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Die Tat brennt sich ein und lässt sich nicht einfach abwaschen: Szene aus dem Videoclip.

Vergewaltigung

Opfern mehr Zeit verschaffen

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Wer vergewaltigt worden ist, sollte sich schnell behandeln und Beweise sichern lassen. Ein neues Projekt in Hanau und im Main-Kinzig-Kreis will Frauen dabei helfen.

"Eine Vergewaltigung lässt sich nicht abwaschen. Sie ist ein medizinischer Notfall. Lassen Sie sich behandeln.“ Die Botschaft des kurzen Videos geht unter die Haut. Es zeigt eine junge Frau unter der Dusche, die sich Blut abduscht. Auf ihrem Körper erscheinen Worte, wie mit dem Messer gewaltsam eingeritzt: „Sei still“, „Dreckstück“ und „Selbst schuld“ ist auf ihren Armen, ihrem Hals, ihrem Rücken zu lesen.

Dass immer noch 26 Prozent der Frauen in Deutschland im Laufe ihres Lebens Opfer einer Vergewaltigung oder einer anderen Form der sexualisierten Gewalt werden, ist die eine Seite einer schrecklichen Tatsache. Die andere ist, dass sich viele, zu viele Opfer nicht oder nicht früh genug an die Polizei, Krankenhäuser oder Beratungsstellen wenden. „Viele Opfer suchen sich aus Scham keine Hilfe“, sagt Oberbürgermeisters Claus Kaminsky (SPD) bei der Vorstellung einer neuen Kooperation am Freitag. Ein Zusammenschluss der Stadt Hanau, der Kreisverwaltung des Main-Kinzig-Kreises, des Klinikums Hanau, der Kreisklinik und verschiedenen Beratungsstellen für die Opfer sexueller Gewalt soll nun eine bestehende Lücke in der Versorgung schließen: Es soll darauf hingewiesen werden, dass eine Vergewaltigung schnellstens medizinisch behandelt werden muss und vor allem, dass Beweise der Tat für eine Strafanzeige gesichert werden müssen.

„Leider gehen die Opfer von sexueller Gewalt in den seltensten Fällen direkt nach der Tat oder wenigstens am nächsten Tag ins Krankenhaus oder zur Polizei“, sagt Elke Schulmeyer, Chefärztin der Gynäkologie an den Main-Kinzig-Kliniken. Natürlich sei es verständlich, so Schulmeyer weiter, wenn sich die Frau als erstes die Spuren der Tat „abwaschen“ wolle.

Opfer gewinnt Zeit

Doch die Sicherung von Beweismitteln, die auch vor Gericht Stand halten, wie Sperma, Haare oder Hautpartikel, kann eigentlich nur direkt nach der Tat geschehen. Die Proben, die die Ärzte der am Projekt teilnehmenden Kliniken nehmen, werden an die Gerichtsmedizin Frankfurt geschickt. Dort werden sie fachgerecht aufbewahrt und können bis zu einem Jahr nach der Tat noch vor Gericht verwendet werden. „Somit hat das Opfer Zeit, sich in Ruhe zu überlegen, ob es Anzeige erstatten will“, so Schulmeyer weiter.

Das Projekt geht auf eine Initiative des Frauennotrufs in Frankfurt zurück, der auch das Video in Auftrag gegeben hat. In Kooperation mit den Frankfurter Stellen sei auch das Netzwerk in Hanau und dem Kreis aufgebaut worden, sagt Andrea Pillmann. Sie ist die Leiterin der Stabsstelle Prävention bei der Stadt Hanau und hat Projekt mitkoordiniert.

Plakate mit vier unterschiedlichen Motiven, die ihm Rahmen des Projekts entstanden sind, sollen darauf aufmerksam machen, dass eine Vergewaltigung kein Grund für Scham und Selbstvorwürfe ist, sondern ein medizinischer Notfall, den es zu behandeln gilt – und zwar so schnell wie möglich.

Die Poster sollen in den kommenden Wochen auch in den Bussen der Hanauer Straßenbahn (HSB) und der Kreisverkehrsgesellschaft zu sehen sein. Infomaterial kann bei Beratungsstellen abgeholt werden. Die Initiatoren wollen in den nächsten Tagen Broschüren an Schulen, Gynäkologen und andere öffentliche Einrichtungen versenden. In welchem Rahmen der Videoclip gezeigt werden wird, sei noch unklar so Pillmann. „Schließlich ist das Thema nichts, was man einfach so in die Kinowerbung einbauen kann.“

Den Videoclip kann man auf der Seite www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de über die Frankfurter Seite angesehen. Dort gibt es auch weitere Informationen zur Soforthilfe und Kontakt zu Ansprechpartnern.

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