Hanau

Kürzen, schließen, umschichten

  • schließen

Der Hanauer Sparhaushalt hat nun auch das Ressort Jugend und Familie erreicht. Neue Konzepte sollen verhindern, dass die Strukturen trotz Sparmaßnahmen nicht zerstört werden.

Zwei Jugendtreffs werden bis zu den Sommerferien geschlossen, die Betreuung schwieriger Jugendlicher wird nicht mehr an freie Träger vergeben. Das sind nur zwei Folgen der Etatkürzung. Gestern stellte Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) die Umorganisation der Familien- und Jugendarbeit vor. Strukturen sollen trotz harter Sparvorgaben nicht zerstört werden, so Weiss-Thiel. Unterm Strich soll sein Ressort ab 2015 rund 353 000 Euro im Jahr weniger ausgegeben. Der Gesamtetat beträgt 13,2 Millionen Euro, davon 1,5 Millionen Euro als freiwillige Ausgaben.

Die Umstrukturierung der Familien- und Jugendarbeit bezeichnete Weiss-Thiel als einen Prozess, der nicht wegen der Haushaltskonsolidierung angestoßen worden sei. Die bestehenden Angebote, deren Wirksamkeit und – neue wie alte – Bedarfe würden ständig überprüft. Dies müsse laut Weiss-Thiel auch vor dem Hintergrund geschehen, dass die Stadt in der Sparte gesetzliche Kinder- und Jugendhilfe immer mehr Aufgaben aufgebürdet bekomme, ohne eine entsprechende finanzielle Kompensation von Land oder Bund zu erhalten. Daher heißt es bei den freien Aufgaben der Familien- und Jugendarbeit: neue Profilierung und Konzentration auf Schwerpunkte.

Zu wenige Jugendliche

Das bedeutet für den Jugendtreff in Mittelbuchen und Klein-Auheim (Schlachthof) das Aus. In Mittelbuchen suchten durchschnittlich 22 Jugendliche den Keller im Bürgerhaus auf. Das seien zu wenige, so Franz Bornmann, Abteilungsleiter Familie und Jugend. Der vor drei Jahren eröffnete Schlachthof soll ausreichend Besucher haben, aber dennoch steht dort die Schließung an. Bornmann erklärte, dass die Besucher zumeist aus der Eppsteinschule kämen, daher sei es günstiger, das Juz in das nahe Evangelische Familienzentrum in Steinheim zu verlegen.

Zu den Gewinnern der Umorganisation wird das Jugendbildungs- und Kulturzentrum Hans Böckler zählen. Personell soll es um eine halbe Stelle aufgestockt werden. Inhaltlich soll dort wieder mehr politische Bildung und Jugendkultur geboten werden. Ein halbe Stelle mehr gibt es auch für den Lamboypark. Im Gegenzug wird die Nutzung im Nachbarschaftshaus Lamboy-Tümpelgarten eingeschränkt, um Miete zu sparen. Für das gut beanspruchte Familien- und Jugendzentrum Wolfgang könnte ein Umzug aus seinem beengten Domizil in die Robinsonschule bevorstehen. Das soll aber noch geprüft werden.

Bei den Ferienspielen ist bereits in diesem Jahr gekürzt worden. 2014 soll noch mehr gespart werden, wie, ist noch offen. Das monetäre Ziel steht hingegen fest, 60 000 Euro weniger sollen ausgegeben werden. Weiss-Thiel begründete diese Überlegung auch mit sinkenden Anmeldungen.
Beim Spielmobil wird nicht gekürzt, schon wegen seiner positiven Wirkung in Quartieren wie der Daimler- und der Ottostraße. Möglicherweise wird bald auch ein Jugendmobil in den Stadtteilen unterwegs sein, für Schüler ab zehn Jahre.

Die Einzel- oder Gruppenbetreuung von Jugendlichen, die sich etwa in einer schwierigen Pubertät befinden, soll künftig nicht mehr an freie Träger übertragen werden. Diese gesetzliche Aufgabe soll von städtischen Sozialpädagogen im Sozialraum der Jugendlichen etwa der Schule übernommen werden, sagte Andrea Knips-Profeld, Amtsleiterin Soziale Prävention. Einzelbetreuung könne aber auch in Kombination mit sozialer Gruppenarbeit erfolgen, hieß es.

Keine Nährkurse für Sozialpädagogen

Personell tue sich damit kein Engpass auf, weil an anderer Stelle Personal frei werde und die Mitarbeiter in der Betreuung von der Verwaltungsarbeit entlastet würden. Die Amtsleiterin berichtete, dass sich schon Fachkräfte für die neue Herausforderung gemeldet hätten. Die Sozialarbeiter sollen überhaupt stärker in ihrem Metier tätig werden und keine Nähkurse mehr leiten. Dazu reiche eine Hauswirtschaftlerin, die zudem günstiger sei, so Knips-Profeld.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare