+
Benedikt Polzer will am 5. Juli auf den OB-Stuhl.

Hanau

"Die Partei" stellt Kandidaten

  • schließen

Benedikt Polzer will zur OB-Wahl antreten. Auch wenn „Die Partei“ über die zehn Jahre ihres Bestehens fleißig am Image einer Spaßpartei arbeitet. Polzer meint es ernst.

Korrekt gekleidet mit Anzug, Krawatte und zurückgegeeltem Haar, so wie man den großen Vorsitzenden der Partei, Martin Sonneborn, kennt. So will Benedikt Polzer am 5. Juli 2015 Hanau erobern. „Ich trete zur Wahl an, um zu gewinnen“, sagt Polzer im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Der Brustton der Überzeugung erklingt bei diesen Worten noch nicht so richtig, aber als bloße Laune sieht Polzer seine Kandidatur nicht – auch wenn „Die Partei“ über die zehn Jahre ihres Bestehens fleißig am Image einer Spaßpartei arbeitet. Polzer meint es ernst. Er passe als Oberbürgermeister: „Lokalpolitik in Hanau war schon immer speziell.“

Vor gut zwei Wochen ist der 32-Jährige beim „KreisPARTEItag“ nominiert worden. Es habe mehrere Bewerber gegeben, sagt er. Das Votum der sechs Stimmberechtigten sei dann auf ihn gefallen. Auf viel mehr Personal wird er auch im Wahlkampf nicht zurückgreifen können, erzählt Polzer. „Wir sind noch eine kleine Partei“, sagt er entschuldigend. Jedoch sei man auf dem Weg zur Volkspartei.

Hanau als weltoffene Stadt erlebt

Ob Sonneborn, der einstige Chefredakteur des Satiremagazins Titanic, ihn im Wahlkampf begleiten wird, lässt Polzer offen. Sonneborn stand er bereits persönlich gegenüber, als er aus dessen Hand den DDR-Orden „Held der Arbeit“ für den Aufbau der Partei im Main-Kinzig-Kreis verliehen bekam. Benedikt Polzer ist nämlich auch Kreisvorsitzender.

Natürlich will er auch Lokalprominenz für seine Wahltour einspannen. „Altoberbürgermeisterin Margret Härtel soll in mein Wahlteam“, sagt er. Mit diesem Wunsch könnte ihm der Coup gelingen, Härtel als Wahlkkampflokomotive der CDU auszuspannen. Die Union ziert sich derzeit noch in Sachen Kaminsky-Herausforderer. Der Wähler wird sich noch bis zum CDU-Parteitag am 14. November gedulden müssen, wenn nicht zuvor ein Vögelchen einen Namen zwitschert.

Gleichwohl Polzer in Alzenau zur Welt kam, in Kahl aufwuchs, in Großkrotzenburg das Abitur machte und nun mit seiner Verlobten in Hammersbach lebt, sieht er sich als „Hanauer Bub‘“. Das Herz hängt nicht wegen eines Fußballclubs an der Stadt, sondern auch wegen seiner Jahre, die er in Hanau wohnte.

„Das war für mich eine Flucht aus der unterfränkischen Provinz in eine weltoffene Stadt“, sagt er und strahlt dabei. Auch wenn er in Hanau das eine oder andere Mal ein „Knöllchen“ wegen Falschparken erhalten habe, weil er als Anwohner ja irgendwie sein Auto im Straßenraum habe unterbringen müssen.

Dienstfahrrad statt Dienstauto und Chauffeur

Das Wahlprogramm ist noch etwas dürr, daraus macht der Heilerziehungspfleger in einem Behindertenwohnheim keinen Hehl. An Bauvorhaben will er Amtsinhaber Claus Kaminsky (SPD) mit weiteren Einkaufscenter im Schlosspark Philippsruhe und im Kurpark Wilhelmsbad übertreffen. Zu letztgenanntem Ort fehlt Polzer offenbar die Kenntnis, der Kurpark ist Besitz des Landes.

Aber das Wahlprogramm ist ja noch nicht gedruckt, sondern steht nur als handschriftliche Notiz auf einem grauen Blatt. Zum Thema Schulden steht für Polzer fest: „Es wird mit mir nicht schlimmer.“ Gespart werden müsse aber. Auf einen Dienstwagen mit Chauffeur könnte er verzichten, „wenn ein ordentliches Dienstfahrrad für die Termine in der Stadt bereit steht“.

Sein Charisma und seine Fachkompetenz werden mit der Aufgabe auf das Niveau Kaminskys wachsen, ist sich der leicht defensiv wirkende Bewerber sicher. Er habe sich vor drei Jahren auch nicht vorstellen können, heute Kreischef der Partei zu sein. Im vergangenen Jahr kandidierte Polzer für den Bundestag – 0,8 Prozent der Stimmen erhielt er.

In den nächsten Wochen wird sich für Polzer schon ausreichend Gelegenheit bieten, an den Aufgaben zu wachsen. Er benötigt nämlich noch 118 Unterstützerunterschriften, um überhaupt zur Wahl zugelassen zu werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare