vereine hätten bereits sehr verdienstvoll Angebote geschaffen, um den neuen Mitbürgern ihr Angebot vorzustellen. Doch um dauerhaft eine angemessene Betreuung der neuen Mitglieder stemmen zu können, fehle es den Vereinen an personellen Ressourcen und an Nachwuchs, wie er aus eigener Erfahrung als Vereinsfunktionär wisse.

Vernetzung mit Politik könnte noch besser sein

„Wie soll man eine langfristige Einbindung von Flüchtlingen in den Verein ermöglichen, wenn das Personal gerade so für die Basisarbeit reicht?“, fragt der Sozialdemokrat. Er werde diese Bedenken bei den Maintaler Vereinsgesprächen einbringen, verspricht Sachtleber (parteilos) in der Sitzung.
Das es beim Thema Kommunikation selbst dann hapert, wenn alle die selbe Sprache sprechen, wurde deutlich, als der Ausschussvorsitzende Karl-Heinz Kaiser (SPD) Betz und ihre Kollegen fragte, was sie sich von Seiten der Kommunalpolitik an Unterstützung wünschten.

„Der Kontakt zur Politik ist gut, könnte aber besser sein“, schätzt Betz. Sie würde sich eine bessere Vernetzung mit den einzelnen Aktiven der Parteien wünschen und dass sich der Ausländerbeirat stärker einbringt. Kaiser sieht zunächst die Gründung eines eigenen Ausschusses für Asyl und Integration als wichtigen Schritt der Politik, räumt aber ein, dass die Vernetzung der in diesem Gebiet tätigen Akteure noch besser sein könne. Außerdem müsse stärker darauf geachtet werden, die Geflüchteten einzubeziehen, die bereits in privaten Unterkünften untergebracht sind. Es sei oft schwerer, die Familien für eine dauerhafte Teilnahme an Aktionen zu motivieren, auch weil sie teilweise nicht gut an den Nahverkehr angebunden seien oder sich die Fahrkarten nicht leisten können.

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