Die Teilnahme an sozialen Netzwerken ist kostenlos, kostet Politiker aber mitunter Nerven.
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Die Teilnahme an sozialen Netzwerken ist kostenlos, kostet Politiker aber mitunter Nerven.

Main-Kinzig-Kreis 2.0

Pipa und das Phantom

Die Sozialdemokraten im Main-Kinzig-Kreis verheddern sich immer mehr im Web 2.0. Nach dem Ärger um eine Facebook-Diskussionsgruppe hat es nun auch Landrat Erich Pipa erwischt.

Von Alexander Polaschek

Auf das Internet ist manch führender Sozialdemokrat im Kreis momentan nicht gut zu sprechen. Nach der Bauchlandung mit Ausfälligkeiten in der SPD-Facebook-Diskussionsgruppe hat sich nun auch noch Landrat Erich Pipa (SPD) vom Web 2.0 öffentlich aufs Glatteis führen lassen. In der jüngsten Kreistagssitzung zitierte er Aussagen des Vize-Fraktionschefs der Grünen, Daniel Mack, im Kurznachrichtendienst Twitter. Allein, die Zitate stammten nicht von diesem.

Ein unbekannter Spaßvogel hatte bei Twitter ein Mack-Profil inklusive Passbild gefälscht und dabei einen wunden Punkt getroffen. „Hab nur einen Wunsch zu Weihnachten: Schwarz-Grün nach der Kommunalwahl und Pipa soll nicht mehr Landrat sein“, schrieb der falsche Mack an den Weihnachtsmann. Eine solche Aussage kann Genossen mit Blick auf die Wahl im kommenden Jahr durchaus ins Schwitzen bringen. Angesichts guter Umfragewerte der Grünen scheint die schwarz-grüne Mehrheitsbildung nicht undenkbar. Tatsächlich spielt die Frage, wohin die Grünen tendieren würden, auch längst eine Rolle in den echten Online-Diskussionen zwischen dem SPD-Kreistagsfraktionschef Rainer Krätschmer und Mack sowie dem Grünen Matthias Zach, Bürgermeister von Niederdorfelden. Auf Krätschmers Nachfragen über Twitter stellte Zach dort klar: „Grün-Schwarz ist genauso eine Option wie Grün-Rot.“

„Ich habe das gefälschte Profil inzwischen löschen lassen“, sagt Mack, den das Ganze belustigt. Der 24-jährige Bad Orber Jurastudent gewinnt der Camouflage, mit der man im Internet eben immer rechnen müsse, eine positive Seite ab: „Wenn man so etwas macht, muss es ja wohl ein Interesse an meiner Person geben.“

„Wir sind gestolpert“

Das gilt allerdings nicht mehr für die Facebook-Gruppe der SPD Main-Kinzig. Dort war der Grüne als Gesprächspartner nicht mehr erwünscht, nachdem die Ausfälligkeiten gegen ihn der Gruppe eine ungewollte negative Publizität verschafft hatten. Weil er ein „Troll“, ein Provokateur, sei, sollte der „rotzgrüne Bengel“ mit „Rattengift XXL“ gefüttert werden. Mack machte daraus über die gut 2700 Empfänger seiner Botschaften eine Twitter-Kaskade mit einem Mehrfachen an Lesern.

Die SPD reagierte äußerst verschnupft und warf den Grünen aus der „offenen Gruppe“. Es gelte, weiteres Provozieren zu verhindern und Mack vor Attacken zu schützen, sagte SPD-Geschäftsführer Oliver Habekost der Frankfurter Rundschau. „Wir haben erste zaghafte Versuche in diesem Medium unternommen, sind aber halt gestolpert.“

Inzwischen ist die ganze Facebook-Gruppe von der Bildfläche verschwunden. Zudem hat der SPD-Kreisvorsitzende Andre Kavai offenbar sein virtuelles Netzwerk bei Facebook revidiert, wie Mack am Dienstag entdeckte: „Er hat mich entfreundet.“

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