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Bis zu 15 000 Menschen hat die Wilhelmsbader Sommernacht in den vergangenen Jahren angezogen.

Hanau

Kunst unterm Schutzschirm

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Der Hanauer "Kultoursommer" muss mit weniger Zuschüssen von der Stadt auskommen. Das wird unter anderem mit steigenden Eintrittspreisen aufgefangen, auf eine Eröffnungsfeier wird verzichtet.

Er habe unter hohem Zeitdruck eine Herkulesaufgabe gelöst. Und trotz eines schmalen Budgets – zusammen mit lokalen Partnern – ein gutes Programm auf die Beine gestellt. Während der Vorstellung des Programms für den „Hanauer Kultoursommer“ überschüttete OB und Kulturdezernent Claus Kaminsky (SPD) Bernd Michel vom städtischen Veranstaltungsbüro mit Lob.

Bei der diesjährigen Auflage ist zunächst einmal der Name neu: In Anlehnung an die beliebte Kleinkunstreihe „Kultour“ heißt das Festival nun Kultoursommer. Doch die anderen Veränderungen sind tiefgreifender: Die Sparvorgaben des Kommunalen Rettungsschirms wirken sich auch auf den Kultoursommer aus. Die Stadt hat ihre Zuschüsse dafür deutlich reduziert, nach Angaben von Kaminsky von etwa 200 000 Euro in 2013 auf 134 000 Euro in diesem Jahr. Der Gesamtetat für die Veranstaltungen – inklusive Sponsorengelder – schrumpfte demnach von 252 000 Euro im vergangenen Jahr auf jetzt 189 000 Euro. Trotzdem gibt es in diesem Jahr zehn Programmpunkte im Fronhof und in Wilhelmsbad – zwei mehr als 2013.

Laut Kaminsky werden die sinkenden Zuschüsse durch höhere Sponsorengelder und Einsparungen bei Werbung und Programm aufgefangen. Aber auch mit steigenden Eintrittspreisen. Eine Karte für „Ambros pur!“ zum Beispiel kostet im Vorverkauf 32 Euro (ermäßigt 28 Euro), für „Tanz auf dem Vulkan“ 19 Euro ( 15 Euro).

Der Eintritt in Wilhelmsbad hingegen bleibt an allen drei Tagen frei. Dafür verzichtet die Stadt aus Kostengründen auf die beliebte Eröffnungsfeier auf dem Schlossplatz in der Altstadt. Auch die Opernveranstaltung am Sonntag wird gestrichen, statt dessen gibt es ein Irish-Folk-Picknick. Die Bühne wird diesmal unterhalb des Karussells stehen, auch um Kosten für Leinwände zu sparen, auf denen bisher die Zuschauer auf der Wiese das Programm verfolgen konnten. Das Parken in Wilhelmsbad kostet drei Euro.

Laut Michel richten sich die Gagen der Künstler vor allem nach den Zuschauerzahlen, die Grundhonorare seien relativ niedrig. Und beim Auftritt des bekannten Liedermachers Wolfgang Ambros trägt ohnehin der Veranstalter Shooter Promotions das Risiko. Die Stadt versucht, die klamme Kasse durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit Kulturschaffenden aus Hanau zu kompensieren. Neben Shooter Promotions sind dies der Trägerverein Kulturzentrum Pumpstation, IG Hanau rockt!, United Power Fields und das Jugendbildungswerk.

Alles sei knapp kalkuliert, sagt Michel. Damit es nicht zu eng wird, hofft er, dass möglichst viele Besucher kommen – und dass sie neben den Teelichtern und Laternen zum Kultoursommer auch die neuen Souvenir-Pins kaufen, um das Festival mitzufinanzieren. Auf den vier Euro teuren Pins ist eine zwinkernde Eule zu sehen und das Motto „Wilhelmsbader Sommernacht – die schönste Nacht unter den Sternen“. Michel sieht die Geldnot auch als Chance, noch stärker auf die Hanauer Kulturszene aufmerksam zu machen: „Wir haben hier viele ehrenamtliche Kulturangebote mit großem Potenzial. Wir müssen stärker mit den Veranstaltern kooperieren, um den Kultoursommer langfristig zu erhalten und vielleicht sogar auszubauen.“

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