Das Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg.
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Das Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg.

Umstrittene Kohlekraftwerke

Nicht nur Staudinger macht Dampf

Das hessische Kohlekraftwerk Staudinger ist nicht das einzige Großprojekt dieser Art, dass für dicke Luft sorgt. Auch die Kohlekraftwerke in Datteln, in der Ingelheimer Aue und in Moorburg sind umstritten.

Datteln: rot-grüner Zankapfel

Es ist das umstrittenste Industrieprojekt in NRW: Das geplante 1050-Megawatt-Steinkohlekraftwerk von Eon in Datteln könnte die rot-grüne Minderheitsregierung entzweien. Dabei weiß noch immer niemand, ob die 180 Meter hohe Anlage je fertiggestellt wird. Das Ruhrparlament, eine ebenfalls von SPD und Grünen bestimmte regionale Regierung des Ruhrgebiets, hatte Mitte Dezember beschlossen, Rechtsgutachten einzuholen, bevor über die Zukunft des Kraftwerks entschieden wird. Dies wird das Projekt um weitere Monate verzögern.

Erst vor rund einem Jahr hatte das Oberverwaltungsgericht Münster der Klage eines Bauern recht gegeben und den alten Bebauungsplan wegen zahlreicher Verfahrensmängel für ungültig erklärt. Seitdem stehen die Bauarbeiten größtenteils still.

Politisch birgt das Kraftwerk großen Konfliktstoff. SPD und Grüne haben im Koalitionsvertrag das Thema einfach ausgespart. Denn die Grünen hatten vor der Landtagswahl massiv gegen das von der schwarz-gelben Vorgängerregierung bewilligte Projekt protestiert. Auf Veranstaltungen verteilte Grünen-Chefin Claudia Roth symbolisch essbare „Datteln“ gegen den „Klimakiller“. Die SPD hingegen muss ihr wirtschaftspolitisches Gesicht wahren. Gerade im Ruhrgebiet ist die Verbindung zur Bergbaugewerkschaft IG?BCE sehr eng. (joe)

Ingelheimer Aue: Gas statt Kohle?

Vier Monate nach Baubeginn im Mai 2009 stoppen die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) den Bau eines Kohleheizkraftwerks für 1,2 Milliarden Euro auf ihrem Firmensitz, der Ingelheimer Aue.

Verantwortlich für das Einfrieren der 800-Megawatt-Anlage sind weder Umweltbedenken noch Wirtschaftlichkeitsrisiken noch die Proteste von Bürgerinitiativen und der Stadt Wiesbaden als Miteigentümerin des kommunalen Energieversorgers – sondern die Finanzkrise: Es fehlen plötzlich die Kreditgeber, die Banken winken ab. Inzwischen ist es unwahrscheinlich geworden, dass der Bau einmal fortgesetzt wird. Denn die KMW vermissen dafür ein „klares Bekenntnis der Bundesregierung zu Kohlekraftwerken“ für die künftige Energieversorgung.

Gas statt Kohle heißt nun die Devise. Seit September prüft das Unternehmen, ob sich ein neues Gaskraftwerk rechne. Dieses solle das ältere der beiden Gaskraftwerke ersetzen, aber wegen der hohen Gaspreise nicht im Dauerbetrieb von 8000 Stunden im Jahr laufen, sondern nur bei Bedarf zugeschaltet werden, in der Mittel- und Spitzenlast. (byb)

Moorburg: Streit um die Abwärme

2012 will Versorger Vattenfall den ersten von zwei Kraftwerksblöcken seines neuen Steinkohlekraftwerks an der Elbe im Stadtteil Hamburg-Moorburg in Betrieb nehmen. Jeder Block hat eine elektrische Leistung von je 820 Megawatt. Dafür soll das alte Kohlekraftwerk Wedel vor den Toren der Stadt abgeschaltet werden.

Bis zur Einigung im Oktober 2010 stritten Versorger und grün geführte Umweltbehörde gerichtlich über die Modalitäten der Wasserentnahme der Elbe. Mit dem Kompromiss steht dem Betrieb genehmigungsrechtlich nichts mehr im Wege, auch wenn noch Einzelklagen etwa vom BUND dagegen anhängig sind.

Vattenfall baut einen weiteren Kühlturm, um bei Bedarf eigenes Kühlwasser erzeugen zu können. Damit sinkt aber die Leistung des Meilers. Noch ist unklar, was mit der erzeugten Wärme passieren wird. Bürger- und Umweltinitiativen klagen gegen den Bau einer Fernwärmetrasse durch Hamburg-Altona. Ohne Wärmeverkauf wäre das Kraftwerk für Vattenfall weniger lohnend. (ori)

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