Die kinder und jugendmedizinische Versorgung in Gelnhausen gilt als hervorragend.
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Die kinder und jugendmedizinische Versorgung in Gelnhausen gilt als hervorragend.

Notfälle im Main-Kinzig-Kreis

Notfallversorgung vor Ort gefordert

  • Jochen Dietz
    vonJochen Dietz
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Der Kreistag hält es für inakzeptabel, dass Eltern aus dem Kreis bei Notfällen außerhalb der Sprechzeiten niedergelassener Kinderärzte mit ihren Kindern nach Offenbach fahren müssen. Es wird eine Notfallversorgung vor Ort gefordert.

Die Kreisspitze soll der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen Druck machen, damit sie Pläne, zum 1. Juli den kinder- und jugendärztlichen Bereitschaftsdienst nachts und am Wochenende in Offenbach zu zentralisieren, zurücknimmt. Das beschloss der neue Kreistag am Freitag einstimmig. Denn er hatte es gleich zu Beginn seiner konstituierenden Sitzung mit einem Dringlichkeitsantrag von Landrat Erich Pipa (SPD) zu tun.

Die Pläne der KV sehen acht flächendeckende pädiatrische Bereitschaftsdienstbezirke mit zehn Standorten in Hessen vor. Doch weder die Kinder- und Jugendmedizin der Main-Kinzig-Kliniken Gelnhausen, noch ein anderer Standort im Kreis seien dabei berücksichtigt worden. Das, obwohl der Main-Kinzig-Kreis mit 407 000 Menschen der einwohnerstärkste in Hessen sei und allein die Main-Kinzig-Kinderklinik im vergangenen Jahr mehr als 9000 junge Patienten außerhalb der Sprechzeiten der Kinderärzte behandelt habe.

Es könne nicht angehen, dass Eltern aus dem Kreis bei Notfällen außerhalb der Sprechzeiten niedergelassener Kinderärzte mit ihren Kindern nach Offenbach fahren müssten, obwohl es mit den MKK-Kliniken und der Kinderklinik im Hanauer Krankenhaus qualifizierte Angebote in der Nähe gebe, so die Kreisspitze. „Da muss man kerngesund sein, um das zu verstehen“, wettert Pipa, auf dessen Schreiben die KV wochenlang nicht reagiert habe. „Wir können das nicht nachvollziehen und müssen den Verbandsfunktionären die Stirn bieten.“

„Populismus“ vorgeworfen

In einer Pressemitteilung hatte KV-Vorsitzender Frank Dastych dem Landrat unterdessen „Populismus“ vorgeworfen. Und er wolle als Aufsichtsratschef der MKK-Kliniken bloß Geld sparen, um seinen „klammen Landkreishaushalt“ zu entlasten. Weil er den Bereitschaftsdienst komplett durch die KV finanziert bekommen würde, könne er gut eine Million Euro sparen. Die KV könne aber nicht „auf Knopfdruck weitere Zentralen schaffen“. Es gebe in Gelnhausen und Umgebung zu wenig niedergelassene Kinderärzte, um dort einen Bereitschaftsdienst mit „vertretbarer Dienstbelastung zu organisieren“, so der KV-Chef.

Die KV habe einen gesetzlichen Auftrag, die ärztliche Versorgung auch in sprechstundenfreien Zeiten für Notfälle sicherzustellen, hält Pipa dagegen. „Bei der KV steht nicht das Sicherstellen sondern Zusammenstreichen im Vordergrund. Dafür brauchen wir keine KV. Und eine Belehrung von nichtgewählten, bürgerfeindlich handelnden Bürokraten habe ich nicht nötig.“ Die Kreistagsfraktionen von SPD, CDU, und Linken stehen hinter ihm. „Die KV-Pläne gehen auf Kosten der Kinder und Jugendlichen. Wenn die Versorgung außerhalb der Sprechstundenzeiten an niedergelassene Ärzte am Standort Offenbach angegliedert werden soll, dann verkennt dies eindeutig die Lage im Main-Kinzig-Kreis“, so Linken-Fraktionschef Andreas Müller.

Mehr als 50 Kilometer, die Eltern mit ihren Kindern im Notfall bis nach Offenbach zurücklegen müssten, seien nicht zumutbar, befindet SPD-Fraktionschef Klaus Schejna. Für die CDU sind die KV-Pläne schlicht „inakzeptabel“.

In einer Online-Petition hatten sich bis Freitagmorgen mehr als 4300 Menschen aus dem Kreis aber auch der Wetterau, dem Vogelsberg und den angrenzenden bayerischen Kommunen gegen die KV-Pläne gestellt.

Im formalen Teil der ersten Sitzung der neuen Wahlperiode wählte das Kreisparlament übrigens erneut mit großer Mehrheit Rainer Krätschmer von der SPD als größter Fraktion zum Kreistagsvorsitzenden.

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